Teuschnitz
Stadtumbau

Ein Gasthaus als Projekt der Teuschnitzer

Auf großen Zuspruch stieß die Informationsveranstaltung zur Gründung einer Bürgergemeinschaft für das Quartier "Schwarzes Kreuz".
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So soll der Gasthof "Schwarzes Kreuz" künftig aussehen  Visualisierung: Haberbeck Schlempp Architekten GmbH
So soll der Gasthof "Schwarzes Kreuz" künftig aussehen Visualisierung: Haberbeck Schlempp Architekten GmbH
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Die Baumaßnahmen zur Wiederbelebung des ehemaligen Gasthofes "Schwarzes Kreuz" laufen auf Hochtouren. Am Standort der ehemaligen Traditionsgaststätte entsteht ein neuer Treffpunkt mit Gastronomie und Biergarten. Das neue Wirtshaus soll ein Gemeinschaftsprojekt werden, an dem sich möglichst alle Bürger und Vereine beteiligen sollen. Ziel ist die Gründung einer Bürgergemeinschaft "Schwarzes Kreuz". Am Montag luden die Stadt und das Stadtumbaumanagement alle Interessierten zu einer Informationsveranstaltung in die Arnika-Akademie ein.

"Unsere Bevölkerung wünscht sich eine Gastwirtschaft", erklärte eingangs Bürgermeisterin Gabriele Weber (CSU). Immer wieder werde sie auf das Thema angesprochen und in einem Fragebogen über die zünftige Entwicklung der Stadt hatten 95 Prozent - höchster Wert der Befragung überhaupt - diesen Wunsch geäußert. Erfreulicherweise wird das 6-Millionen-Euro-Projekt von der Förderoffensive Nordostbayern mit einem Höchstfördersatz von 90 Prozent bedacht. "Das Geld allein nützt aber nichts", betonte sie. Vielmehr gehe es um die Schaffung eines Projekts, hinter dem die Bürger stehen und das als "ihr Projekt" angenommen wird.

Bereits vor zehn Jahren hatte sich die Stadt, so Weber, das Vorkaufsrecht gesichert und nach langen Verhandlungen mit der damaligen Brauerei eine Auflösung der Brauereibindung erreicht. Aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten war dieses Vorkaufsrecht aber all die Jahre nicht ausgeübt worden. Durch die Förderoffensive habe man nunmehr die einmalige Chance einer Wirtschaft vor Ort.

Geplante Eröffnung: 2021

Der Abbruch ist im vollen Gange. Das Haus wurde innen ausgeräumt; der Dachstuhl abgenommen. Der zunächst angedachte Komplettabriss des Gebäudes - mit Ausnahme der vorderen Mauer - war aufgrund der Kommunmauer zum Nachbarhaus nicht möglich. Deshalb werde nur der hintere Bereich abgebrochen. Für die anstehenden Rohbauarbeiten erhält das Gebäude heuer noch ein Notdach. Die Eröffnung ist für 2021 geplant.

"Das wird eine schöne Sache", zeigte sie sich voller Vorfreude auf den Biergarten, eine Wirtschaft mit zwischen 50 und 70 Plätzen, elf Gästezimmern mit insgesamt 19 Betten als Übernachtungsmöglichkeiten sowie den ganz oben untergebrachten Veranstaltungssaal. "Es soll ein Gasthaus der Teuschnitzer sein", betonte sie, dass es bei der Bürgergemeinschaft nicht um das Einsammeln von Geld gehe. Es gehe auch nicht um große Gewinne, sondern um den ideellen Wert und um die Identifizierung mit dem Projekt.

Dies betonten auch Theresa Loos vom das Stadtumbaumanagement betreuenden Büro CIMA und Fachberater Wolfgang Gröll. Loos informierte über den aktuellen Sachstand. Nächste Schritte sind die faktische Gründung einer Bürgergemeinschaft, die Gründung eines nicht eingetragenen Vereins und die intensive Pächtersuche.

Ein Stimmrecht pro Person

Über die rechtlichen Rahmenbedingungen informierte Gröll. Interessierte können sich mit einer Mindesteinlage von 150 Euro einbringen; es können auch mehrere Anteile gezeichnet werden. Die Haftung ist nur auf die Einlage begrenzt. Die Mindestlaufzeit beträgt zwölf Jahre. Die Beteiligung an den Überschüssen kann zum Beispiel über Wertgutscheine erfolgen. Die Abbuchung erfolgt erst, wenn die Bürgergemeinschaft tatsächlich zustande kommt und gegründet wurde. Das eingezahlte Geld wird ausschließlich dazu verwendet, den Betrieb des neuen "Schwarzen Kreuzes" zu starten. Wichtigste Ausgaben dafür sind Investitionen in die Inneneinrichtung. Das Stimmrecht erfolgt nach Personen und nicht nach der Kapitaleinlage; jeder hat also nur eine Stimme.

Gröll empfahl eine Bürgergemeinschaft auf Basis eines nicht eingetragenen Vereins - als schlankste und einfachste strukturierte Variante. Bei der Diskussion fragte Michael Hebentanz (FW) nach der Möglichkeit eines privaten Betreibers. Laut Gröll sollte man Prioritäten setzen: Erster Wunsch sei ein privater Betreiber. Finde man den nicht, habe man eine Lösung parat. Merke ein potenzieller Investor, dass die Bürgerschaft hinter dem Projekt stehe, bedeute dies einen größeren Anreiz für ihn. Hinzu kämen weitere Vorteile wie die Brauereifreiheit, eine relativ günstige Pacht, keine Konkurrenz vor Ort. Aufgrund der Förderquote könne man mit wenig Eigenkapital etwas richtig Tolles hinstellen.

Laut Netzwerkmanager Oliver Plewa hat man - auf Rückfrage von Mario Stingl (SPD) - bereits die Fühler ausgestreckt. Interesse bei mehreren Köchen sei vorhanden. Dabei sei es das Ziel, so die Bürgermeisterin, dass sich die Bürgerschaft bereits bei dessen Auswahl beteilige. Dahingehend äußerten sich auch die anwesenden Bürger. "Das ist die Chance", appellierte beispielsweise Hans-Peter Müller: "Wenn 95 Prozent eine Gastwirtschaft wollen, müssen sie eben auch mitmachen!"

Gründung am 28. Oktober

Die Gründung der Bürgergemeinschaft erfolgt im Rahmen einer Bürger-Versammlung am 28. Oktober um 19 Uhr in der Arnika-Akademie. Dabei können Anteile gezeichnet werden.

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