Kronach
Gewässer

Ein ganz natürlicher Vorgang

Hohe Temperaturen, eine verminderte Abflussgeschwindigkeit und eine höhere Nährstoffkonzentration sind die Ursache für das rasante Wachstum der Algen in den heimischen Gewässern. Das Phänomen wirkt sich auch auf die Fische aus.
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Innerhalb weniger Tage haben sich die Algen in der Haßlach so ausgebreitet, dass die Oberfläche des Flusses kaum noch zu sehen ist. Cindy Dötschel
Innerhalb weniger Tage haben sich die Algen in der Haßlach so ausgebreitet, dass die Oberfläche des Flusses kaum noch zu sehen ist. Cindy Dötschel

Von den Oberflächen vieler heimischer Gewässer wie der Haßlach ist momentan nicht mehr viel zu sehen. Das Wasser ist in manchen Bereichen nahezu vollständig mit einer Schicht aus Algen bedeckt, die sich binnen weniger Tage rasant verbreitet haben. "Es handelt sich um einen ganz natürlichen Vorgang, der sich nicht verhindern lässt", beruhigt Matthias Schrepfermann. Laut dem stellvertretenden Betriebsleiter des Wasserwirtschaftsamts sind die heißen Temperaturen der vergangenen Tage der Auslöser für das schnelle Wachstum der Algen.

Ein natürlicher Vorgang

Erklären lässt sich das Phänomen durch die Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel: "Wenn die Temperaturen um zehn Grad steigen, verdoppelt sich der biologische Umsatz. Im Winter beträgt die Wassertemperatur vier Grad, jetzt wurden 24 Grad gemessen." Durch das Sonnenlicht und die steigende Nährstoffkonzentration im Wasser wird das Wachstum der Algen zusätzlich begünstigt.

"Um zu wachsen, benötigen die Algen Nitrat und Phosphat", erklärt Schrepfermann. "Weil die Abflussgeschwindigkeit wegen der geringeren Wassermasse derzeit deutlich niedriger ist, steigt die Konzentration der Nährstoffe."

Phosphat und Nitrat

Die Menge der Nährstoffe, die der Haßlach zugeführt werden, sei das ganze Jahr über konstant. Das Phosphat und das Nitrat gelangen auf gleich zwei Weisen in die Haßlach. "Kläranlagen leiten das gereinigte Abwasser in das nächstgelegene Gewässer", erklärt der Chemiker. Dünger aus der Landwirtschaft werde zudem durch den Regen in die Flüsse gespült.

Fische wandern ab

In der Fachsprache werden Kläranlagenzuflüsse als Punktquellen bezeichnet, die Landwirtschaft als Flächenquelle. Ein Bruchteil des Nitrats und des Phosphats kommt außerdem durch die Ausscheidungen der im Wasser lebenden Tiere und die Luftverunreinigung durch den Verkehr ins Wasser. "Wenn es regnet, dürfen Landwirte nicht düngen und sind außerdem dazu angehalten, nur so viel Dünger einzusetzen, wie die Pflanzen aufnehmen können", sagte Biologin Julia Krawina.

Mit steigenden Temperaturen sinkt auch der Sauerstoffgehalt des Wassers. Damit die Fische atmen können, muss sich der Sauerstoff im Wasser lösen: "Bei einer Wassertemperatur von null Grad liegt der Sauerstoffgehalt bei 14,6 Milligramm pro Liter. Bei 20 Grad sind es nur noch 9,1 Milligramm pro Liter - unter Laborbedingungen", weiß Schrepfermann. Wenn die Konzentration des Sauerstoffs unter drei Milligramm pro Liter sinkt, wird die Situation für die Fische kritisch.

"Die Fische stehen unter Stress und bräuchten eigentlich noch mehr Sauerstoff", betont Krawina. Die Biologin vermutet, dass diese an tiefere und schattigere Stellen der Haßlach abwandern. "Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich größere Fische zum nächsten Wehr spülen lassen und abwarten, bis der Wasserpegel wieder steigt." Ihrer Einschätzung nach haben es kleinere Fische leichter, weil diese sich durch die Wehre spülen lassen können.

Was von der Art abhängig ist

Wie viel Sauerstoff die einzelnen Fische benötigen, ist von der Art abhängig. "Während Aale und Karauschen auch bei einem niedrigen Sauerstoffgehalt überleben, benötigen Forellen, Barben, Eschen und Mühlkoppen mehr Sauerstoff", erklärt Krawina. Ein Fischsterben sei in Kronach aber noch nicht ausgebrochen.

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