Küps
Natur

Eichenprozessionsspinner wütet in Gemeinde Küps

Der vergleichsweise unscheinbare Eichenprozessionsspinner hinterlässt auch im Landkreis seine Spuren. Erste Teilbereiche mussten wegen der Gefahren gesperrt werden. Die Rede ist aktuell von 750 Nestern.
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Eines von vielen Nestern entlang des Geh- und Radweges zwischen Tüschnitz und Schmölz.
Eines von vielen Nestern entlang des Geh- und Radweges zwischen Tüschnitz und Schmölz.
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Wer derzeit etwa den Rad- beziehungsweise Gehwege zwischen Tüschnitz und Schmölz benutzen will, hat schlechte Karten. Grund: Der Eichenprozessionsspinner hat sich dort eingenistet und stellt nicht zuletzt eine Gefahr für Menschen dar. Der Falter an sich ist völlig harmlos. Allerdings sind es die sehr feinen Haare der Raupe, die ein Eiweißgift namens Thaumetopoein enthalten, das wiederum bei vielen Menschen eine Reizung der Haut sowie Schleimhäute auslösen und mitunter sogar allergische Reaktionen verursachen kann. Deshalb sollte ein Kontakt mit den Brennhaaren unbedingt vermieden werden.

Auf eine dringliche Anordnung von Landrat Klaus Löffler (CSU) hin, wurde eine Fachfirma mit der schnellstmöglichen Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners beauftragt. Aktuell geht das Landratsamtes von 750 so genannten Gespinsten (Nestern) aus, die auch unter dem Einsatz einer Hubbühne entfernt und entsorgt werden müssen.

Der Forstschädling kommt ausschließlich auf Eichen vor, deren Blätter die Raupen fressen. Die Raupen befinden sich tagsüber in ihren Nestern. Abends wandern die Raupen, ähnlich einer Prozession, zum Fressen den Baum hinauf.

Auf Grund der gesundheitlichen Gefahren hat das Landratsamt nun den Weg zwischen Tüschnitz und Schmölz ebenso gesperrt wie Teilbereiche entlang der Kreisstraßen 27 (am Ebnether Berg in Oberlangenstadt) und 22 (Küps in Richtung Burkersdorf und weiter), damit Menschen erst gar nicht mit den Raupen in Kontakt kommen können.

Wie das Landratsamt mitteilt, ist vorsorglich grundsätzlich ausreichend Abstand zu Eichenbäumen einzuhalten, an denen Raupen oder Gespinste sind. Auch bittet die Behörde, es der jeweiligen Gemeinde zu melden, wenn man befallene Eichen feststellt.

Auf keinen Fall sollte man in Eigenregie gegen die Nester vorgehen. Auch sollte man keine Selbsthilfemethoden wie Abflämmen oder Wasserstrahl anwenden, weil das die Problematik durch die Verteilung der Brennhaare noch verschärft. Bei Auftreten starker allergischer Symptome rät das Landratsamt dazu, sofort einen Arzt aufzusuchen. Der Küpser Bürgermeister Bernd Rebhan betonte auf Nachfrage, dass er seine Bürger bereits am Mittwoch in der aktuellen Ausgabe des Mitteilungsblattes der Gemeinde über die Situation informiert hat.

Wie Pressesprecher Bernd Graf vom Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, sei es nicht ausgeschlossen, dass noch weitere vom Eichenprozessionsspinner befallene Teilbereiche vorübergehend gesperrt werden müssen. Grundsätzlich sei jeder Träger für seinen Bereich zuständig - also der Landkreis beispielsweise für die Areale rund um Kreisstraßen. Gemeinden oder auch Forstbetriebe seien zunächst selbst für ihre Bereiche verantwortlich, wenngleich eine Abstimmung mit der Naturschutzbehörde beziehungsweise mit dem Amt für Sicherheit und Ordnung sinnvoll ist.

Leiter Fritz Maier vom Forstbetrieb Nordhalben hat im Landkreis Kronach in seinem Zuständigkeitsbereich bislang noch keine Hinweise auf den Eichenprozessionsspinner erhalten: "Für uns ist das aktuell kein besonderes Thema." Wenn dem aber so sein sollte, würden entsprechende Maßnahmen ergriffen. Auch hier würden dann Bereiche abgesperrt, gegebenenfalls Parkplätze geschlossen, Wanderwege umgeleitet oder Forstarbeiten verschoben. Wenn das Aufkommen der Raupen aber zu groß sei, müssten die Nester abgesaugt beziehungsweise sogar mit Pestiziden bekämpft werden. Obwohl es im Forstbereich aktuell keine Meldungen gibt, ist Maier nicht verborgen geblieben, dass man heuer allgemein sehr viel vom Eichenprozessionsspinner hört.

Maier warnt auch vor der Annahme, dass - falls keine fachgerechte Entfernung der Nester erfolgt - nach der Entpuppung keine Gefahr mehr bestehe. "Es können dann immer noch Haare und Gespinste in den Bäumen hängen." Deshalb sei grundsätzlich Vorsicht geboten. Maier glaubt im Übrigen, dass auf lange Sicht nicht zwingend immer Bekämpfungsmaßnahmen erforderlich sein müssen. "Bei solchen Sachen entwickeln sich nicht selten auch Gegenspieler. Da kann man auch ein bisschen auf die Natur hoffen."

Bereits seit ein paar Jahren besiedelt der unscheinbare Schmetterling den südlichen Landkreis Kronach. "Es ist ein zunehmendes Vordringen in unsere Region und in unseren Landkreis zu beobachten. Das ist ein schleichender Prozess", verdeutlicht Graf. Warum das gerade im südlichen Landkreis der Fall ist, dafür hat Graf eine einfache Erklärung: "Dort gibt es zum einen mehr Eichen und zum anderen hängt das möglicherweise mit den klimatischen Gegebenheiten zusammen." Wenngleich Graf noch darüber spekuliert, wird seine Meinung von Maier bestärkt: "Die frühzeitige Wärme in diesem Jahr war für den Eichenprozessionsspinner ideal."
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