Eine Autorenlesung kann eine recht steife Angelegenheit sein: Einer liest und die anderen hören zu. Am Kaspar-Zeuß-Gymnasium (KZG) kommen Buchvorstellungen nicht nur unter einem neuen Namen, sondern auch in einem viel moderneren Gewand daher. In Zusammenarbeit mit der Literaturpädagogin Stefanie Boor aus Köln stellten die achten Klassen ihren Mitschülern aus der siebten Jahrgangsstufe aktuelle Jugendbücher vor. Dies passierte in Form kurzer Slams.

Unter Book Slam (Book: Buch, to slam: zuschlagen) versteht man mehrere kurze Buchvorstellungen. Anders als bei der traditionellen Form geht es hier aber um einen Wettbewerb, bei dem Bücher möglichst unterhaltsam präsentiert werden sollen. Ob musikbegleitet, mit Hintergrundbild per Overheadprojektor oder als szenische Präsentation - der Phantasie und Kreativität waren auch am KZG keine Grenzen gesetzt. Die einzige Vorgabe war ein Zeitlimit von drei Minuten. Über die Einhaltung wachten die Siebtklässler Paul und Milan mit Stoppuhr und Trillerpfeife. Anschließend gaben die Zuschauer Punkte von 1 bis zur Höchstwertung 10, die sehr oft vergeben wurde - und das vollkommen zu Recht.

"Es geht darum, neugierig auf Bücher zu machen", erklärte die Leiterin des Book Slam, Stefanie Boor. Für das seit November laufende Projekt war die freiberufliche Lese- und Literaturpädagogin mehrere Male zu Gast an der Schule. Zunächst hatten sich die Achtklässler in einem "Bind Date" mit den Büchern beschäftigt, diese ausgewertet und ihren Favoriten auserkorenen, den sie vorstellen wollten. "Blind Date" deshalb, da Boor die Bücher "verpackt" hatte, damit sich die Schüler bei der Auswahl nicht vom Cover beeinflussen ließen. Gemeinsam wurden die Präsentationen erarbeitet, mit denen die Achtklässler ihren jüngeren Mitschülern in besonders kreativer Form Buchtipps geben sollten. "Was wir hier machen, ist kein durchgestyltes youtube-Video", betonte Boor. Vielmehr gehe vieles über Improvisation. Die Idee Book Slam stammt von Stephanie Jentgens, die ihn an der Akademie Remscheid ausgearbeitet hat. Die Methode geht auf den Poetry Slam zurück.

Effektvolle Rollenspiele

Dann ging es Schlag auf Schlag! Bei allen Präsentationen handelte es sich um sehr aktuelle - insbesondere polit- und gesellschaftskritische - Bücher mit Themen wie Mobbing, Gewalt, Ausgrenzung, Vorurteile, die Gefahren von Internet und Co. Diese wurden von den Achtklässlern durchwegs sehr phantasie- und effektvoll dargestellt, insbesondere in Form eines Rollenspiels aber auch als Monolog - mit allerhand Action und "Schock-Effekten" wie Mord oder einem Amoklauf-Lauf im Klassenzimmer, aber auch mit vielen ruhigen Momenten zum Nachdenken und Wirkenlassen. Natürlich durfte auch mal gelacht werden. Erst nach Ablauf der Zeit wurde verraten, um welches Buch es sich handelt.

Am besten bei den Siebtklässlern kamen "Befreiungsschlag" sowie "Scheiße bauen: sehr gut" an. In "Befreiungsschlag" wird Jugendlichen ein wichtiges Thema sehr anschaulich vermittelt. Die Hauptperson ist der Heranwachsende Maik, der aufgrund seiner Prügelattacken zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt wird. Beim Anti-Gewalt-Training, das er zunächst als "Psychogeschwätz" für völlig überflüssig hält, macht er erstaunliche Erfahrungen. Vorgestellt wurde das Buch von Moritz Michel, Daniel Swetlitschui, Florian Büttner, Luise Probst und Niklas Roth in zwei verschiedenen Szenen - einer Prügelei und der Gerichtsverhandlung.

"Scheiße bauen: sehr gut" ist ein komischer und warmherziger Coming-of-Age-Roman über den Jugendlichen Paul. Paul ist faul und stolz darauf, dass er trotzdem irgendwie durchs Gymnasium kommt. Beim Schnupperpraktikum in der Förderschule wird er für den neuen Schüler Per gehalten und so schlüpft er spontan in dessen Rolle. Mit offensichtlichem Spaß spielten Senta Porzelt, Jonas Neubauer, Emma Bochröder und Antonia Beitzinger eine lustige Szene aus der Verwechslungsgeschichte.

Nicht zu viel verraten!

Über ihr Erfolgsgeheimnis sind sich die besten "Slammer" einig: Nicht zu viel über das Buch verraten, sondern nur gerade so viel, um damit neugierig zu machen. Das Wenige jedoch müsse man möglichst effektvoll und spannend vermitteln. Keine ganz einfache Aufgabe, aber auf alle Fälle lustig und mit viel Spaß verbunden.

Rang zwei "teilten" sich "For your eyes only" über einen Klick mit Folgen, der Polit- und Gesellschaftskrimi "Der Schuss" sowie der Thriller "Schön, schöner, Tod". Auf Rang drei landete der Science-Fiction-Roman "Scythe - Die Hüter des Todes". Weiter vorgestellt wurden der spannende Roman aus der NS-Zeit "Der Junge auf dem Berg", das Manga "Sherlock 1: Ein Fall von Pink", "Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente" über die vielen möglichen Formen des Abschieds", der Science-Fiction-Roman "Boy in a white room", der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 ausgezeichnete Sozialthriller "The Hate U Give" sowie die Amoklauf-Story "Was wir dachten, was wir taten".

Initiiert wurde der Book Slam, der nicht der letzte bleiben soll, seitens der Schule von Susanne Posekardt. Alle zwölf vorgestellten Bücher wurden für die Schul-Bibliothek angeschafft.