Kronach
Autozulieferer

Dr. Schneider spürt Aufwind

Der Kronacher Spezialist für Belüftungssysteme in Autos rechnet in den kommenden Jahren mit überdurchschnittlichem Wachstum. Vor allem die neuen Werke in China und den USA sollen nach und nach ausgebaut werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Dr.-Schneider-Mitarbeiterin Christa Williams prüft im Werk Kronach-Neuses eine Display-Blende für den Audi A4. Foto: Barbara Herbst
Dr.-Schneider-Mitarbeiterin Christa Williams prüft im Werk Kronach-Neuses eine Display-Blende für den Audi A4. Foto: Barbara Herbst
Branchenkennern ist der Name längst ein Begriff. Auch im Landkreis Kronach kennen die meisten die Dr.-Schneider-Unternehmensgruppe. Der im Kronacher Stadtteil Neuses ansässige Spezialist für Kunststoffprodukte ist größter Arbeitgeber im Kronacher Land. 1200 Menschen arbeiten hier, weltweit sind es inzwischen insgesamt rund 2900.

Aber andernorts können viele mit dem Firmennamen wenig anfangen, vermuten dahinter mitunter ein Unternehmen der Pharmaindustrie. Dabei haben sie als Autofahrer die Dr.-Schneider-Produkte eigentlich ständig im Blickfeld. Wer an den Lüftungsdüsen dreht, um für frische Luft in seinem Pkw zu sorgen, berührt in der Regel ausgefeilte Technik aus Oberfranken. Denn die Kronacher Firma beliefert nahezu alle namhaften Autohersteller der Welt.

"Wir sind vor allem sehr stark im Premium-Segment", berichtet Günter Murmann, Vorsitzender der Geschäftsführung. Nicht nur Limousinen von Daimler, BMW oder Audi sind mit Dr.-Schneider-Produkten ausgestattet. Auch in Luxusautos wie Rolls-Royce, Jaguar oder Ferrari sind die Autoteile der Firma zu finden.


Enkelinnen sind Gesellschafter

Weltmarktführer sind die Kronacher bei Belüftungssystemen. "Wir bezeichnen das als Ausströmer", sagt Murmann. Was in der Mittelkonsole, aber auch im Fond oder im Dach des Autos zu finden ist, schaut nur auf den ersten Blick nach einfachem Spritzgussteil aus. Hinter Drehrädern und Lamellen steckt über Jahrzehnte ausgefeilte Technik.

Seit 1927 ist das Familienunternehmen am Markt. Gesellschafter sind die vor Ort verwurzelten Schwestern Annette Schneider und Sylvia Schmidt, Enkelinnen des Firmengründers.

Die Mitarbeiter von Dr. Schneider sorgen aber nicht nur für frischen Wind, auch wenn die Hälfte des Umsatzes mit Belüftungssystemen erzielt wird. Das auf Kunststoffe spezialisierte Unternehmen liefert den Autoherstellern viele weitere Teile für das Interieur eines Pkw: zum Beispiel Innenraumverkleidungen (Fensterrahmen, Dekorteile), Handschuhfächer, Armlehnen, Kosmetikspiegel, Lautsprechergitter oder auch Tassen- und Smartphone-Halter. Auch Tankklappen außen am Fahrzeug gehören seit 2007 zum Sortiment.


In Polen größte Produktion

Produziert wird an sieben Standorten. Das größte Werk liegt inzwischen in Polen. Dass die Gruppe auf internationales Wachstum ausgerichtet ist, hat sie vor allem zuletzt gezeigt. 2012 wurde ein Werk in China eröffnet, der Produktionsstandort Russell Springs in den USA (Kentucky) wurde erst vor wenigen Wochen seiner Bestimmung übergeben.

"Für uns ist es wichtig, dort zu produzieren, wo die Kunden sind", erklärt Geschäftsführer Murmann. Nur mit dem internationalen Engagement könnten auch die Arbeitsplätze an den deutschen Standorten in Franken und Thüringen gesichert werden.


Marktpotenzial weltweit

386 Millionen Euro Umsatz erzielte Dr. Schneider im vergangenen Jahr. Mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Das Ergebnis vor Steuern liege mit drei bis vier Prozent Marge im branchenüblichen Durchschnitt, berichtete Geschäftsführer Wilhelm Wirth. "Für 2014 haben wir einen Umsatz von 399 Millionen Euro geplant", kündigte der Geschäftsführer an.

In den nächsten fünf Jahren will der Autozulieferer laut Wirth seinen Umsatz jährlich um fünf Prozent steigern. Vor allem die Werke in den USA und in China sollen ausgebaut werden. "Wir können optimistisch in die Zukunft sehen", sagte Murmann. Das Marktpotenzial sei weltweit gegeben.

Vor allem in China rechnen die Dr.-Schneider-Verantwortlichen bis 2018 mit einem um 36 Prozent höheren Produktionsvolumen. Entsprechend sehen laut Murmann auch die Pläne für das Werk Liaoyang aus. Erwirtschaften dort 40 Mitarbeiter heuer einen Umsatz von gerade einmal 873.000 Euro, so sollen es in fünf Jahren bereits 25 Millionen Euro sein. Die Zahl der in China Beschäftigten wird demnach in diesem Zeitraum auf 400 Mitarbeiter steigen.

Und auch im nagelneuen US-Werk Russell Springs ist die Steigerung schon angelegt. Derzeit arbeiten hier 75 Menschen. Mit Produkten zunächst nur für BMW sollen in diesem Jahr sieben Millionen US-Dollar Umsatz erwirtschaftet werden. Schon im nächsten Jahr dann zählen laut Murmann auch Daimler und Ford zu den Kunden des Werks. Die Schneider-Ziele dort bis 2018: 250 Mitarbeiter und 30 Millionen US-Dollar Umsatz.

"Wir sind nicht so leicht austauschbar", sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung. Entscheide sich ein Kunde für Dr. Schneider, würden zunächst spezielle Werkzeuge für die Produktion gebaut werden. Ein solcher Auftrag benötige dann ungefähr zwei Jahre Vorbereitungszeit.


Schwarz ist nicht gleich Schwarz

Allein im heimischen Werk Neuses würden täglich 30 bis 40 Tonnen Kunststoffgranulat verarbeitet, berichtete Wolfgang Beer, technischer Leiter bei Dr. Schneider und verantwortlich für die Produktion in allen Werken weltweit. Dabei kämen verschiedene Farben zum Einsatz.

Wie anspruchsvoll die Kundenwünsche sind, machte Beer an einem Farb-Beispiel deutlich: "Es gibt allein zehn verschiedene Schwarztöne." Jeder Autohersteller lege Wert darauf, dass genau seine Vorgabe der Farbe Schwarz zum Einsatz komme. Auch wenn der Laie keinen Unterschied sehe.

Täglich werden laut Unternehmensangaben durchschnittlich 630.000 Fertigungsteile in alle Welt verschickt, davon 150.000 Ausströmer.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren