Nordhalben
Infrastruktur

Diskussion um Ködeltalsperre: Nordhalben übt Kritik - andere halten den Wasserspeicher für einen Glücksfall

In vielen Kommunen sieht man die Ködeltalsperre im Frankenwald als Glücksfall an. In Nordhalben, dem größten Anrainer, gibt es kritische Stimmen.
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Über den Entnahmeturm der Ködeltalsperre fließen jährlich etwa 12,6 Millionen Kubikmeter Wasser ins Leitungsnetz der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO). Foto: Andreas Schmitt
Über den Entnahmeturm der Ködeltalsperre fließen jährlich etwa 12,6 Millionen Kubikmeter Wasser ins Leitungsnetz der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO). Foto: Andreas Schmitt
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"Andere profitieren und wir kriegen gar nichts." Die Kritik von Michael Pöhnlein (FW), Bürgermeister von Nordhalben, ist deutlich. Die Marktgemeinde hat einen großen Anteil am Einzugsgebiet der Ködeltalsperre.

So funktioniert die Talsperre: Ein Wasserspeicher für Tausende

"Die Älteren erzählen mir, dass sie sich übers Ohr gehauen fühlten", berichtet Pöhnlein über ein Misstrauen gegenüber bayerischen Behörden, das immer wieder hochkoche. "Das war in den 80ern bei der Flurbereinigung so und 2017 bei der Nationalpark-Diskussion."

Was ärgert die Nordhalbener: Viele Grundstücke gingen beim Bau der Talsperre wohl zu verhältnismäßigen kleinen Preisen an den Freistaat über. "Einige wenige haben sich gewehrt, und wurden teilweise mit der zehnfachen Entschädigungssumme enteignet", erzählt Pöhnlein.

Viel Zank gab es ums Fischereirecht. Da die Talsperre als stehendes Gewässer eingestuft werden sollte, wäre die kommunale Hoheit erloschen. Nordhalben klagte und durfte nach jahrzehntelangem Hickhack sein Fischereirecht unter Auflagen behalten.

Des Weiteren leide Nordhalben unter Nachteilen durch das große Wasserschutzgebiet. "Andere Kommunen können wachsen, wir nicht. Wir sind ein Zulieferer ohne Lohn", sagt Pöhnlein, der einen finanziellen Ausgleich fordert. So könnten Gemeinden im Bamberger Land große Gewerbegebiete ausweisen - und Nordhalben seien durch Wasserschutzrichtlinien die Hände gebunden.

Mehrmals habe sich die Kommune an das bayerische Umweltministerium gewandt. Stets ohne Erfolg. Es gebe keine gesetzliche Grundlage. "Dann muss das Gesetz eben geändert werden", sagt Pöhnlein.

Entspannter sieht man die Lage bei den thüringischen Nachbarn. "Wir konnten den Bau von Eigenheimen in Rodacherbrunn nicht umsetzen", berichtet Manfred Rank (parteilos), Ortsteilbürgermeister von Titschendorf im Stadtgebiet von Wurzbach. Dort entspringen viele kleine Flüsse, die in die Ködeltalsperre fließen. Außerdem seien Öllieferungen auf einigen Straßen verboten. Dies sei aber längst Normalität. "Es gibt Einschränkungen, aber sie sind vertretbar."

Gerhard Wunder: "Die Talsperre ist ein Glücksfall"

"Dass aus der Leitung kein Wasser kommt, wollen wir nicht mehr erleben", sagt Gerhard Wunder (CSU). Der stellvertretende Landrat und Bürgermeister der Gemeinde Steinwiesen, die wie Nordhalben und Tschirn Anteil an der Ködeltalsperre hat, bezeichnet sie als Glücksfall. "Wasser ist unser höchstes Gut; woanders wird darum gekämpft." Wunder kann sich an die 1970er Jahre erinnern, als in Steinwiesen Wasser mit Autos geliefert werden musste. "Durch die Talsperre ist die Versorgung sicher."

Natürlich gebe es Nutzungseinschränkungen in der Schutzzone. "Das ist aber beherrschbar. Es gibt keine Beschwerden von Landwirten." Ausgleichszahlungen - wie sie sein Bürgermeister-Kollege aus Nordhalben fordert - hält Wunder für unrealistisch. Außerdem seien selbst Neubauten von Firmen möglich. "Wunder Formenbau in Nurn erhielt eine Ausnahmegenehmigung mit Auflagen." Der Bürgermeister ist froh, dass die Talsperre gebaut wurde. "Heute würde das nicht gehen, bei der großen Skepsis gegen Großprojekte."

Heinz Köhler (SPD) hält die Ködeltalsperre ebenfalls für einen großen Segen. Der Kronacher Kreisrat war von 1972 bis 1989 Landrat und ist seit 1975 Verbandsvorsitzender der FWO. "Von der Wasserknappheit nach einem trockenen Sommer waren früher Tausende betroffen", erinnert sich Köhler. "Und wenn das mit dem Wasser nicht funktioniert, funktioniert nichts."

Die Kritik aus Nordhalben kann er nicht nachvollziehen. "Das ist doch nur Theorie. Um einen Betrieb anzusiedeln, muss es erstmal einen geben, der da hin will."

Die Forderung nach einer Kompensation hält er für unrealistisch - und sie sei auch nicht Sache der FWO. "Wir sind Kunde des bayerischen Staates und zahlen unseren Preis fürs Wasser." Außerdem habe Nordhalben auch touristische Vorteile durch die Talsperre. "Sie bringt seit 40 Jahren massenhaft Ausflügler."

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