Kronach
Überlieferung

Diese Kleider trägt der Nikolaus in Kronach

Sie orientieren sich am klassischen Bischofsgewand. Mit dem Weihnachtsmann hat das Erscheinungsbild aber nichts zu tun.
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Die Kleider "unseres" Nikolaus orientieren sich direkt an denen eines echten Bischofs. Wir zeigen sie auf den folgenden Bildern.Die Kleider "unseres" Nikolaus orientieren sich direkt an denen eines echten Bischofs. Wir zeigen sie auf den folgenden Bildern.
Die Kleider "unseres" Nikolaus orientieren sich direkt an denen eines echten Bischofs. Wir zeigen sie auf den folgenden Bildern.Die Kleider "unseres" Nikolaus orientieren sich direkt an denen eines echten Bischofs. Wir zeigen sie auf den folgenden Bildern.
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Wenn heute der Nikolaustag begangen wird, dann in unterschiedlichen Varianten: Für die einen ist der Mann mit Stab und Bischofsmütze einfach ein Gabenbringer und strapaziert Stiefelnähte mit Spielzeug, Kleidern und Elektroartikeln. Andere fühlen sich durch den Nikolaus an den Bischof aus Myra erinnert, Vorbild für Nächstenliebe und einer der wichtigsten Heiligen im Christentum. Das Kronacher BDKJ schickt jährlich selbst einen Nikolaus herum, der beide Sichtweisen einen soll.

Für Holger Scholz ist der Nikolaus vor allem ein Freund der Kinder, so wie es der Bischof Nikolaus von Myra gewesen sein soll. "Oberstes Ziel ist, eine Freude zu machen", sagt er. Scholz ist Mitglied der Leitung des Dekanats Kronach im Erzbistum Bamberg und schon mehrfach selbst in die Rolle des Nikolaus' geschlüpft. Seit 2008 bietet das Dekanat - mit Ausnahme der Jahre 2010 und 2011 - "Mietnikoläuse" an, die für den 6.
Dezember gebucht werden können.

Nicht mit Knecht Ruprecht verwechseln

Auf seine Rolle hat sich Scholz mit Schulungen vorbereitet, bei denen nicht nur die typischen Kleider und ihre Bedeutung gezeigt, sondern auch Einblicke in die Historie und die Legende des echten Nikolaus gegeben werden.

Vor jedem Einsatz bekommt Scholz kurze Briefe der Eltern mit Informationen über ihre Kinder, für die der Nikolaus gerufen wird. Da stehen manchmal die Verfehlungen des Nachwuchses drin. "Wir sollen dann Kinder ermahnen. Einige Leute verwechseln den Nikolaus mit Knecht Ruprecht", sagt Scholz. Das sei falsch, der pädagogische Zeigefinger müsse weg. Die Erziehungsarbeit liege bei den Eltern, nicht beim Nikolaus. "Unser Besuch soll ein schönes Erlebnis für die Kinder sein", findet Scholz. Immer gleich ist die Montur, mit der die Nikoläuse des BDKJ im Dekanat Kronach losziehen. "Abgesehen vom Bischofsring, den wir nicht haben, orientieren wir uns sehr eng an den echten Bischofsgewändern", sagt Andy Fischer vom Erzbischöflichen Jugendamt. Dazu gehören Albe, Zingulum, Umhang, Mitra und Bischofsstab. Oft wird der Heilige als Bartträger dargestellt - ob das der Wahrheit entspricht, ist aber nicht überliefert. Mit den Kleidern des Weihnachtsmanns, der im frühen 20. Jahrhundert vor allem durch die Coca-Cola-Werbung aufkam, haben Nikolaus' Kleider jedenfalls wenig zu tun. Für unsere Zeitung haben Scholz und Fischer die Art und Bedeutung der Kleider Stück für Stück erläutert.

Heute Abend von 16 bis 19 Uhr besuchen drei Teams des BDKJ - Nikolaus und Engel - 14 Familien im Kreis Kronach.


Der Heilige aus Myra

Herkunft Über das Leben des historischen Nikolaus gibt es wenige belegte Tatsachen: Myra in Lykien, heute Demre, ist ein kleiner Ort etwa 100 Kilometer südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei.

Leben Im 4. Jahrhundert war Myra ein Bischofssitz. Vermutlich wurde Nikolaus zwischen 270 und 286 nach Christus in Patara, einer Stadt in Lykien, geboren. Der Überlieferung zufolge wurde er mit 19 Jahren von seinem Onkel Nikolaus, dem Bischof von Myra, zum Priester geweiht und dann Abt des Klosters Sion bei Myra.

Wohltäter Sein ererbtes Vermögen verteilte Bischof Nikolaus angeblich unter den Armen. Außerdem werden ihm unterschiedliche Wunder


Der Nikolausdienst des BDKJ

Andy Fischer hat die Idee des Nikolausdienstes vor vier Jahren aufgenommen, als er seine jetzige Stelle übernommen hat. Seine Vorgängerin Marion Schreiber hatte die Idee für dieses Angebot und das Konzept dafür erstellt. Nach einiger Zeit sei der Nikolausdienst leider etwas eingeschlafen. Dann wurde er jedoch aus dem Dornröschenschlaf geweckt. "Dadurch, dass eine Gruppe das Konzept schon gekannt hat, konnten wir mit fünf Teams, also zehn Leuten, starten", erinnert sich Fischer.

Auch er betont, dass der BDKJ auf die Darstellung eines lobenden, schenkenden Nikolaus Wert legt - ganz in Anlehnung an die biblische Geschichte. "Wir haben die Grundüberzeugung, dass eine negative Darstellung das Bild vom Nikolaus kaputt machen würde", erklärt er diese Haltung.

Die Organisation des Nikolausdienstes übernimmt die Dekanatsleitung. Die Nikoläuse und Engel, die sie auf die Reise zu den Kindern schickt, sind überraschend jung. "18 bis 26 Jahre", nennt Fischer die Altersspanne. Dabei stellen die Jüngeren meistens die Engel dar.

"Mittlerweile ist unser Angebot so bekannt, dass keine Werbung nötig ist", freut sich Fischer über die positive Resonanz. "Es ist ein Selbstläufer. Man muss die Leute mittlerweile eher bremsen." Im Jahr 2013 habe man 75 Kinder mit der Aktion erreicht - und das im ganzen Landkreis.
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