Steinbach an der Haide
Technik

Die Zeitumstellung bedeutet Stress für Kühe

In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Allerdings ist die Kuh - wie auch der Mensch - ein Gewohnheitstier. Und das bedeutet Stress wegen der veränderten Melkzeiten. Ein Melkroboter schafft in Steinbach an der Haide auf dem Hof von Reiner Wittmann Abhilfe.
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Reiner Wittmann und seine Kühe profitieren von der modernen Melktechnik. Foto: Veronika Schadeck
Reiner Wittmann und seine Kühe profitieren von der modernen Melktechnik. Foto: Veronika Schadeck
Reiner Wittmann hat seit knapp einem Jahr einen Melkroboter. Gerade in der Nacht der Zeitumstellung möchte er die Maschine nicht mehr missen.

Etwa eine Million Euro hat er in die Bestallungen und den Roboter investiert. Ausgelegt ist die Maschine auf rund 2000 Liter Milch pro Tag. Der 53-Jährige betreibt mit seiner Frau Doris einen Betrieb mit insgesamt 170 Rindern, davon sind 70 Milchkühe. Die Namen seiner Kühe weiß Rainer Wittmann nicht mehr alle, aber dafür hat er ein Zahlengedächtnis. Und das ist gut so, denn jede Kuh hat eine Nummer.

Seit knapp einem Jahr wird nun das Melken von dem Melkroboter erledigt. Rainer Wittmann sitzt oft an seinem Computer, wertet die Daten aus. "Die geregelten Zeiten für das Melken gibt es seit der Einführung des Melkroboters nicht mehr", sagt er. Jede Kuh geht zum Stand, wie es ihr genehm ist.

Der Computer passt genau auf


Und wie kommt die Kuh zum Stand? Nun, sie geht durch eine Schleuse in den Warteraum und betritt schließlich freiwillig die Box, denn dort erhält sie eine Portion Kraftfutter. Jede Kuh trägt ein Halsband mit einem Sende- und Empfangsgerät, auf dem ihre Daten gespeichert sind. Das Computersystem erkennt daher schnell, um welche Kuh es sich handelt und wann sie zuletzt gemolken wurde.

In der Box wird die Position der Kuh erfasst und das Euter mit Bürsten und Wasser gereinigt. Ein Laser ermittelt individuell die genaue Lage der einzelnen Zitzen.
Mit Hilfe eines Armes setzt dann der Roboter das Melkzeug an. Das erste Gemelk wird automatisch auf Veränderungen untersucht. Milch, die nicht geliefert werden kann, wird über verschiedene Leitungen abgeleitet. Schlägt die Kuh einen Melkbecher ab, wird er gereinigt und neu angesetzt.

"Die Milch", so Rainer Wittmann, "fließt direkt über Schläuche in einen Sammelbehälter und wird gekühlt. Das ist wichtig, damit sich keine Krankheitskeime ausbreiten können. Jeden zweiten Tag wird die Milch vom Milchhof abgeholt".

Der Roboter weiß bescheid


Der Roboter wisse genau, wie viel Milch eine Kuh gegeben habe, erklärt der Landwirt. Er erfasst während des Melkens auch Daten wie die Menge, Melkdauer und Milchqualität. Auch sei ein Aktivitätssensor vorhanden; dieser registriere beispielsweise verstärkte Bewegungen der Kuh. "Die Daten kann ich am Computer direkt einsehen."

Angezeigt werde auch, wenn eine Kuh die Melkbox nicht aufsuche, einmal sehr wenig Milch gebe, oder wenn es Bedingungen gebe, die auf eine Krankheit hindeuten könnten. Alle sechs Stunden sei eine Kuh melkberechtigt. Aann sie gemolken werden wolle, entscheide das Tier letztlich selbst.

Und der Kuh sei somit dank des Melkroboters die Zeitumstellung egal. "Zuvor war das anders", erzählt Rainer Wittmann. "Denn da wollten die Kühe jeden Tag zur gleichen Zeit dasselbe fressen und gemolken werden. Eine Kuh ist sensibel und reagiert auf Veränderungen."

Tiere aus dem Takt


Der Zeitpunkt für das Melken war früher also immer der gleiche. Jeden Morgen, beispielsweise gegen 6 Uhr, stand Rainer Wittmann zusammen mit seiner Frau im Stall. Aber bei der Umstellung auf Winterzeit kamen die Tiere aus dem Takt.

Daher haben die Wittmanns früher bei der Umstellung den Mittelweg gewählt. Das heißt: In der Nacht zum Sonntag war der Melkzeitpunkt eine Stunde früher. Die Wittmanns haben das Melken aber um 30 Minuten hinausgezögert. Und hat man das den Tieren angemerkt? "Natürlich", sagt der Landwirt. "Wenn die Kühe nicht regelmäßig gemolken wurden, waren sie unruhig. Die Euter waren praller gefüllt, standen unter Druck. Das tut weh." Auch habe fast jede Kuh in den ersten Tagen nach der Umstellung weniger Milch gegeben.

Jetzt habe Wittmann auf Grund des Melkroboters also nicht nur eine gewisse Arbeitserleichterung, sondern auch der Kuh gehe es, beispielsweise bei der Zeitumstellung, besser.
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