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LKR Kronach
Heuschnupfen

Die Pollensaison im Kreis Kronach beginnt früher und dauert länger als noch vor einigen Jahren

Die Heuschnupfenzeit hat begonnen. Steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit erhöhen die Belastung für Allergiker enorm. Gleichzeitig leiden mehr Menschen als früher unter einer Pollenallergie.
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Blühende Wiesen sorgen bei Allergikern für Verdruss. Foto: Nicole Julien-Mann/Archiv
Blühende Wiesen sorgen bei Allergikern für Verdruss. Foto: Nicole Julien-Mann/Archiv

Die Sonne scheint. In den Bäumen zwitschern die Vögel. Menschen sitzen in Cafés oder schlendern mit einem Eis in der Hand durch die Stadt. An allen Ecken grünt und blüht es. Der Frühling, der in diesen Tagen schon fast wie ein Sommer daherkommt, lässt allerorts grüßen. Für viele beginnt jetzt die schönste Zeit des Jahres, für andere jedoch kommt die aufblühende Natur mit laufenden Nasen, juckenden Augen und Atemnot einher. Pollen haben Saison - und mit ihnen der Heuschnupfen.

Im Moment sei vor allem die Birkenpollenbelastung extrem hoch, berichtet Astrid Pfitzer, die sich in ihrer Kronacher Facharztpraxis für Pneumologie und Schlafmedizin unter anderem auch mit der Diagnose von Allergien befasst. Das warme, trockene Wetter und der Wind würden aktuell den Pollenflug begünstigen, berichtet Pfitzer. Über die Osterfeiertage seien zudem viele Leute draußen unterwegs gewesen - und somit dem Blütenstaub direkt ausgesetzt. Erst der angekündigte Regen dürfte Linderung verschaffen.

Pfitzer zufolge sind etwa 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen und "ein Viertel aller Kinder" von einer Pollenallergie betroffen. Landläufig wird diese meist als Heuschnupfen bezeichnet. Wie die Fachärztin berichtet, steigt die Zahl der Betroffenen. Pollenallergien würden heutzutage beispielsweise auch im hohen Alter noch neu auftreten. "Das gab es früher überhaupt nicht", sagt Pfitzer. Was die Ursachen für die steigende Zahl an Betroffenen anbelangt, gibt es verschiedene Theorien. Ein Grund ist wohl die Hygiene.

"Wir wachsen heutzutage sehr steril auf und sind keinen großen Keimlasten mehr ausgesetzt", erklärt Pfitzer. Sie verweist auf eine vergleichende Untersuchung von Kindern, die auf dem Land aufgewachsen sind, und Kindern, die in der Stadt groß wurden. Mit einem "ausgereiften, stabilen Immunsystem" sei eine Pollenallergie zwar nicht ausgeschlossen, die Wahrscheinlichkeit, an einer solchen zu erkranken, aber geringer, sagt Pfitzer.

Verlängerte Pollenflugzeit

Auch der Pollenflug selbst hat sich verändert. Nach Angaben des Deutschen Polleninformationsdiensts fällt beispielsweise die Hauptblütezeit der Hasel auf Ende Februar beziehungsweise in den März. "Bei uns in Oberfranken gab es den ersten Haselpollenflug bereits im Dezember", berichtet Pfitzer.

Die Fachärztin verweist in diesem Zusammenhang auf den Klimawandel. Dieser schlage sich auch auf die Botanik nieder. Die Winter seien deutlich wärmer, immer seltener gebe es eine fest geschlossene Schneedecke. Mit den milden Temperaturen im Frühjahr beginne alles früher zu sprießen, sodass eine Vorverlegung des Pollenflugs stattfinde und sich darüber hinaus die Flugzeit insgesamt bis in den Spätherbst hinein verlängere.

Fällt die Pollenflugzeit dann in die Erkältungssaison, stellt sich oftmals die Frage: Erkältung oder Pollenallergie? "Das ist tatsächlich extrem schwierig zu unterscheiden", sagt Pfitzer. Oft sei das nur im Anfangsstadium möglich. Da sei der Heuschnupfen "wässrig und klar im Sekret". Außerdem beginne die Pollenallergie im Gegensatz zur Erkältung recht plötzlich. Je länger der Heuschnupfen schon andauere, umso schwieriger werde eine Unterscheidung. Dann sei weitere Diagnostik erforderlich.

Enorme Belastung

Wie Pfitzer weiter erklärt, wird die Pollenbelastung durch die steigenden Temperaturen nicht nur zeitlich vorgezogen beziehungsweise verlängert, sondern auch intensiviert. Zudem verhindere die Trockenheit, dass der Blütenstaub ausgewaschen wird. "Die Belastung für Allergiker steigt in der Folge enorm", sagt Pfitzer.

Nicht nur der Klimawandel auch die Luftverschmutzung habe Auswirkungen auf den Pollenflug, berichtet Pfitzer. Sie verweist auf einen Bericht im Deutschen Ärzteblatt. Demnach würden bei einer starken CO 2 -Belastung Bäume vermehrt Pollen produzieren.

Hinzu komme außerdem, dass sich im Lauf der Jahre neue Pflanzenarten in der Region angesiedelt haben, wie etwa die aus Nordamerika stammende Ambrosia. Auf diese ursprünglich nicht heimischen Pflanzenpollen sei das Immunsystem nicht eingestellt. Gerade Ambrosia sei "unglaublich allergen", berichtet Pfitzer.

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Im Allgemeinen seien die Patienten heute besser aufgeklärt als früher. Während damals eine Pollenallergie vielfach einfach hingenommen wurde, würden die Leute nun einen Arzt aufsuchen, da sie wissen, dass etwas gegen die Allergie unternommen werden kann und gute Therapiemöglichkeiten bestehen.

Der Standardtest decke die 20 bis 25 Hauptallergene ab. Viele Pflanzen würden dabei jedoch nicht erfasst, bestätigt Pfitzer. So seien etwa Löwenzahn und Raps nicht enthalten. Bei Allergenen, die mit dem Standardtest nicht überprüft werden, helfe es, auf Hinweise zu achten. Wenn man zum Beispiel an einem Rapsfeld vorbeifährt und plötzlich keine Luft mehr bekommt, sei das ein klares Zeichen. Mit einem Bluttest lasse sich der Verdacht anschließend überprüfen.

Spezifische Immuntherapie

Wer unter Heuschnupfen leidet, findet laut Pfitzer in der Apotheke freiverkäufliche Medikamente, wie Tabletten, Nasensprays, Augentropfen oder auch homöpathische Mittel, die eine "wirksame Hilfe" bieten. Darüber hinaus rät die Fachärztin Betroffenen zu einer "fundierten Diagnostik". Wisse man, gegen welche Pollen der Patient allergisch ist, könne man eine gute Beratung bieten und habe während der Flugzeit mit verschreibungspflichtigen Präparaten mehr Möglichkeiten.

Um nicht nur die Symptome, sondern die Allergie selbst zu bekämpfen, empfehle sich eine spezifische Immuntherapie. "Das ist die einzig mögliche Behandlung, um das Thema Pollenallergie im Grundsatz anzupacken", sagt Pfitzer. Der Ansatz der Immuntherapie sei es, das Immunsystem an die Allergene zu gewöhnen. Auf diese Weise könne man die Beschwerden lindern und ein Voranschreiten der Erkrankung sowie die Entstehung neuer Allergien verhindern.

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Ohne Therapie bestehe beispielsweise die Gefahr, dass sich die Pollenallergie im Zuge eines Etagenwechsels von den oberen in die unteren Atemwege verlagert und so zu einer Asthma-Erkrankung ausweitet.

Außerdem könne es bei Patienten auch zu einer Kreuzreaktion mit bestimmten Lebensmitteln kommen. Wer zum Beispiel gegen Birkenpollen allergisch ist, könne eine Unverträglichkeit gegenüber Äpfeln entwickeln. Auch hier sei die Immuntherapie im Stande, Abhilfe zu leisten.

Keine Akutlösung

Wie Pfitzer erklärt, stellt die Immuntherapie keine Akutlösung dar. Im Normalfall werde die Therapie in der pollenfreien Zeit und über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt. Die im Standardtest erfassten Allergene seien im Grunde alle desensibilisierbar, berichtet Pfitzer. Mit einer Immuntherapie beginnen könnten bereits Kinder im Grundschulalter. Es gelte: "Je früher mit der Therapie begonnen wird, umso höher sind die Erfolgsaussichten."

Tipps für Pollenallergiker:

Pollenlast Zwar lässt sich der Kontakt mit Pollen nicht gänzlich vermeiden, Allergiker können jedoch mit einigen Maßnahmen die Pollenlast, der sie ausgesetzt sind, reduzieren.

Lüften Während der Pollensaison sollte man auf die Zeiten achten, zu denen man lüftet. Fachärztin Astrid Pfitzer verweist auf einen Infoflyer der Allergopharma GmbH und empfiehlt Patienten, abends das Schlafzimmer durchzulüften und dann nachts die Fenster geschlossen zu halten. Denn: "In den frühen Morgenstunden ist die Pollenlast bei uns sehr, sehr hoch."

Wäsche Seine Kleidung sollte man abends wechseln, denn auch diese nimmt tagsüber Pollen auf. Außerdem empfiehlt es sich, die pollenbelastete Kleidung nicht im Schlafzimmer abzulegen. Frisch gewaschene Wäsche sollte man zum Trocknen nicht ins Freie hängen.

Haare waschen Vor allem Frauen mit langen Haaren sollten diese abends vor dem Zubettgehen waschen, rät Pfitzer. So werde der Pollen ausgewaschen.

Aktivitäten im Freien Allergiker sollten - mit Blick auf Pollenbelastung und Stärke der Beschwerden - soweit möglich ihre Aktivitäten im Freien - wie etwa Sport oder Gartenarbeiten - reduzieren beziehungsweise außerhalb der Hauptbelastungszeiten einplanen.

Autofahrt Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte die Fenster nicht öffnen. Außerdem empfiehlt es sich, den Pollenfilter für die Lüftung regelmäßig austauschen zu lassen.

Urlaub Am Meer und im Hochgebirge ist die Pollenbelastung am geringsten.

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