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Wickendorf
Tiere

Igel, Vögel & Co.: Fränkin peppelt hilflose Tiere wieder auf

Carola Hebentanz gibt Tieren, die um ihr Überleben kämpfen, eine Chance. Tag und Nacht kümmert sie sich um die Pflege kranker Igel oder Jungvögel.
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Auch dieser kleine Igel in den Händen von Carola Hebentanz kann noch keinen Winterschlaf halten. Er ist noch zu dünn. Foto: Maria Löffler
Auch dieser kleine Igel in den Händen von Carola Hebentanz kann noch keinen Winterschlaf halten. Er ist noch zu dünn. Foto: Maria Löffler
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Das "Etwas mit Schnabel" in ihrer Hand ist kleiner als ein Fünf-Cent-Stück und es lebt. Damit es so bleibt, muss Päpplerin Carola Hebentanz aus Wickendorf bei Teuschnitz sich etwas einfallen lassen. Sie hilft, dass Tiere, die oft dem Tod näher als dem Leben sind, am Ende doch noch eine faire Chance bekommen.

Eine "Päpplerin" ist jemand, der kranke Tiere gesund pflegt, der sie aufnimmt, sie füttert, alles sauber hält und Tag und Nacht für die Tiere da ist. "Du gibst nicht nur Futter, du gibst auch einen Teil von dir selbst." So beschreibt sie das, was sie tut. Bei ihr tummeln sich momentan vor allem Katzen, Hasen, Igel.

Fränkin peppelt hilflose Tiere wieder auf: "Das ist mein Hobby"

Im Flur steht ein Terrarium mit Achatschnecken, einer Afrikanischen Riesenschneckenart. "Das ist mein Hobby," lacht sie und dabei zeigt sie auch auf ein paar durchaus bemerkenswerte Bilder, die sie selbst gezeichnet hat. Und sie sprudelt fast über, so viel kann und will sie erzählen von ihren Erlebnissen mit den Tieren. Dass ihre Augen dabei funkeln, überrascht dabei niemanden, denn sie ist mit Herzblut bei der Sache. Das muss man aber wohl auch, wenn man Vögel hat, die alle halbe Stunde etwas im Schnabel haben möchten.

Aber es sind halt nicht nur süße Bilder von Tierbabys, die sie aufgepäppelt hat, sondern oft sind die Tiere, die sie beherbergt, in einem unfassbar schlechten Zustand. "Es gibt Menschen, die versuchen tatsächlich, Vogelbabys mit Eiern, Regenwürmern, Spaghettis oder Apfelmus zu füttern. Ich bin keine Tierärztin, aber ich arbeite mit Tierärzten zusammen, die eine Diagnose stellen, nach der ich weiter behandeln kann." Aber eine jahrelange Erfahrung als Päpplerin habe sie natürlich auch schon viel gelehrt. "Ob ein Tier krank oder gesund ist, erkennt man vor allem am Kot."

Und sie ist nicht nur kein Tierarzt, sondern auch keine Wildtierauffangstation, wie sie betont. "Ich kann also nicht immer das leisten, was Menschen von mir erwarten. Oft genug muss ich die Tiere (Greifvögel, Marder) auch an geeignete Stellen weitergeben."

Nur wenige Sätze spricht sie über den finanziellen Aufwand, die zeitliche Einschränkung und die psychische Belastung, die ihr Ehrenamt mit sich bringt. Denn nichts anderes ist das, was Carola Hebentanz leistet. Ein Ehrenamt ohne finanzielle Zuwendungen. Unterstützt werde sie aber künftig vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Kronach. "Die Zusammenarbeit klappt total gut und sie haben schon Hilfe zugesagt."

Carola Hebentanz hat schon vielen Tieren das Leben gerettet, aber sie warnt auch. Und zwar diejenigen, die es zwar gut meinen, aber durch Unkenntnis nur noch größeren Schaden anrichten. Eine Faustregel, die sie Menschen gerne mitgibt: Ein nicht vollständig befiederter Vogel braucht Hilfe, vollbefiederte Jungvögel, die unbeholfen am Boden hüpfen, werden oftmals von den Eltern versorgt." Und man dürfe auch nicht eben mal ein verletztes Wildtier aus dem Wald mitnehmen. "Man muss zumindest die Polizei, oder gleich den Jagdpächter informieren."

Vorsicht, Schockstarre!

Auch vor gut gemeinten Streicheleinheiten warnt sie deutlich: "Man darf Schockstarre nicht mit Entspannung verwechseln. Diese Tiere sind scheu und kennen keine Kuscheleinheiten mit menschlichen Wesen. Und auch im Falle einer Verletzung oder Krankheit werden sie diese Scheu auf keinen Fall ablegen."

Hasen zum Beispiel würden eher am Stress sterben, den der Mensch auslöst, als an anderen Krankheiten. "Wenn man scheinbar "verlassene" Hasenbabys findet, bitte nicht anfassen oder gar mitnehmen. Das wäre tödlich für die Kleinen." Vielmehr habe sich die Hasenmutter etwas dabei gedacht, wenn sie ihre Jungen beispielsweise auf einer Wiese verteilt. Das nämlich soll den ganzen Wurf vor Fressfeinden schützen.

Das Wissensspektrum, das sich die Päpplerin mittlerweile angeeignet hat, ist groß. "Ich muss mich ständig informieren, denn ich muss ja die eine von der anderen Spezies unterscheiden können. Was zum Beispiel aussieht wie Albert Einstein, ist ein Buchfink," scherzt sie, aber den Beweis tritt sie auch wirklich an. Und dass dieses Wissen lebensrettend sein kann, versteht sich von selbst. "Nur wenn ich das kenne, was ich da füttere, kann ich auch das richtige Futter geben. Ansonsten kann mir das Tier ganz leicht an Verdauungsstörungen sterben."

Und mit dem Futter geht die Aufzucht einher. Sie durchlebt mit ihren Tieren die unterschiedlichsten Entwicklungsstadien. Geht es dann an die Auswilderung, muss sie natürlich wieder einiges beachten. "Man kann nicht einfach eine Käfigtür öffnen, sie müssen in einer Außenvoliere an die Selbstständigkeit gewöhnt werden." Wie das aussehen kann, beschreibt sie sehr plastisch: "Schwalben üben erstmal im Zimmer. Letztes Jahr flogen 43 Exemplare in meinem Wohnzimmer herum und übten, wie man während des Fluges Insekten fängt."

Dass Carola Hebentanz das tatsächlich alles neben ihrem Beruf und ihren anderen Tätigkeiten auf die Reihe bekommt, verdankt sie einem verständnisvollen Mann und zwei Töchtern, die mit anpacken. Und die es überhaupt nicht stört, zwischen Kuschelgaragen, Nestern, Hängematten, Volieren, Terrarien und ganz vielen kleinen Kuscheltieren zu leben.

Mit 16 und einer Taubenrettung fing alles an

"Ich habe schon früher alles mit nach Hause genommen, was gerettet werden musste", sagt Carola Hebentanz. Wenn sie zurückblickt, dann scheint das, was sie heute tut, schon früher unausweichlich gewesen zu sein. Die erste Taubenrettung aus einem Fluss hatte sie schon mit 16 Jahren bewerkstelligt. Und während ihr Vater öfter mal gestöhnt habe ("Was schleppst du denn nun schon wieder an?"), habe ihre Mutter immer mit sehr viel Verständnis reagiert. "Einmal habe ich eine tote Blindschleiche gefunden und sie dann in Kunstharz eingelegt.

Später fand ich ein totes Mauswiesel und wollte wissen, wie das Skelett aussieht. Mein Opa gab mir den Tipp, den Kadaver in einen Ameisenhaufen zu legen, die würden schon alles abnagen. Hat auch funktioniert, allerdings war es nicht mehr ganz vollständig. Und ich bin leider irgendwie an eine Duftdrüse gekommen, drei Tage lang habe ich gestunken wie die Pest." Noch heute schüttelt sie sich beim Gedanken an dieses Erlebnis. "Ich habe alles versucht: Butter, Spülmittel, Zitronen, Kaffeebohnen..." Heute sei sie gewachsen an ihren Aufgaben.

"Der erste Igel, den ich gerettet habe, der hat nur Futter gebraucht. Und so habe ich mich dann weitergebildet, dank der unzähligen Tiere, die schon durch meine Hände gegangen sind."

Infoabend in Mitwitz

Termin Am Donnerstag, 5. März, findet um 19.30 Uhr eine Infoveranstaltung im Gasthof "Steinerner Löwe" in Mitwitz statt. Hier können sich Interessierte unter anderem darüber informieren, wie man mit Wildtieren in Not umgeht oder woran man überhaupt erkennt, ob sie in Not sind.

Referentin wird Carola Hebentanz sein, die die Zuhörer mitnimmt in ihre Welt der Rettung und Aufzucht in Not geratener Tiere. Veranstalter ist der Landesbund für Vogelschutz, Gruppe Steinachtal.

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