Kronach

Die Legende vom Fuchsschwanz

Der Manta ist das Auto der 80er. Für ihre Besitzer sind sie mehr als Mittel zum Prollen: Sie sind ein Lebensgefühl.
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Henrik Hauguth kann über die gängigen Manta-Klischees nur müde lächeln. Foto: Sandra Hackenberg
Henrik Hauguth kann über die gängigen Manta-Klischees nur müde lächeln. Foto: Sandra Hackenberg
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Immer, wenn die Sonne scheint und Henrik Hauguth danach ist, holt er seinen mandarinroten Manta B aus der Garage und reist zurück in die 80er. Ein UKW-Radio ohne Kassettenfach, ein Tachometer und eine Anzeige für den Tank, das ist alles. Keine elektrischen Fensterheber, kein Bordcomputer, keine Zentralverriegelung und keine Klimaanlage.

"Das ist meine Entschleunigungsmaschine. Die modernen Fahrzeuge sind komplett mit Elektronik überladen", findet der 51-jährige Kronacher, der im Alltag einen Audi mit Automatikschaltung fährt. "Im Prinzip braucht man das alles gar nicht."

Kultstatus durch einen Film

In den 80er Jahren bevölkerten die Mantas die Straßen. Heute sind nach Angaben der örtlichen Zulassungsstelle lediglich noch sechs Exemplare der legendären Opel-B-Reihe im Landkreis Kronach unterwegs, die nicht zuletzt durch den Film "Manta, Manta" mit Til Schweiger und Michael Kessler aus dem Jahr 1991 Kultstatus erlangte.

Wer zu jener Zeit etwas auf sich hielt, fuhr Mercedes Benz. Die Proleten Manta. So lautet nur eines der weit verbreiteten Vorurteile. "Der Film ist einfach Kult", findet Hauguth, der den gängigen Klischees und den diversen Manta-Witzen trotzdem nicht mehr abgewinnen kann als ein müdes Lächeln. "Es heißt ja immer, dass alle Manta-Fahrer Cowboy-Stiefel tragen, rumposen und nix im Hirn haben." Einen Bierkasten auf der Rücksitzbank und eine blonde Friseuse namens Uschi auf dem Beifahrersitz sucht man bei Hauguth vergebens.

Einzig den legendären Fuchsschwanz gibt es bei Hauguth tatsächlich. "Den hat mir meine Familie vor fünf Jahren geschenkt", erklärt der Oldtimer-Liebhaber. Von Passanten werde er häufig danach gefragt, denn was wäre ein Manta ohne DAS Accessoire schlechthin. Allerdings hängt der - im Gegensatz zur allgemeinen Erwartung - nicht an der Antenne, sondern hinter dem Beifahrersitz.

Passanten zeigen Interesse

"Ich werde eigentlich jedes Mal, wenn ich mit dem Wagen unterwegs bin, angesprochen", erzählt Hauguth. Mit dem Baujahr 1981 gilt seine zeitlose Schönheit zwar bereits als Oldtimer, doch auf der Straße zieht sie nach wie vor die Blicke der Herren auf sich. Darum hat er inzwischen einen Zettel mit den wichtigsten Daten über seinen Manta an das hintere Seitenfenster gehängt.

Wo sonst der Kaufpreis angegeben ist, steht bei Hauguths Manta jedoch: unverkäuflich. Denn auch, wenn der Wert des Wagens irgendwo zwischen 7500 und 10 000 Euro liegt - das Lebensgefühl, Manta zu fahren, ist für Hauguth mit keinem Wert zu beziffern:"Es gibt keine realistische Summe, für die ich ihn hergeben würde." Hauguth verbindet damit die neu erlangte Freiheit als 18-Jähriger, Ausflüge mit Freunden und der ersten Liebe.

Schon sein Großvater, der erste Besitzer des Mantas, hatte eine besondere Beziehung zu dem Wagen: "Er wäre lieber mit dem Fahrrad im Regen gefahren als mit dem Manta." Bis zuletzt sei der Opa mit dem Auto und seiner Frau in Urlaub gefahren, unter anderem über die Alpen nach Italien. Wenn der Kronacher heute in seinem Manta sitzt, hat er dieses Bild manchmal noch vor Augen.

Alle Teile sind original

"Er hat das Auto geliebt", weiß Hauguth, der den Manta 1993 geerbt hat, als sein Großvater starb - und genau wie der Opa hegt und pflegt Hauguth den Oldtimer, fährt im Jahr nur etwa 2000 Kilometer. Das Besondere: "Alle Teile sind original", erklärt der 51-Jährige stolz. "Selbst die Lackierung." Das sei eine echte Seltenheit, denn mit dem Film ist das Tuning-Fieber unter den Manta-Besitzern ausgebrochen. "Die jungen Leute haben ihre Mantas gerne umgebaut und aufgemotzt."

Hauguth dagegen möchte den Originalzustand erhalten. Er deutet auf die Beifahrerseite: "Der rechte Seitenspiegel fehlt. Das sieht man häufig, denn die mussten damals bei den Mantas separat bestellt werden."

Irgendwann wird Hauguth den Manta auch seinen Sohn vererben: "Das Auto bleibt auf jeden Fall im Familienbesitz." Und die Legende vom Fuchsschwanz lebt weiter.

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