Nordhalben
US-Sport

Die lange Super-Bowl-Nacht in Nordhalben steht bevor

Am Sonntag treffen sich Fans in Nordhalben zum Endspiel der National Football League. Ihnen steht eine lange Nacht bevor.
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Alex Oelschlegel im Trikot seines Teams. Foto: Hof Jokers
Alex Oelschlegel im Trikot seines Teams. Foto: Hof Jokers
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Der große Fernseher ist an, das Spiel läuft, die Zuschauer lassen's sich dabei schmecken. Der Football fliegt. Der Pass wird immer länger und länger. Der Wide Receiver packt zu - Touchdown. Die Fans springen auf. Solche Jubelszenen kennt man aus den USA. Seit acht Jahren findet man sie aber auch in Nordhalben.

Immer in der ersten Sonntagnacht des Februar ist es soweit. Dann wird auch in der Frankenwald-Gemeinde der Super Bowl zelebriert. Einmal mehr am kommenden Wochenende, wenn die New England Patriots in der NFL auf die Los Angeles Rams treffen.

Football im Freundeskreis

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Mit von der Partie ist dann auch Kevin Wunder. Der gebürtige Nordhalbener ist im nahen Wurzbach zu Hause. Den Super Bowl in seinem Heimatort in der Gaststätte "Bondi's" zu schauen, gehört für ihn aber weiter fest ins Jahresprogramm. "Am Montag danach habe ich immer Urlaub", erzählt er, aus der Vergangenheit gelernt zu haben. "Ich komme wahrscheinlich um 6 Uhr heim, dann schlafe ich, dann gehe ich in die Sauna. Was Gescheites arbeiten geht nach so einer Nacht eigentlich nicht."

Seit über 20 Jahren verfolgt der 39-Jährige den Football-Sport. Heute mehr denn je, weil er in der deutschen TV-Landschaft inzwischen viel präsenter ist. Sobald im Herbst die ersten Spiele übertragen werden - beginnt für Wunder auch ein mittlerweile liebgewonnenes Ritual. Zur Vorbereitung auf den Kick off zieht es ihn in die Küche. "Jeden Sonntag gibt's Pizza - von Oktober bis Februar", sagt er schmunzelnd. Und dazu wird genüsslich Football geschaut.

Am Wochenende wird Wunder allerdings umsatteln: von der eigenen Wohnung aufs "Bondi's", vom kleinen Rahmen auf den großen Kreis und von Pizza auf Spare Ribs. In den vergangenen Jahren hat die Resonanz auf das Event immer weiter zugenommen. "Am Anfang ist die Gaststätte voll", erzählt der 39-Jährige. Den frühmorgendlichen Schlusspfiff erlebe dann immer noch ein stolzer, harter Kern von 25 bis 30 Fans.

Dazu werden heuer bestimmt auch wieder Alex Oelschlegel und Gerd Hornfeck zählen. "Ich habe schon Mitte der 80er Jahre den ersten Super Bowl gesehen", erzählt der 53-jährige Hornfeck. Einfach die Taste auf der Fernbedienung drücken oder sich in der Gaststätte nebenan treffen, hat damals aber nicht funktioniert. Nur ein amerikanischer Sender hatte in Deutschland 1985 das Finale zwischen den San Francisco 49ers und den Miami Dolphins (38:16) im von der DDR umschlossenen Berlin übertragen. Freunde haben das Spiel dort auf eine Videokassette gebannt. Die wurde in den Frankenwald geschickt. "Damals ging es noch, so ein Ergebnis zwei Tage lang geheim zu halten", erinnert sich Hornfeck und lacht.

Selbst auf dem Spielfeld

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Aus diesem Erlebnis entwickelte sich in den Folgejahren ein ganzes Super-Bowl-Wochenende, zu dem sich der 53-Jährige stets mit Freunden in Berlin traf. Inzwischen ist er nicht nur ein regelfester Ansprechpartner, sondern auch Stammgast bei den Nordhalbener Football-Nächten. Ebenso wie der 33 Jahre jüngere Alex Oelschlegel. Der hat einen ganz besonderen Zugang zum US-Nationalsport.

"Ich gehe in die dritte Saison bei den Jokers in Hof", erzählt der 20-Jährige von seiner noch jungen Laufbahn als Footballspieler. Nach sechs "semi-erfolgreichen" Jahren als Fußballer hat er sich dem Hofer Football-Team angeschlossen.

Spannend findet er an diesem Sport, dass Leute jeglicher Statur in die Mannschaften eingebaut werden, größere und kleinere, drahtige und kräftige - für jeden findet sich eine geeignete Position. Trotzdem glaubt er nicht, dass Football im Frankenwald das Zeug zum Massensport hat. "Es ist viel komplexer als Fußball und hat viel mehr Regeln", nennt er einen Grund dafür. Ein anderer: 25 Mann brauche es mindestens, um eine funktionierende Mannschaft für eine Saison aufzubieten. Und das sei schon die absolute Untergrenze.

Die Frage nach dem Sieger

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Doch wer wird denn nun am Wochenende die Trophäe der besten Liga der Welt in die Höhe strecken? Unsere drei Fans sind sich da nur in einem Punkt einig. Ihre Lieblingsteams werden dieses Jahr leer ausgehen. Sowohl die Green Bay Packers (Wunder) als auch die Minnesota Vikings (Hornfeck) und die Denver Broncos (Oelschlegel) haben es nicht in die Play-off-Runde geschafft.

Im Finale will Wunder nun den favorisierten New England Patriots die Daumen drücken. Für Oelschlegel und Hornfeck kommt das gar nicht in Frage. Sie wünschen sich einen Außenseitersieg. Hornfeck wird deutlich: "Die Patriots schaffen's immer wieder - und wenn ihnen ein fragwürdiger Pfiff den Erfolg bringt. Aber heuer sind sie nicht mehr so gut. Daher traue ich es den Rams absolut zu."

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