Mauthaus
Versorgung

Die Ködeltalsperre: Wasser aus dem Frankenwald für Tausende in Oberfranken

Die Talsperre Mauthaus, wie der künstliche See im Ködeltal offiziell heißt, ist der Ausgangspunkt für das Trinkwasser von rund 400 000 Menschen .
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Die Ködeltalsperre ist ein riesiger Wasserspeicher - eingebettet in die idyllische Natur des Frankenwalds. Foto: Andreas Schmitt
Die Ködeltalsperre ist ein riesiger Wasserspeicher - eingebettet in die idyllische Natur des Frankenwalds. Foto: Andreas Schmitt
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1975 wurde die Talsperre Mauthaus, wie der künstliche See in Anlehnung an den benachbarten kleinen Ort offiziell heißt, als erste Trinkwassertalsperre Bayerns eröffnet. Sie sollte die Wasserknappheit, die es in Teilen Oberfrankens vorher gab, beenden.

Folge des Extremsommers: Ködeltalsperre mit sehr wenig Wasser Voraussetzungen Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es die Idee, das Tal zur Wasserversorgung zu nutzen. "Es ist langgezogen und bietet perfekte Bedingungen", erläutert Michael Vokal, Abteilungsleiter der von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) betriebenen Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Rieblich. "Der Entnahmeturm ist 4,5 Kilometer vom Zulauf weg, das Wasser kann sich beruhigen." Und im schattigen Tal ist es kalt. "Das ist gut für die Aufbereitung."

Die Versorgung Die Talsperre wird vom Wasserwirtschaftsamt betreut. Neben der Sicherung des Trinkwasservorrats dient sie dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und der Stromerzeugung. Die FWO kauft dem Freistaat Bayern das Rohwasser ab und macht daraus Trinkwasser, das regelmäßig von Gesundheitsämtern geprüft wird. "Die Trinkwassergesetze sind unsere Bibel", sagt Michael Vokal. Von der TWA Rieblich aus fließt das Wasser in ein 500 Kilometer langes Leitungsnetz. Insgesamt werden etwa 400 000 Menschen in gut 60 Kommunen mit Wasser aus dem Frankenwald versorgt.

Forscher finden Mikroplastik im Wasser der Ködeltalsperre Mitglieder der FWO Zum kommunalen Zweckverband gehören sieben der neun oberfränkischen Landkreise (ohne Forchheim und Wunsiedel), die vier kreisfreien Städte Bamberg, Bayreuth, Hof und Coburg, der unterfränkische Kreis Haßberge und die Großen Kreisstädte Kulmbach, Neustadt/Coburg und Selb.

FWO als Unternehmen Der zentrale Sitz ist in Kronach, von wo aus das Leitungsnetz gesteuert wird. Zweiter zentraler Standort ist Rieblich (Gemeinde Steinwiesen). Der Zweckverband mit rund 80 Mitarbeitern soll keinen Profit machen, aber durch Wassererlöse kostenneutral wirtschaften. "Alle Kommunen zahlen den gleichen Kubikmeterpreis", betont Michael Vokal. "Egal, ob das Wasser nach Bamberg natürlich fließt oder ob es Richtung Hof nach oben gepumpt werden muss." Der Stausee und das Netz Die Ködeltalsperre ist ein Wasserreservoir gigantischen Ausmaßes - 4,4 Kilometer lang, bis zu 55 Meter tief und mit einem Fassungsvermögen von 21 Millionen Kubikmetern. Sie speist sich aus dem Zulauf kleiner Frankenwaldbäche - vor allem der Tschirner und der Nordhalbener Ködel. Über 25 Speicheranlagen und 20 Pumpwerke gelangt das Wasser zu den Kommunen, wo es meistens das zweite Standbein neben eigenen Quellen und Brunnen ist.

Jährlich fließen etwa 14 Millionen Kubikmeter im FWO-Netz - 12,6 Millionen aus der Ködeltalsperre. Seit den 1990er Jahren gibt es einen Anschluss an die Nürnberger "Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum" (WFW), die rund 3,2 Millionen Kubikmeter liefert. Seit 2005 erhält die FWO zudem knapp eine Million Kubikmeter von den Stadtwerken Kulmbach.

Naherholung Baden ist im extrem kalten Wasser verboten. Ausflügler zieht die Talsperre trotzdem an. Der elf Kilometer lange Rundweg durch die Naturlandschaft Frankenwald lädt ein zum Radfahren, Inlineskaten, Joggen oder Spazierengehen.

Für viele Kommunen ist die Ködeltalsperre ein Glücksfall, aus Nordhalben hagelt es hingegen Kritik. Wie der Bürgermeister dies begründet und was die Gegenseite dazu sagt, lesen Sie hier im infrankenPlus-Artikel.



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