Marktrodach
Kinderfreizeit

Die Kinder schätzen die Zeit wert

Sie kommen aus sozial schwachen Familien, leben im Heim oder haben ein Geschwisterchen verloren. Beim KidsCamp sollen 70 Kinder aus Franken, Sachsen und Thüringen die Möglichkeit bekommen, vom Alltag abzuschalten.
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Betreuer Martin Hübner erklärt der neunjährigen Luise, was bei der Fütterung von Hühnern, Ziegen und Schafen zu beachten ist.  Foto: Cindy Dötschel
Betreuer Martin Hübner erklärt der neunjährigen Luise, was bei der Fütterung von Hühnern, Ziegen und Schafen zu beachten ist. Foto: Cindy Dötschel

Über einen Schotterweg kommen die Kinder auf den Schlossberghof zugelaufen. Der Hof liegt mitten im Wald. Sie blicken sich neugierig um und reden aufgeregt miteinander. In der Effelter Mühle findet eines von 15 KidsCamps statt, die der Verein Urlaubskinder deutschlandweit veranstaltet. Zum Programm gehört auch ein Ausflug auf den Schlossberghof in Mittelberg an. Für die Teilnehmer des KidsCamps ist das keine Selbstverständlichkeit.

"Kinder, die sonst keinen Urlaub machen können, sollen eine Woche lang eine tolle Zeit haben", erklärt Martin Hübner während seine 70 Schützlinge in drei Gruppen aufgeteilt werden. Die Kinder kommen aus Franken, Sachsen und Thüringen und sind zwischen acht und 14 Jahren alt. "Das Motto in diesem Jahr lautet ,Wikinger‘. wir haben in den letzten Tagen Gewandungen und Boote gebastelt und eine Nachtwanderung unternommen."

Schokopudding und Pizzakäse

Die erste Gruppe macht sich bereits auf den Weg. Dieser führt um den Hof herum zu einem Gehege, in dem Hühner, Hängebauchschweine und Ziegen leben. Eine Ziege hat einen langen weißen Bart, die Kinder taufen sie Weihnachtsmann. Die ersten zehn Kinder dürfen ins Gehege, um die Tiere mit Brot zu füttern. Unter ihnen ist auch Luise*.

Wenige Minuten später ist das Brot bereits vollständig verfüttert und die Kinder laufen zum Hof zurück. "Die Hühner meiner Freundin mögen Schoko-Eis und Pizzakäse", verrät Luise, die noch kurz am Zaun des Geheges steht und die Tiere betrachtet. Berufswünsche hat die Neunjährige viele: Zoowärterin, Polizistin oder Professorin für Weltgeschichte.

Luise lebt mit ihrer Mutter in einem Dorf in der Nähe von Regensburg. "Wenn die Ferien vorbei sind, gehe ich in die fünfte Klasse in die Realschule", sagt Luise. Die Teilnahme am Camp habe ihr ihre Mutter erlaubt. Ihre grünen Augen strahlen. Warum Luise für die Teilnahme am KidsCamp ausgewählt wurde, weiß Hübner nicht: "In unser Camp kommen Heimkinder, Flüchtlinge oder Kinder, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten haben." Er und seine knapp 50 Kollegen seien nur dafür zuständig, den Kindern eine schöne Zeit zu bereiten.

Was den Kindern widerfahren ist, sei dafür irrelevant. Doch es gibt Ausnahmen: "Eine unserer Betreuerinnen weiß über die familiären Verhältnisse Bescheid", erklärt Hübner. Im Fall, dass ein Kind beispielsweise erst vor wenigen Tagen ein Familienmitglied verloren hat, werden die Betreuer informiert. So könne dann Rücksicht auf die Situation genommen werden.

Frisch gekochtes Essen

Schweine hat Luise noch nie gefüttert, dafür aber Ziegen im Streichelzoo. "Im letzten Jahr haben manche Kinder bei unserem Besuch auf dem Bauernhof das erste Mal im Leben einen Grashüpfer gesehen", sagt Hübner. Die Kinder würden das Ferienprogramm wertschätzen. Für sie sei es besonders, rauszukommen. Ein Mädchen habe das täglich frisch gekochte Essen gelobt. "Vermutlich ist sie es nicht gewohnt, dass zu Hause frisch gekocht wird."

Luise hat sich mittlerweile wieder zu den anderen Kindern gesetzt, wo die nächste Station erklärt wird: Diesmal sollen Waldregeln besprochen und Baumarten bestimmt werden. Wieder machen sich die Kinder auf den Weg, diesmal um die andere Seite des Hofes herum, in Richtung Wald.

*Name von der

Redaktion geändert

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