Marktrodach
Tagesmutter

Die Kinder geben ihr sehr viel

Christa Reif arbeitet als Tagesmutter. Unter der Woche passt sie auf fünf Kinder im Alter von eineinhalb bis fünf Jahren auf, während deren Eltern arbeiten. Am liebsten verbringt sie die Zeit mit den Kindern im Freien .
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Christa Reif (links) spielt "Kuckuck" mit der eineinhalbjährigen Alma, die sie als Tagesmutter betreut.  Fotos: Cindy Dötschel
Christa Reif (links) spielt "Kuckuck" mit der eineinhalbjährigen Alma, die sie als Tagesmutter betreut. Fotos: Cindy Dötschel
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Die eineinhalbjährige Alma sitzt auf Christa Reifs Beinen und greift nach ihrem Spielzeugtelefon. "Sie zahnt momentan und ist deshalb nicht ganz fit", sagt Reif und streichelt Alma über das hellbraune Haar. Sie ist das jüngste von fünf Kindern, auf das die 53-Jährige unter der Woche regelmäßig aufpasst.

Das erste Kind, das Reif als Tagesmutter in Obhut genommen hat, war der Sohn einer Freundin. "Die Freundin war damals noch in Mutterschutz und hatte die Möglichkeit auf eine neue Arbeitsstelle, ihr fehlte eine Betreuungsmöglichkeit", erinnert sich Reif. Der Junge war nur ein Jahr jünger als ihr eigener Sohn. Seitdem sind mittlerweile 25 Jahre vergangen.

Immer mehr Kinder kamen dazu

Nach und nach seien immer mehr Kinder dazugekommen, was mit einer Nebentätigkeit begonnen hatte, wurde zu Reifs Hauptberuf. Ihre eigene Familie war immer involviert: "Es war nie leicht, Grenzen zwischen den Tageskindern und der eigenen Familie zu ziehen", denkt die Seibelsdorferin rückblickend. Dennoch konnte vor allem ihr jüngerer Sohn davon profitieren: "Er meint, der Alltag mit Tageskindern sei der Entwicklung seines eigenen Charakters zugute gekommen."

Während Reif erzählt, versteckt Alma mittlerweile lachend ihr Gesicht hinter ihren Händen. Unter der Woche wird das Mädchen vormittags von der Tagesmutter betreut, während beide Eltern arbeiten. Einige Kinder kommen auch nur wenige Stunden in der Woche. "Ein Junge wird vor der Kita gebracht, weil die Schicht seiner Mutter sehr früh beginnt."

Dafür, dass junge Eltern arbeiten müssen, hat die Seibelsdorferin Verständnis. Reifs Meinung nach ist jede Mutter, die etwas arbeitet, ein besseres Vorbild als eine Couchpotato. Dennoch bekommt sie oft mit, dass arbeitende Mütter Anfeindungen von ihren Kollegen über sich ergehen lassen müssen. Auch hierzu hat die 53-Jährige eine klare Einstellung: "Es kommt nicht auf die Länge der Zeit an, die man mit den Kindern verbringt, sondern darauf, wie man sie nutzt."

Christa Reif verbringt den Alltag mit ihren Schützlingen am liebsten an der frischen Luft. Im Sommer habe sie in ihrem Hof mit den Tageskindern gemeinsam alte Stühle bemalt und mit Muscheln verziert. "Die Kinder geben einem sehr viel und nehmen nicht nur Aufmerksamkeit und Kraft."

Auf Alma passt Reif seit Januar auf. Sie war mit damals zehn Monaten das jüngste Kind, das Reif bislang aufgenommen hat. "Alma kannte mich schon vorher, weil ich ihre Schwester betreut habe, die jetzt in den Kindergarten geht", berichtet die Tagesmutter. Die Eltern seien froh aber auch teilweise unsicher, wenn sie ihre Kinder das erste Mal bringen. An der Reaktion der Kinder würden sie dann jedoch schnell sehen dass diese sich wohlfühlen. "Viele stehen noch kurz am Fenster und lauschen", schmunzelt sie.

Viel Abwechslung

Um für genügend Abwechslung zu sorgen, wechselt Reif die Spielsachen regelmäßig aus. So steht der rote Kindertisch, der bis vor wenigen Wochen noch in ihrem Hof stand, mittlerweile mit Puppengeschirr gedeckt im Esszimmer. Alma hat Platz genommen und füttert ihre Tagesmutter mit einem Stück Plastikkuchen. "Oft spielen die Kinder Rollenspiele, dann schaue ich amüsiert zu." Ein Kind habe ihr neulich eine Puppe in die Hand gedrückt und gesagt, dass sie jetzt die Oma sei und aufpassen soll.

Nicht alle Kinder, auf die Christa Reif bisher aufgepasst hat, waren so friedlich wie Alma. Nachdem sie vor etwa 15 Jahren einige verhaltensauffällige Kinder nacheinander in Obhut hatte, war sie am Ende ihrer Kräfte und hat als Tagesmutter aufgehört. Für sie war es tragisch zu sehen, dass viele Eltern nicht in der Lage waren, ihre Kinder zu fördern. "Ein Fünfjähriger wollte mir damals voller Überzeugung erzählen, dass eine Schnecke miaut", bedauert Reif. Sie vermutet, dass die Eltern den Jungen den ganzen Tag vor den Fernseher gesetzt haben, beim Spazierengehen kannte er sich nicht einmal in seinem eigenen Wohnort nicht aus.

Für den Herbst wird gebastelt

Nach nur acht Wochen Pause kam die Anfrage eines Lehrerehepaars und sie entschied, weiterhin als Tagesmutter zu arbeiten. "In den letzten Jahren war alles sehr ruhig", sagt Reif. Zu einigen ihrer ehemaligen Schützlinge hat die Seibelsdorferin noch immer Kontakt. Manche davon seien zwischenzeitlich selber Eltern. "Alles ist sehr ortsnah, deshalb hab ich meine Tageskinder auch nach Ende der Betreuung noch im Auge und sehe, wie sie sich entwickeln."

In den nächsten Wochen möchte Reif mit ihren Tageskindern Herbstdekoration basteln. Kürbisse und Blätter für die Fenster sind bereits fertig. "Als nächstes machen wir Sonnenblumen", kündigt sie an, während sie Alma ein Jäckchen für einen Spaziergang überzieht. Ein anderer Beruf käme für Christa Reif nicht in Frage: "Ich sage immer, ich habe den schönsten Job der Welt."

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