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Tradition

Die Geheimwaffe der Flößer

Floßteiche waren einst unentbehrlich für die Frankenwaldflößer. Sie sorgten für Wassernachschub in niederschlagsarmen Zeiten.
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Rasante Floßfahrt auf der Dober im Jahre 1966 nach dem Floßteichaufmachen. Das erforderte Kraft und Geschicklichkeit von den Floßknechten. Repor: Gerd Fleischmann
Rasante Floßfahrt auf der Dober im Jahre 1966 nach dem Floßteichaufmachen. Das erforderte Kraft und Geschicklichkeit von den Floßknechten. Repor: Gerd Fleischmann
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Schlechte Zeiten sind für die Floßvereine aus Wallenfels, Unterrodach, Friesen und Neuses angebrochen. Das beliebte Freizeitvergnügen auf den Fichtenstämmen ist - vor allem in Wallenfels - zu einem Glücksspiel geworden. 2018 und 2019 haben Stadtverwaltung, Gastronomie und Flößergemeinschaft erhebliche Ausfälle bei der touristischen Flößerei erlebt. Aber auch die Flößertage in Friesen litten dieses Jahr unter Niedrigwasser. Dagegen gab es noch "grünes Licht" für die Unterrodacher bei ihrer Flößerkirchweih.

Der Grunde der Misere ist leicht ausgemacht. Es fehlt an ergiebigen Regenfällen und das Grundwasser ist zur Mangelware geworden. Davon können aber auch die Waldbesitzer und Landwirte ein Liedchen singen. Doch ein Blick in die Wetteraufzeichnungen zeigt: Zu allen Zeiten gab es verheerende Trockenperioden. So zum Beispiel die elfmonatige "Megadürre" in Europa im Jahre 1540 mit schätzungsweise einer halben Million Opfer.

44 Stananlagen

Allerdings waren die Frankenwaldflößer in alter Zeit auf Wasserdefizite gut vorbereitet. Und sie hatten eine Geheimwaffe: Einst dominierten in den heimischen Wäldern die Floß- und Schutzteiche, immerhin 44 an der Zahl mit bis zu 5000 Kubikmeter Fassungsvermögen. Diese Stauanlagen - sie sind teilweise noch vorhanden - waren Voraussetzung dafür, dass auch in wasserarmen Zeiten das Holz aus den oberen Talgründen zu den Flößerorten geflößt werden konnte.

Dafür waren aber enorme bauliche Anstrengungen mit hohem Kapitaleinsatz erforderlich. Schließlich wäre mit den Hochwässern beziehungsweise starken Niederschlägen und Schmelzwässern im Frühjahr nur gelegentliches Flößen und Triften möglich gewesen. Immerhin sind an die 200 Kilometer Bäche floßtauglich ausgebaut worden. Ein bemerkenswerter Kraftakt also.

"Geradezu unentbehrlich"

Wer allerdings diese Relikte aus alter Zeit erkunden will - bereits ab dem 16. Jahrhundert wurden Floßteiche angelegt - muss ausgedehnte Fußmärsche in Kauf nehmen. Über die Beschaffenheit und Aufgaben der Schutzteiche unterrichtet Heinrich Schaaf in seiner 1872 erschienenen Arbeit über den Frankenwald. Darin heißt es: "Die Schutzteiche sind vom Staatsärar in den oberen Thalgründen erbaute Anstalten, welche das herbei fließende Quellwasser auf einer größeren Fläche sammeln, abgeschlossen erhalten und dazu dienen, die unterhalb des Teiches in den Bächen liegenden Floßwaren und Blöcher fortzuschwemmen. Sie haben Erddämme mit Schleusenöffnungen, welche theils massiv von Bruchsteinen, theils von Holzschroth gebaut und größtentheils mit Ziehvorrichtungen mit eisernen Winden versehen sind. Die Floßbäche des Frankenwaldes, insbesondere in den oberen Thalgründen, führen regelmäßig so wenig Wasser mit sich, daß ohne künstliche Stauvorrichtungen unmöglich das in den Floßbächen eingeworfene Holz in die unteren Thalgründe verflößt werden könnte, und ist deren Vorhandensein nicht nur nicht notwendig, sondern geradezu unentbehrlich."

Die Königlich-Bayerischen Floß- und Triftordnungen - die letzte stammt aus dem Jahre 1901 - räumten den Floßteichen einen breiten Raum ein. Wer also von einem Teich Gebrauch machen wollte, hatte dem königlichen Forstamt schriftliche Anzeige nach einem vorgeschriebenen Formular zu machen und darin die Anzahl der Blöcher oder Kuppeln sowie den Lagerplatz zu bezeichnen, worauf ihm der Teichzettel ausgestellt wurde. Dieses Schriftstück enthielt Tag und Stunde der Teichziehung sowie die Namen und das Holzquantum jener Flößer, die gleichzeitig miteinander zu flößen oder zu triften hatten.

Wichtig war der Zeitplan

Für jeden Teich war ein eigener Teichzieher von der Forstbehörde bestellt, dem der Teichzettel auszuhändigen war. Für den Teichzieher gab es eine eigene Instruktion, die als Anlage zur Floßordnung bestand. Darin war auch ein Plan enthalten, zu welchen Zeiten die einzelnen Teiche zu ziehen waren, um ihr Wasser an einem bestimmten Ort gleichzeitig eintreffen zu lassen, damit bei Wassermangel eine entsprechend große Wassermenge vorhanden war.

So musste zum Beispiel im Rodachgrund der Rosenbaumteich um 8.35 Uhr, der Grumbachteich um 9.05 Uhr, der Tschirnködelteich um 9.25 Uhr, der Nurnködelteich um 11.10 Uhr und der Langenauteich um 10 Uhr gezogen werden, damit das gemeinsame Wasser um 12 Uhr in Mauthaus ankam.

Mittlerweile wird die Bedeutung der ehemaligen Floßteiche in der Öffentlichkeit mehr und mehr erkannt, denn sie sind nicht nur Relikte der Flößerära, sondern auch bedeutsame Feuchtbiotope in der Frankenwaldlandschaft. Möglicherweise ist ein Floßteich für die gebeutelten Wallenfelser Flößer die letzte Chance, die beliebte touristische Attraktion auch weiterhin betreiben zu können.

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