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Kronach
Ausstellung

Die Farben einfach fließen lassen

Horst Böhm stellt seine Bilder bis Mai in der Kronacher Galerie "Einblicke" aus.
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Schon in den 70er Jahren malte Horst Böhm Bildere, die sich mit Artensterben und Klimawandel beschäftigten.Maria Löffler
Schon in den 70er Jahren malte Horst Böhm Bildere, die sich mit Artensterben und Klimawandel beschäftigten.Maria Löffler
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"Ich habe mehr gearbeitet als geprahlt", sagte der Maler Horst Böhm bei seiner jüngsten Ausstellungseröffnung "Quer-Schnitt" und wirkt dabei fast ein wenig zerknirscht. Er steht neben Ingo Cesaro in der Galerie "Einblicke" und wirkt fast etwas verloren. Dann aber tut Horst Böhm etwas, das eher untypisch für ihn ist: Er spricht über sich, seine Gefühle und seine Erlebnisse.

"Wenn er es selbst macht, muss ich es nicht tun," freute sich auch Cesaro über die ungewohnte Redefreudigkeit seines Weggefährten. "Er plaudert ja fast schon aus dem Nähkästchen." Horst Böhm, der sich sicher sein wollte, "kein Loch in die Rede von Ingo zu machen", überraschte mit Geschichten über sein Leben und seine Krankheit. Aber es waren Geschichten, die Mut gaben und er versäumte es auch nicht, sich die Pointe bis zum Schluss aufzuheben. "Als ich in der Erlangener Uniklinik war, zeigte man abends ein Fußballspiel. Für mich gehört da halt auch eine Bier dazu. Also habe ich die Schwester gebeten, ob sie mir nicht eines bringen könne. Die antwortete: 'Wir sind im Krankenhaus und nicht auf der Bergkerwa.'"

Sein Bier habe er aber trotzdem bekommen und zum Dank auch ein Bild mit einem überdimensionalen Maßkrug und zwei Personen gemalt, das er der Klinik spendete. Leider sei sein Begleittext dazu vielleicht etwas zu zweideutig gewesen und so habe er nie mehr etwas gehört. "Weder von der Klinik, noch von der Schwester. Aber das macht nichts, denn sie haben mir ja eine Mindesthaltbarkeit von 25 Jahren zugesichert. Also habe ich noch ein paar Jährchen. Und als ich wieder zu Hause war, hat sogar mein Hund Tränen der Wiedersehensfreude vergossen."

Auch von seiner Liebe zur Musik erzählte er und dass er selbst nicht mehr singen werde. 37 Jahre sei er am Landestheater Coburg gewesen und auch dazu gab es die eine oder andere Anekdote. Als er über seine Bilder spricht, leuchten seine Augen plötzlich noch intensiver. "Das Atelier und die Natur umarmen sich." So jedenfalls umschreibt er seine Begeisterung für die Malerei. "Manchmal lasse ich die Farben einfach fließen. So wie bei meiner mainfränkischen Jagdsymphonie." Und als er auf das entsprechende Bild deutet, erinnert er an einen Dirigenten, der sein Ensemble zum Klingen bringt. "Jetzt höre ich auf", meinte er dann fast schon abrupt, und tritt wieder in den Hintergrund.

Die Ausstellung als Schnitt

Ingo Cesaro, der diese Ausstellung organisiert hatte, zeigte sich ebenfalls humorvoll: "Nach dem klar war, welches Bild wo hingehört, bin ich regelrecht geflüchtet und habe Peter Bannert hängen lassen." Aber Cesaro beschreibt auch das Wirken von Horst Böhm und dass diese Ausstellung zweimal "auf Messers Schneide" gestanden habe. "Deshalb könnte sie wirklich als Schnitt oder Einschnitt bezeichnet werden.

Um's "Hängen" ging es auch in der Rede von Amtsleiter Günter Wollersdorfer. Er erinnerte an die Anfänge des Servicezentrums und der Galerie, verlas einige Passagen aus der Berichterstattung und zitierte mit einem Schmunzeln Ingo Cesaro: "Horst Böhm wird am Montag oder Dienstag hängen." Er bezeichnete die beiden Künstler als "Größen der Kunstszene," auf die Kronach stolz sein könne.

Von einem "wunderbaren Moment" sprach Dritter Bürgermeister Markus Wich. Böhm bezeichnete er als "Kronacher Kunst-Kultur-Mann", der nicht viele Worte verliere, dafür aber an allen Ecken und Enden zu sehen sei. "Er ist ein toller Künstler."

Die Ausstellung ist bis zum 6. Mai 2020 in der Galerie "Einblicke", Melchior-Otto-Platz 10 in Kronach, zu sehen. Öffnungszeiten sind: Montag bis Mittwoch von 8 bis 13 Uhr, Donnerstag von 8 bis 17 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr bei freiem Eintritt.

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