LKR Kronach
Europawahl

Die EU ist im Kreis Kronach allgegenwärtig

Entscheidungen der Europäischen Union begleiten uns jeden Tag: Das fängt beim Frühstück an, geht über die Arbeit weiter und endet abends auf dem Sofa - wie das Beispiel einer (fiktiven) Kronacher Familie zeigt.
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Der Frankenwald zählt zur "Qualitätsregion Wanderbares Deutschland". Um die Kriterien hierfür zu erfüllen, kamen Mittel aus dem EU-Leader-Programm zum Einsatz. Foto: Archiv
Der Frankenwald zählt zur "Qualitätsregion Wanderbares Deutschland". Um die Kriterien hierfür zu erfüllen, kamen Mittel aus dem EU-Leader-Programm zum Einsatz. Foto: Archiv

Am 26. Mai sind die Deutschen aufgerufen, sich auf den Weg an die Wahlurne zu machen und das Europäische Parlament zu wählen. Bei der letzten Wahl 2014 lag die Wahlbeteiligung hierzulande bei 48,1 Prozent. Dass damals nur knapp die Hälfte aller Wahlberechtigten ihr Kreuzchen machte, liegt vielleicht daran, dass viele sich denken: "Ach, die EU ist weit weg und hat mit unserem Alltag nichts zu tun." Dabei begleiten uns die Entscheidungen und Beschlüsse der europäischen Parlamentarier tagtäglich - von morgens bis abends.

Ein (fiktives) Beispiel aus dem Kreis Kronach: Es ist 6.30 Uhr. Johann und Elisabeth Kronacher sitzen an ihrem Küchentisch und frühstücken. Johann blättert in der aktuellen Ausgabe des Fränkischen Tags. In seiner linken Hand hält er ein Käsebrot, in das er von Zeit zu Zeit genüsslich beißt. Den Käse haben die Kronachers vergangene Woche aus ihrem Urlaub in Holland mitgebracht. Im Kofferraum ihres Autos hatten sie noch Platz für zwei kleine runde Gouda-Laibe. Zölle fallen in der Europäischen Union für Mengen des Eigenbedarfs nicht an.

Kaffee aus Italien

Elisabeth schlürft derweil an ihrem Kaffee. Der Tasseninhalt: feinster italienischer Mokka. Gekauft im Supermarkt vor Ort. Möglich macht das der Binnenmarkt der EU. Über ihn landen Lebensmittel aus ganz Europa auf den heimischen Tischen. Die EU-Lebensmittelverordnungen sorgen dafür, dass alles ohne Bedenken verzehrt werden kann. Johann blickt auf die Küchenuhr. "Ich muss los, Schatz. Sonst komme ich zu spät zur Arbeit." Er räumt seinen Teller in die Küche, dann schnappt er sich Arbeitstasche und Autoschlüssel. Mit einem "Bis heute Abend" verabschiedet er sich, ehe die Haustür hinter ihm ins Schloss fällt.

Vor dem Haus der Kronachers wartet schon das gerade erst erworbene E-Auto der Familie auf Johann. Er und seine Frau haben für die Anschaffung die E-Auto-Prämie der Bundesregierung genutzt - nachdem diese 2016 von der EU-Kommission genehmigt und nicht als Beihilfe für die Autoindustrie eingestuft wurde. Auch eine feste Quote für E-Autos stand seitens der Kommission bereits im Raum. Diese wurde jedoch bislang nicht eingeführt.

Johann Kronacher startet sein Auto und fährt los. Er arbeitet bei einem der vielen im Landkreis ansässigen Mittelständler. Bei diesen handelt es sich oft um versteckte Marktführer, sogenannte "Hidden Champions". Gerade hat Kronachers Arbeitgeber einen Großauftrag von einem Kunden aus Frankreich erhalten. Dementsprechend viel gibt es im Moment zu tun. Immer wieder erhält die Firma Aufträge aus den Nachbarländern der Europäischen Union. Euro und gemeinsamer Binnenmarkt erleichtern die Geschäfte.

Niederlassungsfreiheit

Auf dem Gang begegnet Johann seinem Kollegen Morten. "Na, schon eingelebt?", fragt Johann. Morten nickt. Er stammt aus Dänemark und ist vor wenigen Wochen in den Landkreis gezogen. Die Niederlassungsfreiheit machte dem EU-Bürger den Umzug leicht.

Nach Dienstschluss fährt Johann nach Kleintettau zum Tropenhaus "Klein Eden". Seine Frau hat ihm aufgetragen, frische Papayas zu kaufen. Fast drei Millionen an EU-Geldern kamen dem Modellprojekt zugute, das sich dem energieeffizienten Anbau von exotischen Früchten verschrieben hat.

Dann geht es zurück ins heimische Effelter. Das knapp 300 Einwohner starke Bio-Energiedorf kann sich zu 100 Prozent mit Strom und Wärme aus eigener Erzeugung versorgen. Zum Haus der Kronachers führt eine Leitung, über die die Familie ans Nahwärmenetz angeschlossen ist. Auf dem Dach brummt die Solaranlage. Die EU hat das Teilprojekt "Bio-Energiedorf Effelter" im Rahmen des Projekts "Energievision Frankenwald" gefördert.

Fränkischer Spargel

Johann parkt das E-Auto vor dem Haus. Als er die Haustür öffnet, steigt ihm schon ein herrlich angenehmer Duft entgegen. Elisabeth hat fränkischen Spargel gekocht. Dazu gibt es Bamberger Hörnla und Kulmbacher Bier aus dem Nachbarlandkreis. Die EU-Kommission hat diese regionaltypischen Spezialitäten mit dem Gütezeichen "Geschützte geografische Angabe" versehen. Demnach müssen die Produkte in einem bestimmten Gebiet erzeugt, verarbeitet oder hergestellt worden sein.

"Holst du bitte noch die Butter aus dem Kühlschrank?", fragt Elisabeth ihren Mann. Den Kühlschrank haben sich die Kronachers vor Kurzem gekauft und so ihr altes Gerät durch ein modernes, energiesparendes ersetzt. Das Energielabel der EU kennzeichnet Geräte nach ihrem Energieverbrauch von A bis G. Zusätzlich verfügt der Kühlschrank über eine CE-Kennzeichnung. Mit dieser bestätigt der Hersteller, dass das Produkt den EU-Richtlinien entspricht.

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Die Kronachers unterhalten sich gerade über den abgelaufenen Tag als Johanns Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist Sohn Christopher, der zurzeit ein Auslandssemester in Schottland macht. Das Hin und Her beim Brexit haben die Kronachers daher in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt.

Christopher ist Erasmus-Student. Das EU-Förderprogramm unterstützt Auslandsaufenthalte an Universitäten. Der junge Mann berichtet seinen Eltern mit großer Begeisterung von seinem Ausflug in die Highlands am vergangenen Wochenende. Seit dem EU-weiten Wegfall der Roaming-Gebühren ist der Anruf für ihn nicht mehr mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Museum oder Kräutergarten

Elisabeth Kronacher erinnert sich plötzlich daran, dass am Nachmittag Freunde aus Berlin angerufen und sich für das Wochenende zu Besuch angekündigt haben. "Was unternehmen wir bloß mit denen?", fragt sie ihren Mann. "Wir könnten doch nach Kleintettau ins Flakonglasmuseum", sagt Johann. Das Museum wurde 2010 mit Mitteln aus dem Leader-Programm der EU gefördert. Der Ansatz unterstützt modellhafte Projekte im ländlichen Raum. 2015 wurde der Kreis Kronach erneut als EU-Leader-Region ausgewählt.

"Oder wir fahren nach Teuschnitz", sagt Elisabeth. "Der Kräutergarten dort ist bestimmt interessant." Auch das Projekt "Arnikastadt Teuschnitz" wurde mit Mitteln aus dem Leader-Topf gefördert. "Am Sonntag könnten wir dann zum Wandern in den Frankenwald", überlegt Johann. Der Frankenwald zählt schließlich zur "Qualitätsregion Wanderbares Deutschland". Um die Kriterien für die Zertifizierung zu erfüllen, kamen ebenfalls Mittel aus dem EU-Leader-Programm zum Einsatz.

Filmförderung

"Eine gute Idee", stimmt Elisabeth zu. Sie räumt den Tisch ab. Dann machen die Kronachers es sich auf ihrem Sofa gemütlich. Im Fernsehen läuft "The King's Speech" - ein mit vier Oscars prämierter Film über den englischen König George VI, gefördert durch das Media-Programm der EU. Als der Abspann über den Bildschirm flackert, gehen die Kronachers nach einem langen Tag ins Bett. Die EU hat sie dabei unmerklich von morgens bis abends begleitet.

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