Kronach
Landfrauentag

Die Digitalisierung als Chance

Moderne Technologie mache die Landwirtschaft in Zukunft produktiver und nachhaltiger, so Staatsministerin Dorothee Bär auf dem Landfrauentag in Kronach.
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Ehrenkreisbäuerin Rita Hanna (links) und Staatsministerin Dorothee Bär (Zweite von rechts) begrüßen sich. Mit im Bild von links Klaus Siegelin, MdB Hans Michelbach und Kreisbäuerin Rosa Zehnter K.-H. Hofmann
Ehrenkreisbäuerin Rita Hanna (links) und Staatsministerin Dorothee Bär (Zweite von rechts) begrüßen sich. Mit im Bild von links Klaus Siegelin, MdB Hans Michelbach und Kreisbäuerin Rosa Zehnter K.-H. Hofmann
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Der Landfrauentag am Donnerstag im Schützenhaus Kronach wurde zum großen Erfolg für die Landfrauen und die Landwirtschaft. Nicht nur die Hauptrednerin, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), stärkte das Selbstbewusstsein von Landfrauen, sondern auch zahlreiche Gäste als Grußredner.

Mit dem Landfrauentag ist es der Vorstandschaft der Kreisbäuerinnen im Bayerischen Bauernverband (BBV) Kreisverband Kronach wieder gelungen, ein sehr informatives und ebenso unterhaltsames Programm zu bieten. Was den zahlreichen Ehrengästen und Besuchern gefiel, das ist auch der Hauptreferentin, Staatsministerin im Bundeskanzleramt, MdB Dorothee Bär, angenehm aufgefallen. Sie dankte den Verantwortlichen unter Federführung von Kreisbäuerin Rosa Zehnter und deren Stellvertreterin Marina Herr für "die tolle Organisation" und ganz besonders dafür, dass sie die Wichtigkeit des Themas "Im Dialog bleiben" erkannt hätten und in den Mittelpunkt rückten.

Neben Klimawandel und der großen Herausforderung der weltweiten Migrationsbewegungen sei die Digitalisierung eine Revolution, deren Folgen sie mit der Erfindung des Buchdrucks und der beweglichen Lettern durch Gutenberg im 15. Jahrhundert verglich. Die Ministerin sieht die Digitalisierung aber nicht als Bedrohung. Sie fordert zur Mitgestaltung auf.

"Wir werden nur dann von der digitalen Revolution profitieren, wenn wir digitale Kompetenzen erwerben, begonnen bei unseren Kindern", zeigte sich Bär überzeugt. Es müssten nicht alle Kinder im Grundschulalter zu Programmierern ausgebildet werden, aber Kinder sollten verstehen, wie Computer und Algorithmen funktionieren. "Ich will, dass unsere Kinder die Technik beherrschen und nicht von ihr beherrscht werden", rief die Ministerin unter Beifall aus.

Aufruf zu mehr Mut

Sie rief zu mehr Mut auf, anstatt alles madig zu machen. Dazu gehöre ein Umdenken in der Gesellschaft. "Es muss sich jeder Einzelne bewusst werden, dass sich die Zeiten ändern, um aus unserer wohlhabenden Industrienation eine erfolgreiche Digitalnation zu machen!"

Dorothee Bär ging auch auf die Bedeutung der Digitalisierung in der Landwirtschaft ein. Konkret nannte sie, dass präziser gearbeitet werden kann, zum Beispiel mit Landmaschinen die satellitengesteuert Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel ausbringen. "15 Millionen Euro sind ab 2019 bis 2022 jedes Jahr ausschließlich für digitale Techniken auf dem Acker und im Stall vorgesehen, insgesamt also 60 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren. Es werden Experimentierfelder, also digitale Testfelder bei landwirtschaftlichen Betrieben geschaffen. Dort wird ausprobiert, wie die Digitalisierung ganz praktisch zum Schutz der Umwelt, des Tierwohls oder der Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette eingesetzt werden kann."

Die Digitalisierung könne Lösungen entwickeln, die Landwirtschaft weltweit produktiver und nachhaltiger zu machen und damit auch dem Hunger entgegenwirken, weil mehr Menschen Zugang zu Nahrung und wertvollen Ressourcen haben.

"Kritik ohne Detailkenntnisse"

MdB Hans Michelbach (CSU) lobte in seinem Grußwort die Arbeit von bäuerlichen Familien, ohne die die ländliche Region nicht denkbar wäre. Scharf wies Michelbach pauschale Vorwürfe an die Bauern zurück. Die Landwirte sollten hohen Stellenwert genießen, da sie gesunde Nahrungsmittel liefern und für Landschafts-, Natur- und Tierschutz sorgen. Sie stünden für Qualität, für Vertrauen und sie stehen für die Zukunft.

Stellvertretender Landrat Gerhard Wunder dankte für die Leistungen der Landwirte im Landkreis. Zum Volksbegehren "Rettet die Bienen" sagte Wunder, man sollte zur sachlichen Diskussion und zum Dialog zurückkommen. Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann ermutigte, an Neuerungen und Innovationen dranzubleiben und Chancen erkennen. Die Digitalisierung schaffe auch Freiräume.

Stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Opel beklagte das Desinteresse der Bevölkerung an der Landwirtschaft. Es mache sie traurig, dass jeder Kritik übe, ohne Detailkenntnisse zu haben.

Schwarz wartet auf Paten

Einen bemerkenswerten Vorschlag machte der stellvertretende Bezirkspräsident des BBV Oberfranken und Kreisobmann Erwin Schwarz, für den "Rettet die Bienen!" zu einem Unwort geworden ist. Er lud im Namen des Kreisverbandes alle Mitbürger aus dem Landkreis Kronach, die das Volksbegehren "Rettet die Bienen" unterzeichnet haben, ein, von einem Landwirt die Patenschaft für eine Fläche von 100 Quadratmeter für 50 Euro im Jahr zu übernehmen. Dafür werde der Landwirt diese Fläche mit Blumen bestellen. "Mal sehen, wie viele Experten sich dafür bereit erklären", schmunzelte Schwarz.

Kreisbäuerin Rosa Zehnter bedauerte, dass die Bauern an den Pranger gestellt werden, als seien sie die Verantwortlichen für das Insektensterben. Und Hauswirtschaftsdirektorin Christine Seemüller-Kohles hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die in Kulmbach ansässige Hauswirtschaftsschule.

Informativ und unterhaltsam

Der Landfrauentag war sehr abwechslungsreich, informativ und unterhaltsam. Daran beteiligt waren das Musik- und Gesangsduo "Teddys" aus Stockheim ebenso wie der Förderverein Bergbaugeschichte aus Stockheim, der mit einem Vortrag in die Geschichte des Steinkohlebergbaus in Stockheim führte und mit Bilddokumentation wie fachlicher Darstellung der Geschichte beeindruckte.

Auch die Landfrauen selbst brachten mit einem Sketch die Diskrepanz der Generationen hinsichtlich Digitalisierung und Dialog dar. Christin Zehnter und Marina Herr machten mit einem Dialog der Generationen über eine fällige Reparatur einer 30- jährigen Schreibmaschine deutlich, wie rasant der technische Fortschritt in allen Bereichen Einzug hielt. Zum Schluss hilft nur: im Dialog bleiben.

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