Kronach
Alarmierung

Die Arbeit als Disponentin in der Integrierten Leitstelle

Über 100.000 Anrufe gehen jährlich in der Integrierten Leitstelle in Ebersdorf bei Coburg ein. Tina-Christin Rüger aus Kronach ist eine der 19 Disponenten, die innerhalb von Sekunden Retter zum Einsatzort schicken.
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Tina-Christin Rüger aus Kronach ist Disponentin in der Integrierten Leitstelle. Sie schickt die Rettungskräfte zu den Einsätzen. Überwacht wird alles über sechs Bildschirme. Gerhard Jupe schaut ihr über die Schulter. Foto: Friedwald Schedel
Tina-Christin Rüger aus Kronach ist Disponentin in der Integrierten Leitstelle. Sie schickt die Rettungskräfte zu den Einsätzen. Überwacht wird alles über sechs Bildschirme. Gerhard Jupe schaut ihr über die Schulter. Foto: Friedwald Schedel
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Die Leute, die bei ihr anrufen, sind aufgeregt, denn wer die 112 oder die 19222 wählt, der hat einen Notfall durchzugeben. Tina-Christin Rüger muss ruhig bleiben, gezielt nachfragen und bereits während des Telefonats die Retter zum Einsatzort schicken. Es dauert nur Sekunden, bis ihr der Computer mitgeteilt hat, wo welches Equipment mit welcher Mannschaftsstärke in kürzester Entfernung zum Notfall bereit steht. Mit ihrer angenehmen Stimme beruhigt Tina-Christin Rüger die Anrufer und es stimmt wirklich, wenn sie am Ende des Telefonats sagt: "Die Hilfe ist schon unterwegs!"

Die Kronacherin ist eine von 19 Disponenten der Integrierten Leitstelle (ILS) in Ebersdorf bei Coburg. Seit knapp vier Jahren werden dort Notrufe bei Bränden oder schweren gesundheitlichen Störungen entgegengenommen. Über 100.000 pro Jahr. "Wir sind für die Landkreise Kronach, Lichtenfels und Coburg sowie die kreisfreie Stadt Coburg für die so genannte nicht polizeiliche Gefahrenabwehr zuständig", formuliert das der stellvertretende ILS-Leiter Peter Kunzelmann in schönstem - aber korrektem - Behördendeutsch. Alles, was Blaulicht hat und nicht Polizei ist, wird von seinen Leuten bei Bedarf alarmiert: Rettungsdienst, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk etc.

Nur wer die 110 wählt, landet nach wie vor bei der Polizei. Früher lief dort in der Regel auch die 112 auf, doch seit knapp vier Jahren werden die Polizisten durch die ILS entlastet. Zwischen 8 und 20 Uhr sind vier Disponenten in der Leitstelle, davon einer in Bereitschaft. In den Nachtstunden wird die Stärke um eine Person reduziert. Da es auch noch eine Rufbereitschaft und mehrere nebenamtliche Beschäftigte gibt, kann die Zahl der Plätze bei einem Großschadensereignis in kürzester Zeit auf zwölf aufgestockt werden.


Sie können mit Stress umgehen

Die Mitarbeiter haben gelernt, mit dem Stress umzugehen. Sie begleiten jeden Einsatz vom Absetzen des Notrufs bis die Feuerwehr wieder in der Wache einrückt. Jeder Disponent hat die berufliche Qualifikation eines Rettungsassistenten und eines Hauptbrandmeisters der Berufsfeuerwehr. Und dann wird er in der Lehrleitstelle geschult.

Das ist extrem stressig. "Da wird man an seine Grenzen geführt", weiß Gerhard Jupe, weiterer stellvertretender ILS-Leiter, aus Erfahrung: "Da weiß man manchmal nicht mehr, ob das noch Training oder schon Ernstfall ist!" Und nur, wer die Tests in der Lehrleitstelle besteht, darf in den Kommandostand der ILS in Ebersdorf. Und dort gibt es klare Regelungen. Peter Kunzelmann: "Beim Rettungsdienst sind wir einsatzleitend, das heißt, wir haben das letzte Wort, bei der Feuerwehr sind wir einsatzbegleitend." Aber wie wissen die Disponenten, welche Feuerwehr sie mit wie vielen Fahrzeugen zu einem Brand oder einer technischen Hilfeleistung schicken können? Das sagt ihnen nach wenigen Mausklicks der Computer. Aber der weiß auch nur so viel, wie in ihm gespeichert worden ist. "Wir sagen nicht, wie die Feuerwehr auszurücken hat, aber die Feuerwehr sagt uns, wie wir zu alarmieren haben", bringt es Peter Kunzelmann auf den Punkt.

Die Feuerwehrkommandanten müssen nämlich eine Tages- und eine Nachtalarmstärke und jede Änderung melden. Diese Zahlen pflegen die beiden Systemadministratoren Michael Butz und Rainer Brehm ein. Wenn also ein Gerät wegen Reparatur fehlt oder die erforderliche Mannschaftsstärke eines Fahrzeugs nicht erreicht wird, dann wird nicht die Feuerwehr aus dem Nachbarort, sondern aus dem übernächsten Dorf geschickt. Die örtliche Wehr wird immer alarmiert, egal welche Alarmstärke sie hat.


Großbrand des Sägewerks

Gibt der Disponent "Zimmerbrand" oder "Dachstuhlbrand" - im Fachjargon "B3" - sowie Straße und Hausnummer des Ziels ein, zeigt ihm der Computer in Sekundenbruchteilen auf einem der vielen Bildschirme, welche Feuerwehr die nötigen Fahrzeuge, Geräte und das geforderte Personal hat. "Es kommt immer das nächste geeignete Fahrzeug", weist Gerhard Jupe darauf hin, dass auch einmal ein etwas weiter entferntes, aber dafür mit der richtigen Beladung, geschickt wird.


Beim Großbrand des Sägewerks in Erlabrück kürzlich galt am Anfang Alarmstufe "B4". Das wurde aber sehr schnell auf "B 6" hochgestuft. Schließlich waren 150 Feuerwehrleute und 50 weitere Retter an der Unglücksstelle. Wobei das Gesetz sagt, dass nicht zu viele Leute alarmiert werden sollen. Gerhard Jupe und Peter Kunzelmann versichern aber, dass ihre Mitarbeiter im Zweifel eine Stufe höher alarmieren. Denn eine Nachalarmierung kostet immer wertvolle Zeit.

Manche Anrufer sind am Anfang etwas zaghaft und fragen dann: "Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen richtig bin." Sie sind auf jeden Fall richtig und die Disponenten helfen gerne weiter. Wenn nämlich einmal ein Anrufer, der eigentlich einen Mediziner des ärztlichen Bereitschaftsdienstes braucht, in der Integrierten Leitstelle anruft, dann wird er an die Notrufnummer 116 oder 117 verwiesen. Zuvor stellen die Disponenten jedoch sicher, dass nicht wirklich ein Rettungswagen mit Blaulichteinsatz gebraucht wird.


Die Inegrierte Leitstelle

Die Integrierte Leitstelle (ILS) hat 19 Disponenten und vier Verwaltungskräfte. Von 8 bis 20 Uhr sind vier Disponenten ständig in der Leitstelle verfügbar, nachts drei. Bei Bedarf kann auf bis zu zwölf Plätze aufgestockt werden. Die Integrierte Leitstelle ist über die Notrufnummern 112 und 19222 erreichbar. Die Polizei hat den Notruf 110. Der zuständige Mediziner wird über die Notfall-Rufnummer 116 117 vermittelt.

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