Seibelsdorf
Sanierung

Die Alte Schule bekommt ein neues Innenleben

Das Gebäude hat bereits eine neue Außenfassade, neue Fenster und ein blaues Dach bekommen. Jetzt geht es an den Innenausbau.
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Ein wohl letztes Mal auf den alten Schulbänken sitzen wollten die Verantwortlichen für die Sanierung der alten Schule in Seibelsdorf. Foto: Maria Löffler
Ein wohl letztes Mal auf den alten Schulbänken sitzen wollten die Verantwortlichen für die Sanierung der alten Schule in Seibelsdorf. Foto: Maria Löffler
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15 000 Reichsmark musste man damals berappen, damit die Schule in Seibelsdorf gebaut werden konnte. Das war in der Kaiserzeit - seither sind Generationen von Mädchen und Jungs über die jetzt abgenutzten Holzdielen gelaufen, haben ihre Namen in die alten Schulbänke geritzt, haben gesungen, gelernt, gelacht und geweint. Zeitweise tummelten sich in den beiden oberen Klassenzimmern vier Jahrgänge in einem Raum, heute völlig unvorstellbar. Jetzt wurde die Alte Schule energetisch saniert. Sie bekam eine neue Außenfassade, neue Fenster und ein blaues Dach spendiert. Nun soll sie auch ein neues Innenleben bekommen. Die Musikkapelle und der FC-Bayern-Fan-Club krempeln die Ärmel hoch und renovieren ihre Vereinsräume in Eigenregie.

Moderner Raum

Stefan Stützer vom FC Bayern-Fanclub in Seibelsdorf streicht noch mal fast zärtlich über die alte Schulbank. Sein verschmitztes Lächeln aber lässt ahnen, dass es mit der Wehmut nicht ganz so weit her ist. Hier, wo zusammengewürfeltes Mobiliar für wenig Gemütlichkeit sorgt, soll ein schicker und moderner Raum entstehen, in dem es sich gut feiern lässt. Der FC-Bayern-Fan-Club nutzt momentan einen der beiden oberen Klassenräume für seine Zusammenkünfte, fachliche Diskussionsrunden und gesellige Abende. "Und natürlich halten wir auch unsere ganzen Versammlungen hier ab", ergänzt er schnell. "Wir feiern ja nicht nur." Und das werden die Mitglieder jetzt noch eine ganze Zeit wo anders tun müssen, denn alles muss quasi raus. Die alte Küchenzeile, die Tische und Stühle und natürlich die ganzen Fanartikel, Teller, und Bierkrüge die - ordentlich aufgereiht - trotzdem sehr viel Platz brauchen. "Wir werden uns was einfallen lassen", meint Stützer und guckt schon ganz nachdenklich. Raus muss auch die alte Elektrik. "Da lassen wir aber eine Firma ran."

Gegenüber werkeln die Mitglieder der Musikkapelle. Hier wundert sich nicht nur der Leiter Jens Blüchel über "die unzähligen Farbschichten, die wir hier von den Wänden geholt haben." Bürgermeister Norbert Gräbner spricht gleich von "historischen Tapeten und Farben" und muss über sich selber lachen. Die Helfer sind hier schon bis zu den Grundmauern vorgedrungen und wollen auch einige Steine nicht wieder überputzen. "Wir wollen etwas vom Ursprung erhalten", meint auch Vorsitzende Carmen Ernst. Was den Mitgliedern vorschwebe, sei ein Raum, in dem eine eingezogene Akustikdecke den Schall dämpfen soll. Ein Raum mit einem großen Spiegel, in dem man sich auch mal beim Üben beobachten könne. Und ein Raum mit der großen, alten Schultafel, die genügend Platz für Notenkunde bietet. "Und wo wir uns alle wohlfühlen bei unseren Proben."

Archiv zieht nach nebenan

Nebenan gibt es ein kleines Zimmer, in dem sogar zeitweise eine Gemeindekanzlei untergebracht war. "Der wird unser Archiv und wir können hier drin auch fotokopieren." Etwas mehr Platz möchte eventuell auch der Fanclub. "Im Erdgeschoss wären noch zwei kleine Räume frei. Vielleicht übernehmen wir die." Beim Thema "unten" klinkt sich auch Bürgermeister Norbert Gräbner wieder mit ein. Man dürfe nicht vergessen, dass ja ein Mieter die untere Wohnung bezogen habe, die einst für den Schullehrer reserviert war. "Aber er hat sich noch nie beklagt, dass hier oben geprobt wird. Wir sind sehr froh, jemanden gefunden zu haben, der so viel Verständnis zeigt." Beim Thema "Lärm" muss dann auch Carmen Ernst ganz spontan lachen. "Es ist eher so, dass die Anwohner sich beschweren, weil sie seit der Sanierung zu wenig hören. Die neuen Fenster sind vollkommen dicht und wir können ja im Winter nicht alles aufreißen." "So funktioniert eine gute Dorfgemeinschaft", weiß Gräbner und nickt zur Bestätigung. "Gekämpft für die Sanierung und gegen den Abriss haben wir genug. Gott sei Dank bekamen wir die Förderung, sonst hätten wir ganz schön im Regen gestanden." Als "absolut vorbildlich" bezeichnete er den Einsatz der beiden Vereine und bezog auch gleich den gemeindlichen Bauhof und vor allem Clemens Kaufmann mit ein.

Und während die Musikkapelle noch in einem Kälberstall in Waldbuch probt, macht sich der Fanclub schon mal Gedanken, was man mit dem ehemaligen Schulgarten und dem Innenhof anstellt. "Auf jeden Fall wird es ein Platz zum gemütlich machen und um Feste zu feiern."

Die Alte Schule in Seibelsdorf wurde bis Anfang der 70-er Jahre als Schule genutzt. Danach waren unter anderem die Sparkasse und ein Amtszimmer untergebracht. Genutzt wurde sie auch als Wahllokal. Die Wohnung im Erdgeschoss ist nach wie vor vermietet. Aufgrund eines undichten Daches, alter, zugiger Fenster, bröckelnden Putzes und eines ziemlich maroden Innenlebens sah sich der Markt Marktrodach gezwungen, etwas zu unternehmen. Ein Verkauf und ein in Erwägung gezogener Abriss scheiterten und so wurde jetzt energetisch saniert. Das Anwesen wurde in das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) aufgenommen. Die Fördersumme betrug 66 000 Euro. Damit wurden Fenster und Türen erneuert und eine Außendämmung angebracht. Auch das Dach wurde neu gedeckt. Die Gesamtkosten für die Maßnahme betrugen bis jetzt 128 000 Euro, davon sind 75 000 Euro zuwendungsfähig. Bedankt hat sich der Bürgermeister unter anderem aber auch bei den bauausführenden Firmen Kellner aus Stadtsteinach, Metallbau Fiedler aus Marktrodach, Patrick Mai aus Marktrodach, Elektro Friedlein, ebenfalls Marktrodach und Roland Schnaubelt aus Rugendorf. Geplant hat das Ganze das Büro HTS Plan GmbH aus Kronach.

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