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Schauberg
Geschichte

Deutsch-deutsche Erinnerungen von Tettauern und Judenbachern

"Nachbarn treffen sich wieder": Unter diesem Motto fand am Samstag eine Feier anlässlich des 30. Jubiläums der Grenzöffnung zwischen Schauberg und Judenbach statt. Dabei wurden auch viele Erinnerungen wach.
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Es herrschte harmonische Stimmung zwischen den Tettauern und Judenbachern, die Feier zum 30. Jubiläum der Grenzöffnung war von Freude und Dankbarkeit geprägt. Der Musikverein Schauberg und der Männerchor Judenbach umrahmten die Feier mit eindrucksvollen musikalischen und gesanglichen Einlagen.

Pfarrerin Kristine Wachter und ihr katholischer Kollege Pfarrer Cyriac Chittukalam dankten zusammen mit den Anwesenden dem Schöpfer dafür, dass nun seit 30 Jahren keine Mauer mehr die beiden Nachbargemeinden Schauberg und Judenbach trennt.

Es gab auch Informationsstände, die an die Grenzöffnung zum Jahreswechsel 1989/1990 erinnerten.

Eine der Besucherin war die Judenbacherin Gisela Ströhler. Sie hatte selbstverfasste Gedichte ihres verstorbenen Vaters Günther Butters dabei. Dieser wuchs in Schauberg auf und heiratete nach Judenbach.

In den Gedichten kamen eine tiefe Sehnsucht nach dem Heimatort und die Erinnerungen an die Kindheit des Verfassers zum Ausdruck. Durch den Bau der Mauer war Günther Butters als Judenbacher jahrzehntelang von Schauberg abgeschnitten.

In den Gedichten ist unter anderem von den freundlichen, fleißigen und hilfsbereiten Schaubergern die Rede. Auch das Gasthaus "von Mariechen", das "kleine Kirchlein" und Rösler Porzellan werden erwähnt.

Sehnsucht

Sie als Kind habe immer die Sehnsucht ihres Vaters miterlebt, erinnert Gisela Ströhler. Vom Sportplatz aus habe man einen Blick auf Schauberg werfen können. Ein High light sei es immer gewesen, wenn Päckchen von der Schauberger Tante in Judenbach eintrafen. "Wir hatten so eine Sehnsucht nach Schauberg!"

Erinnerungen wurden auch beim Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch wach. Er erlebte dieses historische Ereignis als junger Grenzbeamter mit. "Schauberg und der Tettauer Winkel waren vom Zaun umgeben, der Westen lag im Süden", so Ebertsch.

Er erinnerte an die Schließung der Bahnlinie zwischen Pressig und Tettau. Diese Verkehrsader, die mehrmals durch das Thüringer Gebiet führte, sei für die heimische Industrie lebensnotwendig gewesen.

Über Nacht sei diese "gekappt" worden, was für die Unternehmen mit existenziellen Folgen verbunden gewesen sei. Ebertsch bezeichnete die Grenzöffnung als "ein Wunder" und er meinte: "Ich ziehe meinen Hut vor den DDR-Bürgern, die mit ihren Mut die Mauer beseitigten!"

Auch sein Kollege aus dem Föritztal, Andreas Meusel, erinnerte sich. Seine Kindheit habe er im einstigen Sperrgebiet verbracht.

Das sei mit vielen Einschränkungen verbunden gewesen. Beide Seiten hätten den Wunsch gehabt: "Die Mauer muss weg!" Aber, so räumte Meusel ein: "Wir haben nie daran geglaubt!"

Der Mitorganisator der Gedenkfeier, Hubert Steiner, sprach davon, dass in der Gemeinde Tettau mit Tettau/Spechtsbrunn, Tettau/Neuenbau und Schauberg/Judenbach an drei Stellen die Grenzen geöffnet wurden. Bei Letzterer geschah das am 1. Januar 1990. Aber schon einen Tag vorher hätten Männer aus Judenbach die Öffnung des Zauns erzwungen.

Er erinnerte an den Bau des Rettungswegs zwischen den beiden Gemeinden, der später als Straße freigegeben wurde. Schon bald sei diese Straße mit Schlaglöchern übersät gewesen und die Forderungen nach einem Ausbau nahmen ab Ende der 1990er Jahre zu.

Aber trotz vieler Bemühungen und Unterstützung seitens der heimischen Politik schien dieser Wunsch unerfüllt. Es gab zahlreiche Hindernisse wie fehlende Finanzierung, Bedenken des Naturschutzes etcetera.

Letztendlich gab es doch2015 den langersehnten Spatenstich für den Ausbau der Straße zwischen Schauberg und Judenbach. Mit einem großen Fest wurde die Einweihung zwei Jahre später gefeiert.

Alles wurde beobachtet

Der ehemalige Bürgermeister Hans Kaufmann erinnerte an den Bau der Kläranlage wenige Monate vor der Grenzöffnung in unmittelbarer Nähe zu Thüringen. Er habe jenseits des Zauns Männer in Uniform beobachtet, die während der Bauphase sämtliche Handlungen filmten und fotografierten. Wenige Wochen später sei die Freude über die unerwartete Grenzöffnung riesengroß gewesen.

Eldorado für Biker

Und wie schaut es aktuell aus? Die Straße, so Steiner, habe sich seit dem Sommer 2018 zu einem Eldorado für Motorradfahrer entwickelt, was Ärger, eine Gefährdung für Radfahrer, Wanderer und Lärm mit sich bringe. Aber die Judenbacher konnten nun zum 30-jährigen Gedenken an die Grenzöffnung auf einer gut ausgebauten Straße nach Schauberg kommen.

Für ihn sei es ein großer Wunsch, so Bürgermeister Peter Ebertsch, dass der thüringische-fränkische Radweg auf der ehemaligen Bahnlinie realisiert werde. Dieser könnte die Menschen an das "grüne Band" führen.

Sein Bürgermeisterkollege Andreas Meusel appellierte angesichts der aktuellen Ereignisse an die Politik und an die Bürger "Freiheit, Verantwortung und Toleranz zu üben und zu praktizieren". Diese Werte sollte keiner aus den Augen verlieren, betont Meusel.

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