Kronach
Innovationen

Der Roboter als Partner des Menschen

Rund 150 Besucher kamen zu den ersten Robotertagen in Kronach und staunten über neue Möglichkeiten in der Arbeitswelt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bestaunen einen "Cobot" (von links): IZK-Geschäftsführer Hendrik Montag-Schwappacher, Tomasz Humiennik (Jugard und Künstner, hinten), Christine Troche (IZK), Studienrat Tobias Kuhnlein (Lorenz-Kaim-Berufsschule) und Luca Troche (Auszubildender im dualen Studium Mechatronik, Firma M.A.i)Eva Fiedler
Bestaunen einen "Cobot" (von links): IZK-Geschäftsführer Hendrik Montag-Schwappacher, Tomasz Humiennik (Jugard und Künstner, hinten), Christine Troche (IZK), Studienrat Tobias Kuhnlein (Lorenz-Kaim-Berufsschule) und Luca Troche (Auszubildender im dualen Studium Mechatronik, Firma M.A.i)Eva Fiedler
+3 Bilder

Man nehme: zwei Studenten der Syddansk-Universität in Odense und die Zielvorgabe, einen Roboter zu entwickeln, der Pizzas mit Salami belegen kann. Herauskommt ein kleiner, vielseitig einsetzbarer, kinderleicht zu programmierender und mit dem Menschen kollaborierender Roboter (also ein "Cobot") sowie eine Firma namens Universal Robots, gegründet von ebendiesen beiden Studenten im Jahr 2005 in Dänemark.

Der "kleine Held der automatisierten Arbeitswelt" hat inzwischen international für Furore gesorgt und einige noch flexibler einsetzbare "Brüder bzw. Schwestern" bekommen. Den Kleinsten davon, den UR3, bestaunten rund 150 Besucher der ersten Kronacher Robotertage am Dienstag und Mittwoch in den Räumen des Innovations-Zentrums Region Kronach (IZK) im ehemaligen Loewe-Show-Room in der Kronacher Industriestraße.

Für einen echten "Wow"-Effekt sorgte aber auch eine Präsentation der Lorenz-Kaim-Berufsschule Kronach mit einer so genannten Augmented Reality-Brille, mit der man sich quasi von einer Sekunde zur anderen in eine parallele Dimension beamen konnte.

"Damit haben wir wirklich nicht gerechnet", freute sich IZK-Geschäftsführer Hendrik Montag-Schwappacher bereits am ersten der beiden Messetage über mehr als 100 Besucher. Die Interessenten - Unternehmen des produzierenden Gewerbes - seien aus Ober-, Mittel- und Unterfranken, Thüringen und sogar München nach Kronach angereist. "Für mich ist das ein Signal, noch mehr solcher Veranstaltungen anzubieten - natürlich wäre ein etwas größerer Rahmen wünschenswert", so Montag-Schwappacher. Auf die Frage, wie groß der Messeraum hier eigentlich sei, runzelt er die Stirn: "Oh, das weiß ich gar nicht genau - da müssten Sie den Roboter fragen, der hat ihn vorhin abgescannt!"

Zu seiner Motivation, Robotertage zu initiieren, erläutert der IZK-Geschäftsführer: "Gerade kleine Losgrößen kostendeckend automatisiert zu produzieren war bisher schwierig." Durch immer intelligentere Software sei der Roboter als Partner des Menschen sicherheitstechnisch aber viel unproblematischer geworden - er brauche z.B. keinen Käfig mehr - was den Arbeitsprozess flüssiger gestalte.

"Mit dieser Messe wollten wir als Innovations-Zentrum unsere Unternehmen der Region mit den Möglichkeiten der so genannten Cobots bekannt machen. Die Entwicklung schreitet so schnell voran, dass Roboter inzwischen für alle Unternehmensgrößen interessant geworden sind", so Hendrik Montag-Schwappacher. Dies bestätigte auch Sebastian Drauf, Prozessplaner der Firma Dr. Schneider. Er war von Radarsensoren fasziniert, die den Cobot automatisch stoppen lassen, sobald ein Mensch seinen Weg kreuzt. Wie er die Kronacher Roboter-Tage findet? "Absolut bereichernd!"

Dies kann auch Anton Sack (Rausch und Pausch GmbH/Ventilsysteme) nur bestätigen: "Ich bin wirklich fasziniert, wie benutzerfreundlich und intuitiv die Anwendung des kleinen UR-Roboters ist. Außerdem kann man ihn unglaublich vielseitig einsetzen: Er hat einfache Sortieraufgaben erfüllt und komplizierte Schweißnähte in einem Automatisierungsprozess demonstriert."

Genauso enthusiastisch war am Dienstag auch Leon Müller-Noell, der heute Entwickler und Versuchsleiter der Hörtig Rohrpost GmbH in Bayreuth ist, von den Demonstrationen des Universal-Robot-Vertriebspartners Jugard und Künstner (Nürnberg): "Es braucht keine jahrelangen Schulungen für Mitarbeiter mehr, um einen Roboter einsetzen zu können."

Großes Lob gab es von den beiden auch für ihre "ehemalige Schule", die Lorenz-Kaim-Berufsschule Kronach. Diese gab auf der wohl kleinsten Roboter-Messe der Welt Einblicke in ihre Ausbildungsmöglichkeiten für Mechatroniker und Industriemechaniker.

Dass das Ziel, Industrie 4.0 umzusetzen, erreicht wurde, davon konnte man sich bei Tobias Kuhnlein überzeugen. Er unterrichtet Automatisierungs- und Metall/Kfz-Technik in Kronach und führte den Cobot "Yumi" von ABB vor. "Yumi kann mit zwei Armen agieren, besitzt zwei Greifer und kann mit Menschen zusammenarbeiten."

Messebesucher "beamen" sich

Eine kleine Sensation auf der Ausstellungsfläche der Berufsschule: Das ABB-Robot-Studio, an das eine so genannte Augmented Reality-Brille (=erweiterte Realität) namens "Oculus Rift" angeschlossen wurde. "Die Brille kommt aus dem PC-Spielezimmer", erläuterte der stellvertretende Leiter der Lorenz-Kaim-Berufsschule, Werner Zahner, den Messebesuchern. Setzt man die Brille auf, landet man in einer völlig anderen Umgebung - ohne sich überhaupt bewegt zu haben. Je nachdem, mit welcher Software die Brille verbunden ist, kann das ein Computerspiel sein, oder aber auch ein Arbeitsprozess. Und so "beamten" sich zahlreiche Messebesucher direkt neben einen Auspuff schweißenden Roboter und konnten diesen staunend durch sich hindurch oder an sich vorbei fahren lassen - ganz ohne Gefahr. Per Handsteuerung war er sogar ein "williger Diener" und erledigte alle Anweisungen des Menschen.

Ähnlich funktioniert die Virtuell-Reality-Brille, die Maschinenteile z.B. in 3D darstellt. "Da muss eine Firma keinen zusätzlichen Mann mehr auf Montage schicken, wenn irgendetwas nicht funktioniert. Mit dieser Brille können Anweisungen gegeben und Probleme sofort behoben werden", so Zahner.

Sehr gut komme übrigens das duale Studium an der Kronacher Berufsschule an, das inzwischen auch viele Mädchen begeistere "Unser Frauenanteil liegt bei 25 Prozent", resümierte Zahner, der sich noch mehr Schülerinnen in den technischen Berufen vorstellen kann. "Ab nächstem Jahr kommt neben Industriemechanik und Mechatronik auch die Elektrotechnik dazu", warb er am Dienstag.

Sarah Schörner (Zarian Bewegungssysteme, Marktredwitz) hat auf diesem Weg zu ihrem heutigen Job gefunden. Die Mechatronikerin und Wirtschaftsingenieurin schloss im Februar ihre Bachelorarbeit ab. "Heute verkaufe ich die Maschinen, die ich in der Ausbildung selbst gebaut habe." Maßgeschneiderte Roboter-Anwendungen speziell für eine Firma entwickeln? "No Problem", sagt Sarah, die den kleinsten Cobot von Universal Robots gleich mal umbenannt hat: "Er heißt bei mir Fridolin!"

Als Vertriebspartner der dänischen Roboter-Entwickler Universal Robots präsentierte Tomasz Humiennik für die Jugard und Künstner Handels-GmbH (Nürnberg) Roboterarme von Universal Robots. "Wir vertreiben Roboter, die schnell und einfach mit einem kleinen Budget Aufgaben realisieren können - und wir vermitteln Integratoren, die spezielle Lösungen für den Kunden erarbeiten. Wenn Sie sagen, Sie möchten einen grünen Schuh produzieren, kommen wir in Ihre Firma und schauen, wie man das vor Ort - automatisiert - lösen kann."

"Ich war ja schon auf vielen Robotertagen, aber so einen Andrang hab" ich noch nie erlebt!" Moritz Rothe (ARTIMINDS) bietet Software für standartisierte Roboterprogrammierung an - am Mittwochabend verließ er Kronach - wie so viele andere Gäste auch - hoch zufrieden, frei nach dem Motto: Die Zukunft kann kommen, wir freuen uns darauf!

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren