Kronach
Hilfsmittel

Der Retter aus dem Kühlschrank: Notfalldose erreicht Kronach

Eine kleines Behältnis soll auch Menschen im Landkreis Kronach bei medizinischen Problemen helfen. Das Rote Kreuz will die Notfalldose breit streuen.
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Die Notfalldose kann für die Rettungskräfte eine große Hilfe sein. Die Besitzer sollten darin wichtige medizinische Informationen über sich aufbewahren. Foto: Deutsches Rotes Kreuz
Die Notfalldose kann für die Rettungskräfte eine große Hilfe sein. Die Besitzer sollten darin wichtige medizinische Informationen über sich aufbewahren. Foto: Deutsches Rotes Kreuz
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Der Patient liegt am Boden. Er muss dringend medizinisch versorgt werden. Aber wie? Welche Medikamente nimmt er? Welche Vorerkrankungen plagen ihn? Ein Blick der Retter zur Tür. Ein Griff in den Kühlschrank. Alles ist klar.

So könnte ein Rettungseinsatz im Idealfall ablaufen - wenn eine Notfalldose im Haus ist. Im Landkreis Kulmbach beispielsweise wird das kleine Utensil, das wohl die wenigsten kennen, über einige Apotheken vertrieben. Auch im Kreis Kronach soll diese Möglichkeit geprüft werden.

"Eine super Sache"

Clemens Richter, Sprecher der heimischen Apotheker, erklärte auf unsere Nachfrage, bislang noch nicht auf eine Notfalldose angesprochen worden zu sein. Selbst im Großhandel sei sie nicht weit verbreitet. Allerdings werde er seine Kollegen informieren. Eine Bestellung sei nämlich möglich. "Eigentlich ist das eine schöne Sache. So eine Notfallbox ist super", lautet seine Einschätzung nach einer ersten Betrachtung.

Im großen Stil bringt jedoch jemand anderes die Notfalldose bald unters Volk - der Rotkreuz-Kreisverband. "Wir selbst sind über die Medien darauf gekommen", erklärt Ehrenamtsmanager Ralf Schmidt. Vom Deutschen Roten Kreuz sei die Initiative ergriffen worden. Ursprünglich stamme die Idee aus Großbritannien, einen ersten Testlauf hierzulande habe es 2018 in Schwaben gegeben. Nun will der Kreisverband Kronach zeitnah die kleinen Lebensretter an seine Kunden, an Blutspender - oder gegen eine kleine Spende auch an weitere Interessierte ausgeben. 2500 "Rotkreuzdosen" wurden bestellt.

Doch warum liegt dem Roten Kreuz so viel daran, dieses Hilfsmittel breit zu streuen. Schmidt erklärt: "Letztendlich ist die Notfalldose für jedermann gedacht. Vor allem aber für jene, die alleine zu Hause wohnen, die Medikamente einnehmen oder Vorerkrankungen haben." In dem kleinen Behältnis befindet sich ein Zettel, auf dem alle relevanten Informationen für den Arzt und den Rettungsdienst eingetragen werden können. Aufbewahrt wird die Dose im Kühlschrank - der ist ja in nahezu jedem Haushalt zu finden. Ein kleiner Aufkleber an der Innenseite der Tür zeigt den Rettern an, dass sich ein Blick dort hinein lohnt.

Nachfrage ist schon da

"Kontaktpersonen, Hausarzt, Erkrankungen, in welcher Dosierung wird welches Medikament eingenommen - diese Informationen können alle hinterlegt werden", so Schmidt. Für die Mediziner eine unschätzbare Hilfe, wenn der Patient nicht mehr ansprechbar oder in der Situation überfordert ist. "Wir brauchen die Infos über das Krankheitsbild. Da kann die Dose ganz viel Zeit sparen." Nur müssen die Angaben regelmäßig auf dem Laufenden gehalten werden. Clemens Richter hat noch eine zusätzliche Idee: Es könnte gleich noch ein Hinweis auf eine Patientenverfügung beigelegt werden.

Ralf Schmidt freut sich, dass die Resonanz auf das neue Konzept schon sehr gut ist: "Die Nachfrage ist recht hoch." Deshalb hofft er, dass schon bald in vielen Haushalten der Griff zur Kühlschranktür den Rettern hilft.

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