Kronach
Denkmaltag

Der Rennsteig ist Grenze und Verbindung zugleich

Für den Kronacher Landrat lässt der Rennsteig Gräben überwinden. Daher fand in Steinbach am Wald der Tag des offenen Denkmals auf Kreisebene statt.
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Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig erklärte ein altes Wappen.  Foto: Veronika Schadeck
Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig erklärte ein altes Wappen. Foto: Veronika Schadeck
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Die historische Wehrkirche St. Johannes Baptista, die katholische St.-Heinrich-Kirche, die evangelische Christuskirche und das Wahrzeichen von Steinbach am Wald, der Glasobelisk direkt am Rennsteig, konnten gestern am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden.

Spannende Erklärungen

Mit Interesse verfolgten die zahlreichen Besucher den Ausführungen der Kreisheimatpfleger, die mit ihrem Wissen über die Geschichte, über die Dörfer nah am Rennsteig sowie über die Gotteshäuser beeindruckten.

Los ging es mit einem Rundgang in der Wehrkirche. Folgte man den Erläuterungen der Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig und Dieter Lau, so wurde einem schnell klar, dass diese Kirche nicht nur für Gottesdienste und Predigten taugte, sondern auch ein Dorfmittelpunkt war. Hier wurden die neusten Dekrete ausgesprochen, Urteile gefällt. "Die Kirche war ein Versammlungsraum für die Gemeinde", so Dieter Lau.

Altarraum nach Osten gerichtet

Er erklärte weiter die sakrale Bedeutung, beispielsweise dass eine Empore ein Element des protestantischen Glaubens sei. Oder dass der Altarraum Richtung Osten ausgerichtet sei, wegen des "jüngsten Gerichts". Er wies darauf hin, dass es bis zum 15. Jahrhundert keine Kirchenbänke gab. Der Chorraum sei die Trennung zwischen Geistlichkeit und Gläubigen gewesen.

Siegfried Scheidig sprach von der Besiedlung der Region Ende des elften Jahrhunderts. Damals sei die Region zu 90 Prozent mit Weißtannen, Fichten und Buchen bewaldet gewesen. Die ersten drei Kirchen gab es in Teuschnitz, Windheim und Tschirn. Steinbach sei im Jahre 1190 und die Wehrkirche im Jahre 1520 zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden.

Von Teuschnitz losgelöst

1487 sei die Pfarrei Windheim mit dem Gemeinden Buchbach, Steinbach, Kehlbach gegründet worden. "Somit waren sie von Teuschnitz losgelöst", sagte der Kreisheimatpfleger. 1538 wurden in der Wehrkirche die Glocken angeschafft. Diese gehören somit zu den ältesten im Landkreis.

Scheidig wies weiter darauf hin, dass die Wehrkirche einst von einem Wassergraben umgeben war und die Steinbacher bis 1922 ihre verstorbenen Angehörigen auf dem Windheimer Friedhof beisetzten. Bis 1945 war Steinbach eine Filialkirche von Windheim.

Grenze und Verbindung zugleich

Und warum wurde nun Steinbach als zentraler Austragungsort für den Tag des offenen Denkmals erwählt? Hier sprach Siegfried Scheidig davon, dass der Rennsteig durch Steinbach führt. Dieser berühmte Höhenwanderweg sei ein typisches Beispiel für Trennung und Überwindung. Der Rennsteig sei die Grenze von mittelalterlichen Gauen, weltlichen Besitzungen, von Bistümern, es sei eine Religions-, eine Sprach-, eine Brauchtums- und eine kulinarische Grenze. Der Rennsteig verbinde aber auch.

Landrat Klaus Löffler nannte als Merkmal seiner Heimatgemeinde die geografisch und historisch vorgegebene Grenzlage einerseits und die vielfältigen Initiativen zur Grenzüberwindung und zum Zusammenwachsen andererseits. Er zitierte Victor von Scheffel, der 1863 in seinem Rennsteig-Gedicht formulierte: "Was Menschen trennt, dass muss sie auch verbinden!" Und er meinte: "Der Rennsteig ist ein Inbegriff für alles, was Trennungen und Gräben überwinden lässt." Er wies darauf hin, dass es beim Denkmaltag darum gehe, zu entdecken, was einen verbinde. Es gehe um dem Schutz des kulturellen Erbes. Denn nur so könne auch die Zukunft gestaltet werden.

"Es ist eine besondere Ehre, dass Steinbach in den Mittelpunkt des Denkmaltags gestellt wird", freute sich Bürgermeister Thomas Löffler. Er meinte: "Wer seine Vergangenheit ignoriert, der hat auch keine Zukunft."

Ihr umfangreiches Wissen vermittelten die Kreisheimatpfleger auch an den anderen Besichtigungsorten. So wurde beispielsweise erklärt, dass die evangelische Christuskirche im Jahre 1953 gebaut wurde. Dies beruhte vor allem auch darauf, dass nach dem Krieg evangelische Flüchtlinge in Steinbach ansässig wurden.

Gläserner Obelisk

Der gläserne Obelisk in Steinbach steht für die heimische Glasindustrie und die damit verbundene Tradition. Die Skulptur steht dort, wo die Wasserscheide zwischen Elbe und Rhein liegt.

Landrat Klaus Löffler bedankte sich bei allen Mitwirkenden, die viel ehrenamtliches Engagement in die Vorbereitung des Denkmaltag 2018 investiert hätten. Sein besonderer Dank galt den Kreisheimatpflegern Siegfried Scheidig, Dieter Lau und Robert Wachter für ihre umfangreichen und kurzweiligen Ausführungen.



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