Kronach
Aufwertung

Der "offene Bücherschrank" von Kronach kann jetzt sogar sprechen

Seit dem Jahr 2009 hat Kronach einen "offenen Bücherschrank". Seit Donnerstag kann dieser "sprechen" - als erster in Deutschland.
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Hans-Jürgen Greve (rechts) bringt im Beisein von Lions-Freund Ulrich Strempel den QR-Code am offenen Bücherschrank an. Foto: Heike Scghülein
Hans-Jürgen Greve (rechts) bringt im Beisein von Lions-Freund Ulrich Strempel den QR-Code am offenen Bücherschrank an. Foto: Heike Scghülein

"Ich, der sprechende Bücherschrank, stehe hier auf historischem Boden mit einer Stadtgeschichte, die mit dem Gründungsjahr Kronachs 1003 begann - vor einer Stadtmauer, die Schreckliches, aber auch Tapferes erlebt hat." Mit diesen Worten beginnen die Ausführungen des "sprechenden offenen Bücherschrankes" zur bewegten Stadthistorie Kronachs.

2009 schenkte der Lions-Club Kronach der Lucas-Cranach-Stadt einen offenen Bücherschrank. Aufgestellt im Bereich Stadtgraben/Marienplatz und rund um die Uhr geöffnet, finden hier Leseratten stetig neuen Lesestoff. Das gewünschte Buch kann mit nach Hause genommen werden. Man kann es anschließend wieder zurückbringen oder auch behalten und natürlich auch selbst neue Bücher einstellen.

"Vater" des Kronacher Bücherschrankes ist Lionsfreund Ulrich Stempel. Er hatte damals die Idee nach Kronach gebracht, nachdem er 2008 auf die ersten beiden in Bonn aufgestellten Stadtmöbel des Herstellers, der Firma Urban Life aus Köln, aufmerksam geworden war. Bereits ein Jahr später wurde auf Initiative des Lions-Clubs Kronach jeweils ein offener Bücherschrank in Kronach - damals der dritte in Deutschland - sowie in Ludwigsstadt in Betrieb genommen. Mittlerweile gibt es von diesem Hersteller rund 430 solcher Bücherschränke in Deutschland.

Stempel war es nun auch, der dem Kronacher Bücherschrank seine Stimme lieh. Damit ist er der erste "sprechende" in ganz Deutschland. Der zweite folgte einen Tag später, am Freitag, in München.

"Ich bin etwas aufgeregt", räumte Hans-Jürgen Greve, Designer und Urheber der BOKX®-Bücherschränke, bei der Premiere am Donnerstagnachmittag ein. Die Firma Urban Life habe sich gefragt, was denn die Schränke erzählen würden, wenn sie denn könnten. Sehr freute sich der Stadtplaner und Architekt, den "Pionier" Ulrich Stempel als menschliche Stimme für dieses "Gedächtnis der Stadt" gewonnen zu haben. Abrufbar sind die Ausführungen in Form eines an der Glasscheibe angebrachten QR-Codes, einer Matrix aus schwarzen und weißen Quadraten, die die kodierten Daten binär darstellen. Dieser QR-Code lässt sich mit Smartphones und Tablet-PC und einer kostenlosen App lesen. Nach Starten der App richtet man die Kamera des Smartphones zum Scannen auf den QR-Code. Dabei erscheint in der Adressleiste des Smartphones die URL der entsprechenden Webseite.

"Zusätzliche Werbung"

Sehr angetan von dieser Idee zeigte sich Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. Selbst seit rund einem Jahr Mitglied, dankte er für viele durch den Lions-Club Kronach initiierte Aktionen, so auch für das Aufstellen des Bücherschranks vor neun Jahren. Seitdem finde dieser großen Zuspruch, und es habe bislang noch keine Form von Vandalismus gegeben. Durch die nunmehrige private Initiative von Ulrich Stempel in Kooperation mit dem Hersteller erfahre dieser Schrank jetzt eine Weiterentwicklung und zusätzliche Aufwertung. Der von Stempel eingesprochene Text werde vom Museologen Alexander Süß und der Betriebsleiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs der Stadt Kronach, Kerstin Löw, als sehr gelungen erachtet. Mit der Inbetriebnahme werde Kronach um ein weiteres Stück attraktiver und erhalte eine zusätzliche Werbung.

Diesen Worten schloss sich Lions-Präsident Christian Mitter an. Der damals vom Lions-Club Kronach initiierte offene Bücherschrank mache durch diese nunmehrige Privatinitiative einen Schritt in Richtung Zukunft. Damit sei Kronach einmal mehr nicht nur bayernweit ganz oben, worauf man sehr stolz sein könne. Trotz allen Fortschritts sei es das Menschlich-Persönliche, was den Bücherschrank ausmache.

Mitter war es ein großes Anliegen, sich mit einem Blumengruß bei Erika Schenk zu bedanken, die tagtäglich zweimal nach dem Rechten schaut. Auch Luitgard Mölter hatte sich einige Jahre mit darum gekümmert. Schenk bekundete, dass ihr diese Aufgabe viel Freude bereite. Wichtig war ihr der Hinweis an die Bevölkerung, nur einwandfreie, gut erhaltene und saubere Bücher einzustellen.

Der Stadt Kronach als Eigentümerin des Schrankes entstehen durch die neue Initiative keinerlei Kosten.Was der Bücherschrank zu erzählen hat, kann auch über urbanlife-eg.de/der-sprechende-buecherschrank-kronach abgerufen werden.

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