Kronach
Podiumsdiskussion

Der Kummer mit dem Plastikmüll

Auf Einladung der Frauenunion ging es um die Frage, wie man der Verpackungsflut und ihren Umweltfolgen Herr wird. Auch der Verbraucher ist gefordert.
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Paul Schnell hatte seinen Plastikmüll kurzerhand mitgebracht und abgewogen.Maria Löffler
Paul Schnell hatte seinen Plastikmüll kurzerhand mitgebracht und abgewogen.Maria Löffler
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"Was geht Bayern die Plastiktüte an?" Dieser Frage stellten sich fünf Frauen und ein Mann während einer Podiumsdiskussion im Kronacher Café Kitsch. Eingeladen hatte die CSU-Frauenunion des Landkreises, die während dieser Veranstaltung auch sinnvolle Handlungsansätze liefern wollte. Anja Weisgerber, die Obfrau der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, sprach vor allem die neuen Umweltstrategien in Bezug auf Plastikmüll an. Gerade die Verschmutzung der Weltmeere sei ja derzeit brennendes Thema in allen Medien.


Mehr Recycling

Zum einen wolle die EU-Kommission bestimmte Einweg-Kunststoffprodukte verbieten, zum anderen setzte man auf Eindämmung des Verbrauchs, so Weisgerber. Auch die Kommunen sollen künftig mehr Durchgriffsrechte erhalten und seien zu bestimmten Vorgaben berechtigt. Sie sprach auch über das neue Verpackungsgesetz, das zum 1.1.2019 in Kraft trete und zwei Hauptziele verfolge: "Zum einen soll das die Erhöhung der Recyclingquote sein, zum anderen will man eine neue zentrale Stelle schaffen, die fairen Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmern sicherstellt."

Vor allem wolle man den Kommunen den Rücken stärken, die mit dem Dualen System Vorgaben zu einer Abstimmungsvereinbarung machen könnten. Aber da die Verschmutzung nicht nur von der EU ausgehe, sondern auch von anderen Ländern, müsse vor allem international viel mehr passieren, bekräftigte Weisgerber. Bevor man jedoch Verbote oder gar Steuern auf Plastik auferlege, müsse man genau prüfen, ob die EU hier nicht konkrete Vorgaben machen müsse. "Vielleicht sollte man eher mit Aufklärungskampagnen, Pfandsystemen und Ähnlichem auf bewusstere Entscheidungen der Verbraucher hinwirken.


Das Problem in der Tüte

Und wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Plastik aussehen könnte, diesen Ansatz lieferte Weisgerber gleich mit: "Lose Ware kaufen anstelle von Plastikschalen, Obst ruhig mal lose in den Einkaufskorb legen, auf dickwandige Plastiktüten verzichten und immer einen Stoffbeutel dabei haben. Zum Thema "Plastiktüten" nahm auch der Weka-Geschäftsführer Paul Schnell Stellung: "Das Problem steckt nicht in der Tüte selbst, sondern in dem, was drin ist."

Und damit sich die Zuhörerinnen und Zuhörer davon ein Bild machen konnten, habe er seinen häuslichen Plastikmüll von 14 Tagen gleich mal mitgebracht. Sorgfältig war da jedes Teil beschriftet und abgewogen. Schnell: "Und was am widersinnigsten ist: Wir nutzen Plastiktüten für Müll."

Moderatorin Daniela Thüroff, die die Diskussion leitete, stellte an Melita Braun von Jako-O die Frage, ob es Bestrebungen gäbe, Luftpolster und Verpackung umweltfreundlich zu ersetzen. "Ich habe ja ein schwarzes Herz mit grünen Punkten," meinte diese, aber wir dürfen nicht vergessen, dass Ware auch gut verpackt werden muss. Außerdem kosten recycelte Polybeutel fast das Doppelte. Sie selbst habe schon ein Projekt verwirklicht, Verpackungsmaterial umweltfreundlicher zu gestalten, "aber das ist sehr teuer und eine Firma muss sich das auch finanziell leisten können."

Auf die Frage, wie die Zweite Bürgermeisterin Angela Hofmann überflüssigen Plastikmüll vermeidet, meinte diese: "Ich benutze schon seit langen Jahren einen geflochtenen Einkaufskorb, kaufe Joghurt lieber im Glas und finde Strohhalme aus Maisstärke nicht schlechter als die aus Plastik. Es gibt genügend Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind."


Vieles wird verbrannt

Susanne Knauer-Marx, die Sachgebietsleiterin Abfallwirtschaft im Landkreis Kronach hält abbaubare Kunststoffe für eher problematisch, weil sie "kleinteilig im Kompost landen und dann auf die Felder verteilt werden." Die Massen kämen ganz woanders her, meint sie. In diesem Zusammenhang erklärte sie auch das derzeitige Recyclingsystem: "Folien und formstabile Kunststoffe werden heraussortiert und zu Granulat verarbeitet. PET-Flaschen, Weißblech, Aluverpackungen, all das kann man ebenfalls getrennt sortieren. Dies trifft aber auf 50 bis 60 Prozent des Restes nicht mehr zu. Kleinteile landen deshalb in der energetischen Verwertung und dienen als Ersatzbrennstoff.

Die anschließende Fragerunde eröffnete der Kulmbacher CSU-Stadtrat Wolfgang Rebhan mit zwei Fragen an Weisgerber: "Könnte man nicht ein großes Müllsammelschiff chartern und damit die Weltmeere vom Plastikmüll befreien? Und wie wirkt man auf Länder ohne Müllsystem ein?"


Lieber vermeiden

Das Charterschiff werde man wohl nicht realisieren können, bedauerte die Obfrau, doch gerade in afrikanischen Ländern setze man Energieberater ein, um das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen. Pastoralreferentin Birgitta Staufer meinte, man solle sich nicht damit beschäftigen, wie viele P's man in den Bestandteilen von Plastik finde, sondern lieber Tipps zu dessen Vermeidung publizieren. Hans Georg Simon empfahl, das Geld für die Entsorgung solle von den Systembetreibern kommen und man müsse vor allem auch das Gewerbe einbinden. Und das Credo aller Beteiligten: "Wir müssen unseren Kindern wieder erklären, wie die Welt funktioniert."
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