Gehülz
Einschulung

Der große Tag der Kleinen: Schulstart im Wandel der Zeit

Für 513 Kinder beginnt im Landkreis Kronach der Ernst des Lebens. Früher war manches eine Nummer kleiner, Spannung lag aber auch in der Luft.
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Ella Götz wird am Dienstag, 11. September 2018, Schulkind.  Mutter Andrea Götz und Oma Irmgard Kreutzer fieberten mit ihr der großen Veränderung entgegen. Foto: Andreas Schmitt
Ella Götz wird am Dienstag, 11. September 2018, Schulkind. Mutter Andrea Götz und Oma Irmgard Kreutzer fieberten mit ihr der großen Veränderung entgegen. Foto: Andreas Schmitt
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Die Bügelperlen sind angehängt, die Schultasche blinkt. Der Schlüssel, der Ella so wichtig war, ist auch am Ranzen befestigt, der zu Ostern im Nest lag. Und das Einhorn schmückt die Schultüte, die Ella Götz aus Gehülz schon seit Tagen stolz durch das Haus trägt.

Am Dienstag, 11. September 2018, ist der Tag, auf den sich die Sechsjährige und ihre Familie seit Wochen vorbereiten. Ella wird Schulkind - und erlebt damit die größte Veränderung ihres Lebens. "Sie wird das machen", sagt Andrea Götz tapfer. Die Aufregung ist der Mutter aber anzumerken. "Es ist ja das erste Kind. Und das Busfahren."

Oma findet: "Es wird Zeit"

Denn im Gegensatz zu Mutter und Oma, die zu Fuß unterwegs waren, muss Ella fahren. Von Gehülz in die Kronacher Lucas-Cranach-Schule, wo sie Teil der bilingualen Klasse wird. Das heißt, in einigen Nebenfächern wird Englisch gesprochen.

"Man merkt schon, dass es Zeit wird", sagt Oma Irmgard Kreutzer. Überall frage Ella nach der Bedeutung von Wörtern und Zusammenhängen. "Sie hat einen Entwicklungsschub gemacht. Und beim Busfahren lernt sie, sich durchzusetzen", ist die Großmutter nicht so aufgeregt wie ihre Tochter.

Wochenlange Vorbereitung

Andrea Götz hat den ersten Schultag lange geplant: Klamotten gekauft, Schultüte geschmückt, einen Fotograf für Erinnerungsbilder bestellt, die Verwandtschaft koordiniert, Schulutensilien beschriftet. Und - erstmals 2018 möglich - einen Tisch in der Weka geordert: "Bevor Schrott gekauft wird", dachte sie sich. Darauf lagen Waren im Wert zwischen zehn und 15 Euro - von Brotdose über Trinkflasche, Lesebuch sowie Memory bis zum Wecker. Letzterer ist Ella besonders wichtig: "Hoffentlich klingelt er", wünscht sie sich.

Denn heute hat die Familie aus Gehülz volles Programm. Zunächst geht es zum Gottesdienst, danach gibt es in der Schulturnhalle einen Empfang, ehe es erstmals für Ella heißt: Stillsitzen, Unterricht.

"Alle Gehülzer gehen dann noch einmal in ihren alten Kindergarten", erzählt Andrea Götz. Ein Essen Zuhause folgt.

Doch wie war es eigentlich früher? "Das gab es kein so ein großes Zeug wie jetzt", erinnert sich Andrea Götz an die Einschulung 1989. Sie ging in die Grundschule Gehülz-Ziegelerden. "Um 8 waren wir in Gehülz, um 10 in Ziegelerden."

Die Patin kaufte die Schultasche, die Oma die Schultüte. Nachmittags gab es Kaffee. Die Aufregung war nicht so stark: "Ich war das dritte Kind, alles schon von den Brüdern bekannt. Und die Lehrer kannte man im Dorf auch."

Noch in Schwarz-Weiß kommen die Erinnerungen von Oma Irmgard daher. Für sie ging es von der Kronacher Siedlung aus in die Lorenz-Kaim-Schule. "Die Schultüte war drei Viertel mit Zeitungen voll. Es hatte ja keiner was." Obendrauf lagen Äpfel, Plätzchen und Schokolade. "Ich hatte mir extra die Haare frisch geflochten und den Pony geschnitten", erinnert sie sich. In der Schultasche aus Leder waren: eine Schiefertafel, eine Griffelbüchse aus Holz mit zwei Griffeln und ein Bleistift.



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