Kronach
Geschichte

Der Fasching hatte nur zwei Brennpunkte

Anders als heute war der Landkreis Kronach beim Fasching einst Diasporagebiet: Noch vor 50 Jahren dominierten in Sachen Frohsinn lediglich Haig und Kronach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Für Furore sorgten ab 1969 die berühmten "Hache Lochboch-Gäns". Von links: Helmut Detsch, Karl Dauer, Helmut Altmann, Andreas Däumer und Manfred Däumer. Gerd Fleischmann
Für Furore sorgten ab 1969 die berühmten "Hache Lochboch-Gäns". Von links: Helmut Detsch, Karl Dauer, Helmut Altmann, Andreas Däumer und Manfred Däumer. Gerd Fleischmann

Der Fasching steuert nach hochkarätigen Büttenabenden in zahlreichen Gemeinden des Landkreises Kronach unerbittlich seinem Ende entgegen. Dann werden im Finale Rathausstürme und farbenfrohe Faschingsumzüge das närrische Treiben in Stadt und Land bestimmen. Das war allerdings nicht immer so! Denn vor fünfzig Jahren bot sich den Narren ein völlig anderes Bild.

Einst dominierten in der Nachkriegszeit Maskenbälle und das Tanzbein wurde kräftig geschwungen. Unvergessen bleiben die Veranstaltungen im Schützenhaus und Vereinshaus der Kreisstadt. Heiß begehrt die Tanzveranstaltungen von Schachclub, FC Kronach, ATSV Kronach. Schließlich sorgte William Beez mit seinen Bandmitgliedern - um nur ein Beispiel zu nennen - für heiße Rhythmen. Und diese Veranstaltungen entpuppten sich vielfach als Kontaktbörsen.

Bis 1963 war die Lucas-Cranach-Stadt in Sachen Frohsinn Diasporagebiet. Erst durch die Initiative des Rheinländers Helmut Arbeiter und des Redakteurs Willi Schreiber erklang der Schlachtruf "Kronich Feuedunnekeil". Nach erfolgreichen Büttenabenden in Kronach sorgte der Haiger Architekt Baptist Detsch in Zusammenarbeit mit dem Männergesangverein "Liederkranz" Haig ebenfalls für Büttenabende auf dem flachen Land, so dass es im Jahre 1969 immerhin zwei solcher Veranstaltungen im Kreis Kronach gab, und zwar in Haig und in der Kreisstadt. Kronachs Präsident Helmut Arbeiter und seine Untertanen bezeichneten ihren Narrenbesuch in Haig quasi als Grenzlandhilfe. Die Haiger wollten allerdings den Kronacher Schlachtruf nicht übernehmen, ab sofort ertönte das markante "Hi-hach-holdrio" im Saale Detsch. Schließlich sorgten 1969 die Wilhelmsthaler Musikanten beim Büttenabend für den nötigen musikalischen Schwung. Das Zwerchfell war höchsten Beanspruchungen ausgesetzt, denn dafür sorgten die fünfzig Teilnehmer, die auf der Bühne ein Feuerwerk der guten Laune inszenierten.

Stars waren in den Folgejahren in Haig die berühmten "Hache Lochboch-Gäns" mit Manfred Däumer, Andreas Däumer, Helmut Altmann, Helmut Detsch und Karl Dauer. Die witzigen und geistreichen Texte sorgten stets für Lachsalven. Nach wie vor ist in guter Erinnerung das Männerballett mit Georg Buckreus, Klaus Otto, Dieter Gebhardt, Winfried Remmert und Gerhard Deininger.

Die närrischen Zeiten haben sich gewandelt. Im Landkreis Kronach dominieren seit Jahren Faschingsumzüge und Büttenabende, und diese in großer Zahl. Und mit diesen anspruchsvollen Veranstaltungen werden alljährlich Tausende Fans in Stadt und Land mobilisiert.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren