Kronach
Konzert

Der blaue Engel trug diesmal Rot

Der zweite Schlagerabend bei "Kronach leuchtet" entführte in die Welt des Films. Es ging um "Musikalische Sternstunden von Hollywood bis Kronach".
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Stephanie Simon (von links), Uli Böhm und Florian Jungkunz begeisterten mit ihren  "Musikalischen Sternstunden von Hollywood bis Kronach".   Heike Schülein
Stephanie Simon (von links), Uli Böhm und Florian Jungkunz begeisterten mit ihren "Musikalischen Sternstunden von Hollywood bis Kronach". Heike Schülein

Riesenerfolge wie "Der blaue Engel", in dem Marlene Dietrich als Varieté-Sängerin Lola zum internationalen Star avancierte oder "Frühstück bei Tiffany" mit der hinreißenden Audrey Hepburn - Emotionen, Unterhaltung, ein großes Publikum: Was wäre ein Film ohne Musik? Filmschlager machen Filme zu Schlagern, die ein Millionen-Publikum begeistern. Manchmal bleibt aber auch nur die Musik als Evergreen im Gedächtnis, während der Film in Vergessenheit gerät.

Eine Reihe solcher unvergänglichen Filmschlager, Lieder, Ohrwürmer und Klassiker aus verschiedenen Jahrzehnten - von den 1930er Jahren bis in die Neuzeit - stimmte am Mittwochabend die Sopranistin Stephanie Simon in der übervollen Kronacher Synagoge an.

Wie einst Marlene Dietrich

Das instrumentale Fundament, wodurch sich ihr strahlend-leuchtender Sopran vollends entfalten konnte, schufen Florian Jungkunz am Klavier sowie - an der Trompete und am Flügelhorn - Ulrich Böhm, der auch gesanglich in Erscheinung trat. Gemeinsam beschenkten sie ihr begeistertes Publikum mit einem Abend überwiegend im Zeichen der Nostalgie. Dabei gingen sie gekonnt auf den Interpretationsstil der damaligen Zeit ein; gaben den Evergreens aber auch durch neue Arrangements eine ganz persönliche, frische Note. Nicht umsonst lautete daher auch der Titel des Abends "Musikalische Sternstunden von Hollywood bis Kronach".

Ihren Anfang fand die ebenso kurzweilige wie unterhaltsame Reise durch die Welt der Filmmusik mit dem zuckersüßen Gassenhauer "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" von Marlene Dietrich aus "Der Blaue Engel", dessen kokett-frecher Text heute noch allgemein geläufig ist. Gleiches gilt auch für den im Deutschen Reich sehr populären Titelsong "Du hast Glück bei den Frau'n, Bel Ami" aus dem gleichnamigen Willi-Forst-Film.

Die Hymne der Soldaten

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Musik - laut Stephanie Simon - auch zum Propagandamittel. Als eine Art Überlebenselixier sollte sie die Moral stärken und diente zur Ablenkung, um die Bevölkerung wie auch die Soldaten bei Laune zu halten. Das wohl bekannteste Lied aus jenen vernebelten Jahren ist "Lilli Marleen", das in der Fassung von Lale Andersen aus dem Jahre 1939 zur inoffiziellen Hymne der Soldaten an sämtlichen Fronten wurde. Die - von Stephanie Simon angestimmte - von Jungkunz neu arrangierte Version des sentimentalen Gassenhauers war ein Höhepunkt des Konzerts mit "Kopf-Kino"-Effekt.

Das Lied "Du hast Glück bei den Frau'n, Bel Ami" wiederum enthält eine versteckte Kritik am Propagandaminister, der in Liebesaffären verstrickt war - all dies ein Beleg dafür, welche bis dahin beispiellose Rolle die Musik zu jener Zeit doch einnahm.

Die gebürtige Kronacherin Stephanie Simon, die mühelos den Spagat zwischen den Musikrichtungen beherrscht und sich in vielen Genres zuhause fühlt, konzentrierte sich bei all ihren Stücken auf das Wesentliche: die Musik! Weitere Titel, die die charmante Sängerin bei ihrem Heimspiel zum Besten gab, waren beispielsweise "That's amore" aus "Der Tollpatsch", "La Vie en Rose" aus "Sabrina", Gershwins von schwüler Südstaatenatmosphäre geprägtes "Summertime" aus der Jazzoper "Porgy and Bess", das sehnsuchtsvolle "Moon River" aus "Frühstück bei Tiffany" sowie "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein" aus dem Singspiel "Im Weißen Rössl".

Ins 21. Jahrhundert

Mit dem Schlager "Ich liebe das Leben" von Vicky Leandros, dem Welthit "Money, money, money" von Abba, dem Country-Song "When You Say Nothing at All” aus "Notting Hill" und "How High The Moon" aus "Mona Lisas Lächeln" ging es von den 1970-er Jahren aus hinein ins 21. Jahrhundert.

Auch "Publikumsliebling" Uli Böhm - insbesondere auch als Trompeter des "Blue-Moon-Orchestra" bekannt - steuerte einige Gesangsstücke bei. Dabei mimte er unter anderem den stürmisch-leidenschaftlichen Herzensbrecher "mit Lava im Blut" ("Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen"), dem die Frauen nur in die Augen zu schauen brauchen - und dann, ja dann, "sind sie hin"! Das Publikum tobte - auch bei seinem Hochzeitlied "Hei! Heute Morgen mach' ich Hochzeit!" aus dem Broadway-Musical "My fair Lady".

Duette als Höhepunkte

Großartig auch seine Instrumental-Soli: Als "Mambo-König" entlockte er seiner Trompete beim "Gummi-Mambo" ("Cherry Pink") den berühmten langen Ton - und der hinreißend herzerwärmenden "Hatari"-Filmmusik "Baby Elephant Walk" konnte man einfach nur mit einem Lächeln folgen.

Vollends zu überzeugen wusste auch Florian Jungkunz mit seinem technisch ausgereiften Klavierspiel. Der Student an der Hochschule für Musik in Würzburg agierte mit jenem Selbstbewusstsein, das ihn als wichtigen - aktiv mitgestaltenden Teil - unverzichtbar machte.

Stimmungsvolle Höhepunkte des Abends waren die von Stephanie Simon mit ihrem Onkel Uli Böhm angestimmten Duette - so aus "Kiss me Kate" sowie "Lady Sunshine und Mister Moon", im Original von Conny Froboess und Peter Weck, aus der Filmreihe "Mariandl". Mit "Uncle's lullaby" fand der Gute-Laune-Abend zum Seele-baumeln-lassen und Genießen seinen mitreißenden Abschluss.

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