Kronach
Auf- und Abstieg

Den höchsten Punkt des Kronacher Landkreises erreichen selbst ungeübte Wanderer: Die "Suhle" bei Kleintettau

Wer im Landkreis Kronach ganz hoch hinaus will, muss sich in die Umgebung von Kleintettau begeben.
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Die Suhle nordöstlich von Kleintettau (Bildmitte im Hintergrund) ist von der Wildbergdeponie über Tettau als höchste Erhebung des Landkreises Kronach gut zu erahnen. Foto: Hartmut Neubauer
Die Suhle nordöstlich von Kleintettau (Bildmitte im Hintergrund) ist von der Wildbergdeponie über Tettau als höchste Erhebung des Landkreises Kronach gut zu erahnen. Foto: Hartmut Neubauer
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Der Landkreis Kronach wird landschaftlich geprägt vom Frankenwald, der sich mit Höhen von über 700 Metern vom Norden bei Tettau bis in den Südosten hinzieht. Seinen tiefsten Punkt hat er mit etwa 280 Metern über Normalnull (NN) an der Rodach bei Nagel. Der höchste Punkt ist dagegen optisch nur schwer auszumachen. Keine Wanderkarte vermerkt ihn als Besonderheit, und wer sich die entscheidenden Informationen auf Wikipedia einholen will, wird ebenfalls nicht fündig.

Die beiden höchsten Berge des Frankenwaldes sind der Döbraberg bei Schwarzenbach am Wald mit 794,6 Metern und der Wetzstein bei Brennersgrün (Thüringen) mit 792,7 Metern. Der dritthöchste Berg liegt wieder im Landkreis Hof: der Schneidberg südlich von Geroldsgrün mit 759 Metern.

Ebenso vollständig bewaldet und von Wanderwegen erschlossen ist ein als "Suhle" bezeichneter Bereich östlich von Kleintettau. Im Bayern-Atlas, einer Internetanwendung der Bayerischen Vermessungsverwaltung, wird seine Höhe mit 748 Metern angegeben. Auf einer Karte am Wanderheim des Frankenwaldvereins Kleintettau sind es sogar 749 Meter. Der Bereich "Suhle", in der Bevölkerung eher als Birkenschlag bekannt, gilt somit offiziell als höchster Punkt im Landkreis Kronach.

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Auch wenn er auf keinem Hinweisschild als solcher speziell erwähnt wird, ist er selbst für Spaziergänger relativ leicht zu erreichen. Ausgangspunkt ist die erwähnte Wanderhütte an der Kreisstraße KC 1, die am höchsten Punkt der Rennsteig-Straße rund 1,5 Kilometer nordöstlich von Kleintettau abzweigt. Von dort führt der Weg zur "Suhle" zunächst auf dem Rennsteig-Radweg bis zur Staatsstraße 2209, die an der Abzweigung der KC 1 überquert wird. Es folgt auf einem gut sichtbaren Feldweg der Anstieg in einen Mischwald, der schon nach wenigen Metern erreicht wird.

Suhle bei Kleintettau: Leicht zu erreichen

Dieser Weg führt geradewegs zur "Suhle", die nahezu komplett bewaldet ist. Ausnahme ist eine kleine, eingezäunte Fläche, auf der ein Hochbehälter der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) steht. Und da diese Fläche etwas aufgeschüttet wurde, dürften somit die 749 Meter über NN erreicht werden. Selbst für ungeübte Wanderer ist diese höchste Erhebung des Landkreises Kronach vom Wanderparkplatz aus in etwa 15 bis 20 Minuten zu erreichen.

Ein Blick auf diese Erhebung ist am ehesten vom Rande des Kuhwaldes aus möglich. Dieser erstreckt sich nördlich von Kleintettau in Richtung Landesgrenze zu Thüringen und ist immerhin bis zu 738 Meter hoch. Rund um Kleintettau weist der Bayern-Atlas zwei weitere Bereiche aus, die ähnlich hoch liegen: den "Hammerbühl" mit 735 Metern und den "Vorderen Mordhügel" (730 Meter). In Richtung Kehlbach und Langenau wird die 700-Meter-Marke noch einige Male überschritten, etwa am Ennesberg/Altenzoten an der Kreisstraße KC 19 (729 Meter) und am Fernsehumsetzer nordöstlich des Kehlbacher Sportplatzes (727 Meter).

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Nicht im Bayern-Atlas aufgeführt, aber deutlich höher gelegen ist ein Ort, der fast an die "Suhle" heranreicht. Dabei handelt es sich nicht um eine natürliche Erhebung, sondern um eine Aufschüttung. Am Wildberg beziehungsweise am Kiesel in Tettau befindet sich nämlich eine Bauschuttdeponie, die etwa seit Anfang der 1980er Jahre genutzt wird und dank des Erdaushubs, der in dieser Zeit angeliefert wurde, immer höher wurde.

Mittlerweile überragt diese Aufschüttung die höchste Stelle der Straße von Tettau nach Neuenbau beträchtlich. Deren Scheitelpunkt ist mit 735 Metern angegeben, aber ganz so hoch liegt er nicht. Zu Fuß ist die Spitze der Aufschüttung problemlos erreichbar, nämlich auf direktem Wege vom Parkplatz an der Straße aus auf einem ziemlich steilen Anstieg - passendes Schuhwerk vorausgesetzt - oder über einen Umweg von der Bergstation des Kieselliftes aus.

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Der Anstieg lohnt allemal, denn die Aussicht ist hervorragend. Auf dem höchsten Punkt steht seit einigen Jahren ein Container, der als Starthaus für alpine Rennen im Tettauer Wintersportgebiet dient. Ist diese Bauschuttdeponie am Tettauer Wildberg (offizielle Bezeichnung "Deponie Am Kiesel", Wildbergstraße 22) also vielleicht der höchste Punkt des Landkreises Kronach?

Der entscheidende Tipp zur Beantwortung dieser Frage kommt aus dem Landratsamt, als Michael Trebes vom Sachgebiet "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kreisheimatpflege, Ehrenamt" darüber informiert, dass im Bayern-Atlas die Höhe eines jeden gewünschten Punktes über Normalnull per Klick mit der rechten Maustaste ermittelt werden kann. Für die Wildberg-Deponie werden auf diesem Weg an der höchsten Stelle 745 Meter über NN angezeigt.

Genaue Höher berechnet

Schließlich erhält Trebes einen weiteren Hinweis: "Laut dem Sachgebiet Abfallwirtschaft beträgt die genaue aktuelle Höhe der ehemaligen Bauschuttdeponie Am Kiesel bei Tettau 746,18 Meter über NN." Dieser Wert wurde erst kürzlich für Planungen zur Renaturierung dieser Deponie ermittelt - und zwar auf Grundlage des digitalen Geländemodells des Bayerischen Landesamtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) durch luftgestützte Laservermessung ("Airborne Laserscanning").

Die Genauigkeit dieser Methode wird nach Auskunft von Michael Trebes allgemein mit plus/minus 20 Zentimetern angegeben, dürfte bei besagter Deponie erfahrungsgemäß aber sehr viel besser sein, da es sich um offenes Gelände handelt. Der höchste Punkt der Deponie überragt die Umgebung also um rund 19 Meter. Allerdings liegt der Scheitelpunkt der Straße in Richtung Neuenbau nicht bei den angegebenen 735 Metern, sondern "nur" bei rund 727 Metern.

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Damit ist diese Straße die zweithöchste des Landkreises, knapp hinter der Kreisstraße KC 19 zwischen dem Rennsteig und Kehlbach, die im Bereich Altenzogen mit 729 Metern, im Bayern-Atlas sogar mit 730 Metern, angegeben wird. Es folgen die Kreisstraße KC 7 zwischen Tschirn und Brennersgrün, die an der Landesgrenze nach Thüringen immerhin 721 Meter über Normalnull erreicht, und die Rennsteig-Straße, die es an ihrer höchsten Stelle im Bereich der "Suhle" auf 720 Meter über NN bringt.

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