Steinwiesen
Zeitserie

Im Jahr 1986 bei Steinwiesen gestohlen: Wertvolles Kunstwerk bleibt verschollen

Fast vergessen ist, dass im Juni 1986 der Aufsatz der Sandsteinmarter zwischen der Klingersmühle und der Kochsmühle bei Steinwiesen gestohlen wurde.
Artikel drucken Artikel einbetten
Noch heute gibt es keine Erkenntnisse über den Verbleib dieses beeindruckenden Reliefaufsatzes aus der Zeit um 1600.Foto: Archiv/Roland Graf
Noch heute gibt es keine Erkenntnisse über den Verbleib dieses beeindruckenden Reliefaufsatzes aus der Zeit um 1600.Foto: Archiv/Roland Graf

Der Flurdenkmallandschaft des Landkreises Kronach wurde im Juni 1986 ein schwerer Schaden zugefügt. Der Verfasser dieses Beitrags hatte am 14. Juni festgestellt, dass der Aufsatz der Sandsteinmarter zwischen der Klingersmühle und der Kochsmühle bei Steinwiesen mit brachialer Gewalt abgebrochen und gestohlen worden war. Das gestufte Kapitell war bei diesem Raubzug total zerstört worden und lag in Trümmern vor dem noch stehenden Rest der Marter.

Werk aus der Zeit um 1600

Die entwendete wertvolle Bildhauer-Arbeit zeigte auf beiden Seiten identisch die Kreuzigungsgruppe mit Christus am Kreuz, flankiert von seiner Mutter Maria und dem Apostel Johannes. Als Zierelemente dienten an den Seiten des flachen Aufsatzes schön ausgearbeitete Blattvoluten. In den beiden Giebelfeldern befand sich je ein geflügelter Engelskopf. Die Bildhauerarbeit war in der Zeit um das Jahr 1600 entstanden.

Was Nachforschungen ergaben

Mit Fotos und genauen Angaben aus der vor etlichen Jahren angelegten Marternkartei bestand die Möglichkeit, Nachforschungen über das Verschwinden des wertvollen Aufsatzes mit den Maßen 93 (Höhe), 75 (Breite) und 18 Zentimeter (Tiefe) in die Wege zu leiten.

Umgehend erstattete der Verfasser bei der Landespolizeistation Kronach eine Anzeige gegen unbekannt, worauf die Beamten vor Ort eine Spurensicherung vornahmen. Diese ergab, dass die Diebe mehrfach wegen vorbeifahrender Autos gestört worden waren und sich verstecken mussten. Deutlich waren die Spuren der Schuhprofile zu sehen, die sich im weichen Boden abzeichneten. Außerdem konnte ermittelt werden, dass die Täter den schweren Aufsatz durch das Grasgelände bis an die Straße schleiften, wo vermutlich ein Fahrzeug für den Abtransport bereitstand.

Die Polizeistation Kronach leitete daraufhin eine bundesweite Fahndung nach dem Diebesgut und den Tätern ein. Unter anderem informierte man auch den Kunsthandel in diversen Fachblättern und Journalen über das Diebesgut und warnte vor dem Ankauf.

Bis zum heutigen Tag verschollen

Dieser Aufruf hatte Erfolg. Ein Kunsthändler aus dem Bamberger Raum meldete sich und sagte aus, dass ihm dieses Kunstwerk vor einigen Wochen zum Kauf angeboten worden sei, er es aber nicht erworben habe. Er bedauerte, dass die Information über das Diebesgut im Fachblatt erst nach dem Kaufangebot erschienen sei. Da er keinen Verdacht auf einen Diebstahl hegte, konnte er keine weiterführenden Angaben über den Anbieter machen. Dennoch setzte die Polizei ihre Nachforschungen weiter fort, was leider - trotz aller Bemühungen - zu keinem Erfolg führte. Somit ist das wertvolle Kunstwerk bis zum heutigen Tag verschollen.

Neuen Aufsatz geschaffen

Die Überreste der Marter an der Straße nach Nordhalben boten einen traurigen Anblick. Dies veranlasste den Ortsheimatpfleger Erhard Kuhnlein dazu, sich um die Schaffung eines neuen Aufsatzes zu bemühen. Er setzte sich mit dem befreundeten Steinwiesener Bildhauer Hermann Simon in Verbindung, der sich bereiterklärte, einen neuen Aufsatz nach dem Vorbild des alten Steines zu schaffen.

Obwohl gute Fotos und die genauen Abmaße des Aufsatzes zur Verfügung standen, bedurfte es einer großen bildhauerischen Leistung, um das Ebenbild zu gestalten. Im Juli 1989 war es schließlich soweit, dass die Marter durch das neu geschaffene Kunstwerk wieder ihr ursprüngliches Aussehen erhielt.

Unterstützt durch die Mitarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Steinwiesen dankte Erhard Kuhnlein dem Bildhauer und den freiwilligen Mithelfern für die gelungene Arbeit. Dass dieses Werk gelingen konnte, ist dem unermüdlichen Wirken des Ortsheimatpflegers zu verdanken, der seiner Heimatgemeinde Steinwiesen damit ein Stück seiner Volkskultur erhalten hat.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren