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Sanierung

Das letzte Puzzlestück für die Burkersdorfer Marienkirche

Das Kirchenkreuz auf der Burkersdorfer Marienkirche erstrahlt in neuem Glanz. Die Restaurierung war der Abschluss einer ganzen Reihe von Bauarbeiten. Wir haben den letzten Schritt intensiver begleitet - vom komplizierten Abbau bis zum schon deutlich stressfreieren Wiederanbringen.
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600 Blatt Blattgold benötigte Petra Zenkel-Schirmer, um das Kreuz und die Kugel neu zu vergolden. Foto: Marian Hamacher
600 Blatt Blattgold benötigte Petra Zenkel-Schirmer, um das Kreuz und die Kugel neu zu vergolden. Foto: Marian Hamacher
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Als feiere es aufgeregt die Ankunft des letzten fehlenden Puzzlestücks, wackelt das Baugerüst noch einmal kurz, aber spürbar. Dann ist es vollbracht: Das Kreuz ist zurück an der Spitze der Burkersdorfer Marienkirche. Fest verankert auf einer nun ebenfalls golden glänzend restaurierten Kugel. Es ist der im wahrsten Sinne krönende Abschluss einer regelrechten Mammutaufgabe.

Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass die Bauarbeiten an dem historischen Gotteshaus begannen. Es galt, die Dachkonstruktion des Langhauses, des Kirchturms sowie des Sakristeidachs zu sanieren. 245 000 Euro bewilligte der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Burkersdorf/Hain/Ebneth dafür im Januar 2014.

Massive Schäden

"Die Sanierung war erforderlich, da durch undichte Stellen im Dach Regenwasser und auch Flugschnee ins Innere eingedrungen waren", erklärt der Ingenieur Volker Wündisch, der als Vorstandsmitglied der Gemeinde die Bauarbeiten begleitete. Das habe zu teilweise massiven Schäden an den Balkenkonstruktionen geführt. Und die haben schon so einiges hinter sich. Denn wie alt die Kirche ist, kann gar nicht so genau gesagt werden. Genannt werden die beiden Jahreszahlen 1154 und 1179. Die sind laut des Kronacher Kirchenportals aber schwer zu belegen. Eine Urkunde gebe es allerdings für das Jahr 1350, in der die Kirche genannt und Burkersdorf als Pfarrei erwähnt wird. Allerdings sei anzunehmen, dass die Marienkirche wesentlich älter ist. Umgebaut wurde das zweiemporige Langhaus 1706 und erhielt dabei eine neue Westfassade. 1834 brannte der Turm nach einem Blitzschlag bis zum Chorgewölbe ab.

Die letzten Restaurierungen an der Kirche sind zwar deutlich jünger, trotzdem aber schon einige Jahrzehnte her. Nach 1955 und 1970 fanden die letzten Arbeiten 1986 statt.

Kaum hatten die ersten Arbeiten an der Sanierung im September 2014 begonnen, mussten die Verantwortlichen feststellen, dass die Sanierung wohl deutlich länger brauchen wird, als geplant. "Wegen vieler unvorhersehbarer Schäden in den einzelnen Bereichen", blickt Wündisch zurück. Unter anderem mussten neue Deckenbalken eingezogen werden, um Schwachstellen auszubessern.

Hinzu kamen Maßnahmen, wie die Dachkonstruktion von Langhaus und Kirchturm mit dem Sandsteinmauerwerk zu verankern. "Glücklicherweise konnten wir das Dach des Langhauses noch vor dem Wintereinbruch decken", sagt der Ingenieur. Auch als das Wetter im Frühjahr 2015 Bauarbeiten im Fußbereich des Kirchturms zuließ, wurde ein höherer Schaden als zunächst angenommen sichtbar. "Es mussten nicht nur alle Schwellenbalken des Turmhelmes fäulnisgeschädigt ausgetauscht werden, sondern auch ganze Teile der Kranzbalkenlagen", erzählt Wündisch.

Die schlechten Nachrichten nahmen damit allerdings nicht ab. Schon kurze Zeit später stellte sich heraus, dass bei einer 1948 erfolgten Restaurierungen nicht wirklich fachgerecht gearbeitet wurde. Nach einem Granatenbeschuss in den letzten Kriegstagen musste der Turmhelm neu eingedeckt werden. "Die Schutzbahn unter der Schieferdeckung war an den Graten des Turmhelmes nur gestoßen und nicht überlappend aufgebracht", erklärt Wündisch. "Dadurch konnte bei starkem Regen Wasser eindringen, was sich in der Sandsteinmulde, in der die Schwellenbalken gelagert sind, sammelte." Die Folge: Die Balken faulten.

Großer Aufwand

Vier Jahre später sind nun auch die letzten Arbeiten des zweiten Bauabschnitts - für den 150 000 Euro in die Hand genommen wurden - beendet. Dazu zählt auch die Sanierung des Kirchturmkreuzes. Welcher Aufwand alleine für diesen einen Teil der Bauarbeiten nötig war, haben wir auf nachfolgend für Sie zusammengefasst.

1. Der Abbau

Leicht machten es das Kirchturmkreuz und die Kugel den Arbeitern Anfang Juni beim Abbau nicht gerade. Die beiden aus einer dünnen Kupferblechhülle gefertigten Elemente ließen sich nämlich nicht von der eisernen Unterkonstruktion lösen. "Das war alles so in sich verkantet und verrostet, dass wir Kreuz, Kugel und die Stahlkonstruktion in einem Stück heruntertransportieren mussten", sagt Petra Zenkel-Schirmer, die die Restaurierung des Kreuzes übernahm.

An die vier Meter war die Konstruktion groß, die mit einem Lastenaufzug von der Kirchturmspitze heil auf den Boden transportiert werden musste. Ein kraftraubende Aufgabe, wiegt doch allein der Kaiserstiel an die 120 Kilo. "Das stand ja alles aufrecht im Aufzug", erinnert sich Zenkel-Schirmer. "Ein bisschen Schräglage und es wäre was passiert. Das war schon gefährlich. Aber die Männer haben super gehalten, sodass es dann doch gut geklappt hat."

Die Kugel erinnert nicht nur optisch an ein Überraschungsei, sie entpuppte sich auch als solches. In deren Innern tauchte eine Dokumentenrolle auf. "Ein kurzer Bericht erzählt von der letzten im Jahr 1970 durchgeführten Sanierung der Kirche", sagt Wündisch. Am Kreuz und an der Kugel waren Reparaturstellen erkennbar. Wahrscheinlich die Folgen eines 1945 erfolgten Granatenbeschusses. "Außerdem war zu erkennen, dass das Kreuz ,Unseeligen‘ als Zielscheibe für ihr Kleinkalibergewehr gedient haben muss."

2. Die Restaurierung

Von der einstmals angebrachten Öl-Komplettvergoldung hatten die Jahrzehnte nicht mehr viel übrig gelassen. Wer die letzten Reste entdecken wollte, musste schon sehr genau hinsehen. Sichtbar war lediglich noch die gelbe Grundierung. "Der Kupferblechkörper wurde über die Jahrzehnte immer wieder ,geflickt‘, angestückelt, ausgebessert und repariert", erzählt Restauratorin Petra Zenkel-Schirmer. An einigen Stellen habe der Korrosionsfraß das Blech geschwächt und auf eine Stärke von teilweise nur noch 0,12 Millimetern reduziert.

Der Neukenrother Schlosser Reinhard Wachter musste in seiner Werkstatt also äußerst vorsichtig vorgehen, um das Kreuz auszudellen. Dafür öffnete er es an den Kleeblattkanten, die allerdings besonders stark beschädigt waren. Erst in der Werkstatt ließen sich Kreuz und Kugel vom Kaiserstil befreien. Während es reichte, dass Mitglieder der Kirchengemeinde die 3,80 Meter langen Metallstange reinigen und abbürsten, war für den später sichtbaren Teil schon mehr Aufwand nötig.

In ihrem Atelier in der Oberen Stadt grundierten Zenkel-Schirmer und ihr Mann Franz Schirmer das Metall zunächst mit Rostgrund. Nachdem sie zweimal eine gelbe Ölfarbe aufgetragen hatte, konnte die Restauratorin mit dem Vergolden beginnen. "Dabei kommt es auf die Konsistenz der Ölfarbe an, die als Kleber fungiert", erklärt sie. "Wenn es zu nass ist, sinkt mir das Gold ein, ist es zu trocken, hält es nicht. Da muss man den richtigen Zeitpunkt treffen. Das ist immer eine heikle Geschichte."

Insgesamt vier Gramm Blattgold (23 ¾ Karat) mit einem Materialwert von etwa 1200 Euro verwendete Zenkel-Schirmer, um das 1,70 Meter große Kreuz und die ungefähr 75 Zentimeter hohe Kugel in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Abschließend rekonstruierte sie die ehemals vorhandenen schwarzen Linien auf der Vorderseite des Kreuzes.

Interessant: Beim Schlosser gab es neue Erkenntnisse über die Vergangenheit des Kreuzes. Weil die Stahlunterkonstruktion aus metrischem Material besteht, das noch feuergeschweißt wurde, stand fest, dass es aus den 1920er-Jahren stammen muss.

3. Der Aufbau

Im 19. August war es soweit. Gerade einmal zwei Monate nachdem das Kreuz abgebaut wurde, durfte es auch schon wieder zurück an Spitze der Marienkirche. Der Aufbau gestaltete sich dabei deutlich leichter, als der Abbau. Nun konnten das Kreuz, die Kugel und der Kaiserstuhl separat transportiert werden. Letzteren hatten Zimmerleute und Dachdecker bereits wieder eingesetzt, die Kreuz-Kugel-Kombination musste nur noch aufgesteckt werden. Dass beides bis auf den Millimeter genau passte, sorgte nicht nur bei Zenkel-Schirmer für Erleichterung. "Wir hatten ja nur die zeichnerischen Maße der anderen Gewerke", sagt sie. "Aber am Ende hat alles richtig gut gepasst. Es ist ja förmlich runtergeflutscht."

Nachdem beim Abbau Informationen über die letzte Kreuz-Restaurierung in den 70er-Jahren zum Vorschein kamen, wollte die Gemeinde nun ihrerseits späteren Generationen Informationen hinterlassen. 33 Zentimeter lang und sechs Zentimeter im Durchmesser sind die Kupfer-Hüllen, die als Zeitkapseln fungieren und in die Kugel gesteckt wurden. In ihnen lagern Informationen über die Kirchengemeinde. Sowohl schriftlich als auch digital auf einem USB-Stick.

Doch ob der überhaupt noch ausgelesen werden kann, wenn das Kreuz das nächste Mal abgenommen wird? Womöglich ist diese Technologie dann so veraltet, wie schon jetzt die Diskette. Die letzte Kreuz-Restaurierung ist schließlich schon 50 Jahre her. Und Zenkel-Schirmer geht davon aus, dass ihre Vergoldung deutlich länger halten wird.

Zwei Bauabschnitte und noch mehr Maßnahmen

1. Bauabschnitt

(Beginn September 2014):

• Austausch aller schadhaften Balkenlagen der Decken- und Dachkonstruktion des Langhauses.

• Austausch aller schadhaften Balkenlagen der Giebelbereiche des Langhauses.

• Austausch der schadhaften Balkenlagen im Fußbereich des Kirchturms.

• Neueindeckung des Langhauses mit Biberschwanz (halbrunder Dachziegel).

• Ausbesserung der schadhaften Stellen in der Schiefereindeckung des Kirchturmes

• Erneuerung der Regenrinnen und Mauerabdeckungen.

• Erneuerung der Schallläden zur Glockenstube.

• Taubenschutzmaßnahmen an den Turmmaueröffnungen.

• Austausch des elektrisch/ mechanischen Uhrwerks gegen elektronische Uhrwerke.

• Erneuerung der Uhrzifferblätter.

• Ausbesserung der Trittstufen der rechten Treppe zur ersten und zweiten Empore

2. Bauabschnitt

(Beginn April 2019):

• Beseitigung weiterer Schäden an der Balkenkonstruktion des Turmhelmes.

• Neueindeckung des Turmhelmes mit Schiefer in Altdeutscher Deckung.

• Sanierung des Kirchturmkreuzes mit Kugel.

• Neueindeckung des Sakristeidaches mit Biberschwanz , sowie neuer Dachrinne und Verblechung.

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