Schmölz
Musik

Das kleine Schmölz bietet dem Blues eine große Bühne

Bei den Bluestagen waren am Wochenende Hochkaräter der europäischen Musikszene zu Gast. Die Zuhörer waren begeistert.
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Ein Virtuose an der Hammond-Orgel: Edwin Risbourg. Foto: Friedwald Schedel
Ein Virtuose an der Hammond-Orgel: Edwin Risbourg. Foto: Friedwald Schedel
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Seit einem Vierteljahrhundert peitscht der Rhythmus des Blues immer an einem Wochenende Anfang September durch Schmölz. Ein fachkundiges Publikum, teils von weither angereist, lauscht begeistert den Klängen und tanzt vor der Bühne.

Eine, die es bei den rockigen Blues-Klängen immer wieder zum Tanzen vor die Bühne zieht, ist Christine Kopenhagen aus dem Kreis Erlangen-Höchstadt. Die langhaarige, zierliche, junge Frau mit dem schwarzen Hut und der Sonnenbrille ist an allen drei Tagen des Jubiläums-Wochenendes in Schmölz. Und sie lebt den Blues! "Ich tanze immer - und reiße die anderen mit", sagt Christine Kopenhagen voller Begeisterung. Wann bekommt man auch so viel geballte Blues-Klänge von Virtuosen zu hören? "Für eine so kleine Ortschaft wie Schmölz ist das klasse, was geboten wird", pflichtet ihr Mann Harald Birkner bei. Freitag, Samstag, Sonntag Blues in Schmölz, das ist für das Paar ein Muss. Auch andere Blues-Fans kommen nach Schmölz, haben ihre Zelte gleich in der Nähe am Dorfplatz aufgeschlagen.

Christine Kopenhagen hat die Opener am Freitag genossen, wobei sie die "Jimmy Reiter Band" super fand. "Da konnte ich richtig abtanzen", freute sie sich. "Die Leute zog es vor die Bühne. Das war richtig schön." Nicht ganz so viel tanzen konnten sie und die anderen bei den melodiösen Klängen von "Ron Hacker und den Hacksaws".

Eine deutliche Steigerung bot für sie - und auch für Klaus Hannweber aus Weißenbrunn - der Samstag: Zwei Männer-Quintette groovten um die Wette. Den Anfang machten die "Cadillac Kings". Sie kamen nicht mit einem Ami-Straßenkreuzer, sondern mit einem Sprinter, schon alleine, um ihr Equipment unterzubringen. Über 1000 Kilometer hatten die "Cadillac Kings" (CK) zurückgelegt, um in den Raum KC zu kommen.

Die Herren im meist gesetzten Alter haben nichts an Spielfreude eingebüßt, obwohl sie, wenn man Frontman Mike Thomas Glauben schenken darf, schon länger als die Rolling Stones auf der Bühne stehen. Stehen wäre stark untertrieben, sie bewegen sich schon noch, aber sie hüpfen nicht wild herum.

Für den bodenständigen Rhythmus sorgen unauffällig der Drummer Roy Webber und Paul Cuff am Kontrabass. Lead-Gitarrist Mal Barclay ist ein Meister seines Fachs. Ohne großen Firlefanz zaubert er wunderbare Gitarrenriffs, legt das Instrument auch schon mal in den Nacken und zupft fleißig weiter die Saiten. Das Publikum jubelt.

Publikum rastet aus

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Frontmann Mike Thomas ist die Stimme der Kings. Und er lässt seine Mundharmonika jubilieren. Das ist Blues vom Feinsten. Und da ist auch noch Tim Penn am Keyboard, der sich in den Soli mit Mal Barclay abwechselt. Wenn sich der ältere Herr mit dem weißen Hut vom Piano erhebt, sein Sopranini-Akkordeon umschnallt und verschmitzt lächelt, dann rastet der Saal - bzw. in Schmölz das Zelt - in Kürze aus, denn ein so rockiges Akkordeon hat man kaum vorher gehört. Wer da noch still auf den harten Biertischbänken sitzen bleibt, ist entweder taub oder scheintot.

Uwe Angermüller, der die Schmölzer Bluestage seit einem Vierteljahrhundert zusammen mit Thomas Karger organisiert, kündigte auch am Samstag die Bands an. Angermüller freute sich, viele Gesichter vom Vortag zu sehen, aber auch neue Gäste. Für den Samstag hatte er nicht nur die Blues-Legenden aus dem Vereinigten Königreich engagiert, sondern auch eine - deutlich jüngere - europäische Spitzenformation: die "Blues Bones" aus Belgien. Vergangenes Jahr habe es leider nicht mit deren Gastspiel in Schmölz geklappt, aber heuer, freute sich Angermüller. Wobei das Wochenende für die "Blues Bones" durchaus stressig war: Am Freitag traten sie in Belgien auf, für den Samstag eilten sie nach Schmölz, am Sonntag wurden sie schon wieder in ihrer Heimat für einen Gig erwartet.

Die "Blues Bones" sind gefragt, schließlich haben sie vor zwei Jahren die Blues-Challenge in Belgien gewonnen, vergangenes Jahr landeten sie auf europäischer Ebene auf dem zweiten Platz. Das Quintett ist gespickt mit Hochkarätern: Frontmann Nico de Cock gehört zu den besten europäischen Bluessängern und hat eine kräftige, sonore Stimme. Kein Wunder, bei dem Resonanzboden.

Klangvielfalt

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Das Schmölzer Publikum war aus dem Häuschen, als der junge Stef Paglia seine Gitarren-Soli zelebrierte. Er entlockte seinem Instrument eine unvorstellbare Klangvielfalt, denn zu seinen Füßen hatte er eine ganze Batterie an Footswitches aufgebaut. Stef Paglia hat eine sehr kraftvolle Spielweise. Er kann seiner Gitarre aber auch die leisesten Tönchen entlocken: Das Schmölzer Publikum war mucksmäuschenstill, um ja keinen Laut zu verpassen.

Edwin Risbourg an der Hammond-Orgel steht dem Gitarristen in nichts nach. Auch er ist ein Musiker der Spitzenklasse - und dazu noch ein ausgezeichneter Sänger. Hammond-Orgel und Blues, das groovt.

Bassist Geert Boeckx und der kraftvolle Drummer Dominique Christens runden die Klangvielfalt der "Blues Bones" ab, die viele eigene Kompositionen vortrugen. Bis weit nach Mitternacht. Die Fans wollten die Belgier nicht von der Bühne und schon gar nicht nach Hause lassen.

Pflicht ist in Schmölz - nach einer sehr kurzen Nacht - der Frühschoppen am Sonntag. Auch da waren Christine Kopenhagen und ihr Mann Harald Birkner mit von der Partie. Und auch Klaus Hannweber, der seit über einem Dutzend Jahren zu den Stammgästen der Bluestage gehört. Der schon vom Freitag bekannte Ron Hacker sowie die "Tone Wheels" sorgten erneut für Stimmung im Zelt.



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