Kronach
Theater

"Das Haus am See" begeistert im Kreiskulturring

Am Wochenende startete der Kreiskulturring in die Spielzeit 2012/2013. Im Mittelpunkt des ersten Stücks stand "Das Haus am See".
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Norman und sein Jungbrunnen Billy, der wiederum Normans alten Hut trägt.  Foto: Silke Winkler
Norman und sein Jungbrunnen Billy, der wiederum Normans alten Hut trägt. Foto: Silke Winkler
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"So kann es weitergehen", resümierte eine Besucherin am Freitagabend nach der ersten Vorstellung der neuen Spielzeit beim Abholen ihres Mantels an der Garderobe. Mit diesem Fazit dürfte die Frau nicht nur ihre eigene Meinung kund getan haben, nimmt man den lang anhaltenden Applaus der Gäste als Maßstab für die Bewertung des Stücks.

Zweifellos war den Verantwortlichen um Kreiskulturreferentin Gisela Lang mit der Verpflichtung des Stücks der Kempf-Theatergastspiele Grünwald einmal mehr ein qualitativ hochwertiger Schachzug geglückt. Dafür sprach die Geschichte hinter "Das Haus am See", in der die schwierige Annäherung des an beginnender Demenz leidenden Wissenschaftlers Norman an den pubertierenden Enkelsohn thematisiert wird, die letztendlich zu einem ganz neuen Familienverständnis führt.

Volker Brandt glänzte


Natürlich taten die Schauspieler ihr Übriges. Volker Brandt glänzte in der Rolle des kauzigen Norman Thayer, dem Part seiner Ehefrau Ethel verlieh Victoria Brams ein facettenreiches wie hingebungsvolles Gesicht.
Seit 48 Jahren verbringen die Thayers den Sommer im "Haus am See". Dennoch ist Norman vieles fremd. Er findet den bekannten Weg in die Stadt nicht mehr, selbst das kaputte Fliegengitter entpuppt sich als Problem.
Zynisch begegnet Norman seinen Zeitgenossen wie dem Postboten Charlie Martin (Momme Mommsen spielt den ebenso gekonnt wie den Zahnarzt Bill Ray, den neuen Freund Chelseas), spricht ständig vom Altern und Sterben.

Gewohnt schwierig präsentiert sich auch das Aufeinandertreffen von Vater und Tochter (Susanne Meikl), als sie sich anlässlich des 76. Geburtstags von Norman mit ihrem neuen Freund zum Besuch ankündigt. In den Dialogen der beiden schwingt immer das Nicht-zeigen-können von Gefühlen mit, die Enttäuschung über mangelnde Anerkennung.

Teenager ändert alles


Auch der 48. Sommer im Haus am See scheint sich nicht von den anderen abzuheben. Dass dann doch alles ganz anders kommt, ist Billy Ray (Lukas Ruben Eickholl ) zu verdanken. Der 15-jährige Sohn des Zahnarztes macht anfangs zwar einen auf voll coolen Teenager. Doch in den vier Wochen, die er während eines Europaaufenthalts seiner "Eltern" bei den Thayers im Haus am See verbringt, wandeln sich die Charaktere sichtlich. Norman trägt nicht nur Billys Basecap zum Angeln, er spricht plötzlich auch von "verscheißern" und "Weibern".

Billy hingegen hat immer ein Buch präsent, zitiert auf Französisch und zeigt sich zunehmend erwachsener. Ein wahrer Glücksfall für Norman, findet auch seine Frau. "Ich hätte Norman schon vor Jahren einen 15-Jährigen mieten sollen", erklärt Ethel ihrer Tochter, als Chelsea, frisch verheiratet, zum Abholen kommt.

Chelsea beobachtet die zwei Männer beim Angeln und fühlt sich an ihre Kindheit erinnert, als sie vergeblich versuchte, ihrem Vater zu gefallen. Während eines Gespräches darüber kommt es zum Streit mit der Mutter, der ein wenig wie ein reinigendes Gewitter wirkt. Chelsea fasst den Mut, Norman auf sein Verhalten anzusprechen und wie sehr es ihre Gefühle verletzt hat. Und obwohl der Vater ruppig wie immer reagiert, spürt man das Brechen des Eises.

Optimismus zum Schluss


Die letzte Szene zeigt das gleiche Bild wie zu Beginn: Ein winterfertiges Haus am See mit abgedeckten Möbeln und geschlossenem Vorhang. Und doch ist alles anders. Die Tochter ruft an und nennt Norman erstmals Daddy, der wiederum verspricht einen Besuch in Kalifornien bei Chelsea, Bill und Billy. Und freut sich darauf, im nächsten Jahr im Haus am See das gerade angefangene Buch zu Ende lesen zu können.

Autor Ernest Thompson hatte über sein Stück "Haus am See" unter anderem gesagt: "...eine Studie über Fehlfunktionen, über Kämpfe einer Familie mit Dingen, mit denen wie alle zu kämpfen haben - Alter, Wut, Bereuen, zurückhaltende Liebe, unausgesprochene Liebe, Enttäuschung und, zum Schluss, wenn wir Glück haben, Verzeihen, Akzeptieren und Erneuerung."

Und weiter sate er: " Als wir es am Broadway wieder aufleben ließen, hatten der Regisseur und ich das Ziel, "On Golden Pond" (so der Originaltitel des Spielfilms aus dem Jahre 1981 mit Katharine Hepburn und Henry Fonda) so unsentimental und unerschrocken zu inszenieren, wie ich es ursprünglich entworfen hatte. ...Als Konsequenz war es die witzigste Produktion, mit der ich je zu tun hatte; und das Stück war - nach dem Gebrauch von Taschentüchern und wunderbarer Stille im Publikum zu urteilen - so bewegend wie immer." Das war am Wochenende in Kronach nicht anders.

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