Kronach
Arbeiten

Das große Aufräumen nach dem Freischießen

Am Tag nach dem 425. Freischießen wird auf dem Schützenplatz abgebaut und Großreine gemacht.
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Der Tag danach: Wo am Sonntagabend noch reger Betrieb herrschte, sind gestern Vormittag die Sonnenschirme zusammengeklappt, die Bierbänke weggeräumt. Fotos: Carina Kuhnlein
Der Tag danach: Wo am Sonntagabend noch reger Betrieb herrschte, sind gestern Vormittag die Sonnenschirme zusammengeklappt, die Bierbänke weggeräumt. Fotos: Carina Kuhnlein
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Die Sonnenschirme, die noch vor wenigen Stunden den Festbesuchern Schatten spendeten, liegen nun zusammengefaltet vor dem Kronacher Schützenhaus. Im Regen. Der wirkt regelrecht symbolisch für die traurige Stimmung, dass das Fest der Feste in Kronach nun zu Ende ist.

Die Bänke vor den Bierhütten sind verschwunden. Der Geruch von Bier ist das Einzige, was geblieben ist. Auch der große Torbogen wird bald wieder "nackt" sein, wenn der Grünschmuck entfernt ist. Danach wird der Festplatz an der B 85 wohl wieder für ein ganzes Jahr vor sich hin ruhen.


In einem Tag entfernt

Einige regennasse Arbeiter gönnen sich eine kurze Verschnaufpause und "verkriechen" sich unter einem Vordach. Doch es nützt alles nichts: Trotz des Regens müssen alle fest mit anpacken: Müll einsammeln, kehren, Bänke stapeln, Buden wieder abbauen.


"Abgebaut ist immer schneller als aufgebaut." Karl Dorsch von der gleichnamigen Gärtnerei bleibt gut gelaunt. Der Aufbau dauere drei Tage. Den Grünschmuck wieder zu entfernen ungefähr einen. Er sieht es also optimistisch.

Durch das Getümmel fahren immer wieder Lastwagen, beladen mit Einzelteilen, die noch am Tag zuvor zusammengesetzt ein Fahrgeschäft bildeten. Das Gras auf der Wiese ist zertrampelt. Überall stehen Gasflaschen, volle Müllsäcke und Putz eimer. "Nach dem Freischießen haben wir erst einmal vier Wochen frei", freut sich Max, ein Aushilfsarbeiter. Bereits am Sonntagabend haben er und seine Kollegen angefangen, das Kettenkarussell einzulegen. "Wir machen immer bis zu einem gewissen Kapitel", erklärt er. Bis zu zehn Stunden Arbeit und Muskelkraft seien nötig, bis das Gerät wieder zerlegt ist. Die nächste Station sei erst Ende September das Volksfest in Crailsheim.


Bis 2 Uhr gearbeitet

Ähnlich schaut es beim Kinderkarussell aus. Von ihm steht nur noch die Hälfte. Die Arbeiter schrauben gerade die Verstrebungen auseinander. "Angefangen haben wir schon am Sonntagabend um 22.30 Uhr. Wir haben keinen Stress und können uns Zeit lassen. Deshalb haben wir ,nur‘ bis 2 Uhr gemacht", erzählt Mitarbeiter Sascha. Das nächste Ziel seiner Crew liegt in Nordrhein-Westfalen.

Auch Platzmeister Charly Wittig hat sein Festtagsgewand gegen eine graue Arbeitskluft ausgetauscht und fleißig mit angepackt. "Das beste Abbau-Wetter ist es zwar nicht, aber bis auf drei oder vier Geschäfte ist bereits alles abgebaut", berichtet er. "Ende der Woche ist alles weg."


Bilanz der Polizei

Und während auf dem Platz aufgeräumt wird, zieht die Kronacher Polizei Bilanz: eim Kronacher Freischießen wurden heuer insgesamt 33 Körperverletzungen von der Polizei registriert. Das sind fünf mehr als im Vorjahr.
Auffallend sei, dass sich zwölf der Körperverletzungen allein am Bahnhofsplatz ereignet haben, 2012 hingegen habe es dort keine einzige gegeben.

Rückblickend sagt Polizeichef Uwe Herrmann, dass in den Jahren 2005 bis 2008 wegen des Freischießens jährlich nur ein bis sieben derartige Delikte angezeigt worden seien.

"Die auffällige Steigerung der Aggressionsdelikte liegt sicherlich nicht nur darin begründet, dass heutzutage vielleicht etwas schneller zugeschlagen wird als früher", so der Beamte. Vielmehr sei die Anzeigenbereitschaft der Schützenfest-Besucher gestiegen, die durch die - im Gegensatz zu früheren Jahren - gestiegene Präsenz von Polizeibeamten am Festplatz auch noch gefördert werde. 80 Prozent aller Delikte haben sich nach Mitternacht ereignet.

"Insgesamt fielen vier Jugendliche auf dem Festplatz erheblich alkoholisiert auf. Zwei davon wurden ins Krankenhaus eingeliefert", berichtet Herrmann. Diebstähle hielten sich aber in Grenzen. Lediglich sieben, davon fünf Maßkrugentwendungen, seien zur Anzeige gebracht worden.

Außergewöhnlich niedrig sei aber die Zahl der angezeigten Sachbeschädigungen. "Nur drei Fälle von Vandalismus wurden registriert."

Die Zahl der aufgedeckten Alkoholfahrten von Festbesuchern habe sich in etwa auf dem Niveau der Vorjahre bewegt. Alles in allem haben sich vier alkoholisierte Fahrzeugführer einer Blutentnahme unterziehen müssen.


Teures Falschparken

"In sieben Fällen mussten Falschparker tief in die Tasche greifen, weil sie - zusätzlich zur Geldbuße - den von der Polizei angeforderten Abschleppdienst bezahlen mussten, nachdem sie in der Feuerwehranfahrtszone geparkt hatten", berichtet Herrmann.

Eine zusammenfassende Bewertung des Kronacher Freischießens, insbesondere im Hinblick auf die öffentliche Diskussion um die so genannten XXL-Nächte, soll laut Herrmann erst dann erfolgen, "wenn wir die Nachbesprechung mit den Verantwortlichen der Stadt Kronach beziehungsweise dem Veranstalter durchgeführt haben".
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