Kronach
Historie

Das erste Abitur nach Kriegsende wurde in Kronach 1949 abgelegt

Verhaltene Aufbruchstimmung herrschte vor 70 Jahren: 13 Abiturienten bestanden die Abschlussprüfung in der ehemaligen Oberrealschule Kronach. Sie war 1879 erste "höhere Bildungseinrichtung" in der Lucas-Cranach-Stadt.
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Die Abiturienten der Kronacher Oberrealschule mit Schulleiter Hermann de Crignis im Jahre 1949. Unter anderem: Ganz links Franz Schneider (Neuses), Baptist Detsch, Kronach (Zweiter von rechts) sowie Gerhard Rebhan, Stockheim (Vierter von links).Repro: Gerd Fleischmann
Die Abiturienten der Kronacher Oberrealschule mit Schulleiter Hermann de Crignis im Jahre 1949. Unter anderem: Ganz links Franz Schneider (Neuses), Baptist Detsch, Kronach (Zweiter von rechts) sowie Gerhard Rebhan, Stockheim (Vierter von links).Repro: Gerd Fleischmann

Bildungspolitische Zeitenwende nach dem Zweiten Weltkrieg: Erstmals wurde vor 70 Jahren ein Abitur in Kronach, und zwar in der vormaligen Oberrealschule (jetzt VHS-Gebäude), geschrieben. Dieses Vorrecht war politisch hart erkämpft worden. Denn es war damals beileibe keine Selbstverständlichkeit, diesen höheren Bildungsabschluss, der den Zugang zu jeder deutschsprachigen Universität ermöglichte, hier überhaupt erwerben zu dürfen.

Für die Abiturienten von heute ist das kaum mehr nachvollziehbar. In Kronach Abitur machen zu dürfen, war 1949 ein Privileg. Entsprechend überschaubar waren die Anwärter in jener Zeit. Gerade mal zwölf hoffnungsvolle Männer sowie eine Frau durften sich über den höheren Bildungsabschluss freuen. Es waren Baptist Detsch, Rolf Eichhorn, Wilhelm Herrmann, Albin Krumpholz, Friedrich Morgenroth, Helmut Nüßlein, Gerhard Rebhan, Ernst K. Schmidt, Franz Schneider, Gisela Segieth, Georg Simon, Manfred Wolf und Manfred Zeitler. Die Schlussfeier stand ganz im Zeichen von Goethe und fand im ehemaligen Turnerheim statt.

Die Zeiten haben sich seit 1949 ganz entschieden gewandelt. Schon längst ist die Oberrealschule Geschichte geworden. Heute stehen unter anderem als Bildungseinrichtungen im Landkreis Kronach das Kaspar-Zeuß-Gymnasium sowie das Frankenwald-Gymnasium zur Auswahl. Und so begann es: 1879 wurde in Kronach als erste "Höhere Lehranstalt" eine vierstufige Realschule gegründet. Aus ihr entwickelte sich das heutige Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Es trägt den Namen des bedeutenden Sprachforschers und Historikers Johann Kaspar Zeuß, der 1806 in Vogtendorf, jetzt ein Stadtteil von Kronach, geboren wurde und der in Irland als Verfasser der "Grammatica Celtica" auch heute noch in hohem wissenschaftlichen Ansehen steht.

1895 folgte dann die Einrichtung einer sechsstufigen Realschule und 1919 wurden dann schließlich die Mädchen zugelassen. 1924 kam es zur Verstaatlichung der Schule. Die Umbenennung zum Gymnasium erfolgte 1965. Vier Jahre zuvor diente als Namensgebung der Schule Johann Kaspar Zeuß.

Der Start für die Abiturienten von 1949 war alles andere als hoffnungvoll, denn sie standen zunächst vor einem Trümmerhaufen: Vieles war zerstört, kaputt und unzureichend. In der Schule saßen die Schüler im Wintermantel, hatten keine Lehrbücher, kaum Hefte und erstklassige Lehrer waren Mangelware. In es herrschten 1949 nüchtern betrachtet, trostlose Zukunftsaussichten. Es war alles offen - doch diese Offenheit barg auch Chancen und die Menschen der 50er-Jahre sahen die Zukunft durchaus als Chance. Das Wirtschaftswunder in Mitteleuropa nahm Gestalt an.

Der Blick in die Zukunft ist heute anders geworden: Erschreckende Umweltverschmutzung, alarmierender Klimawandel, hemmungsloser Ressourcenverbrauch und viel zu schnelles Bevölkerungswachstum erfordern neues Umdenken, neue Strategien. Die Söhne und Enkel der ersten Abiturienten von 1949 sind gefordert.

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