Kronach
Insekten

Darum gibt es im Kreis Kronach mehr Wespen als im Vorjahr

Klar: Wespen nerven - vor allem in Biergärten oder beim Essen auf der Terrasse. Doch es sind lediglich zwei Wespenarten, die die übrigen 13 in Verruf bringen.
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In diesem Jahr profitieren die Wespen vom Warmen Wetter der vergangenen Monate. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
In diesem Jahr profitieren die Wespen vom Warmen Wetter der vergangenen Monate. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Natürlich sind es wieder die ungebetenen Gäste, die als erste auftauchen: Noch bevor der Besuch auf der Terrasse an der üppig gedeckten Kaffeetafel Platz genommen hat, ist der saftige Pflaumenkuchen auch schon belagert. Und den gelb-schwarz gestreiften Kuchen-Dieben ist es wie immer herzlich egal, dass sie gerade auf frischer Tat ertappt worden sind. Gerade erst verscheucht, fliegen sie im zweiten Versuch wieder zielstrebig das Stückchen auf dem Teller an. "Ende August, Anfang September ist erfahrungsgemäß die schlimmste Wespen-Zeit, denn da haben die Völker die stärkste Population erreicht", erklärt Petra Brehm von der Unteren Naturschutzbehörde im Kronacher Landratsamt.

Die Zeit spielt für den Menschen

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Aber waren vergangenes Jahr nicht deutlich weniger Wespen unterwegs? Das könne durchaus sein, bestätigt Brehm, inzwischen würden sich wieder verstärkt Bürger bei ihrer Behörde melden, weil sie Probleme mit Wespen haben. Allerdings sei die Quote genauso hoch wie in nahezu jedem Jahr. Mit einer Ausnahme: 2017. Die damals stark verregneten Frühlingsmonate hätten dazu beigetragen, dass deutlich weniger Wespenköniginnen überhaupt mit dem Nestbau beginnen konnten.

"Ich nehme an, dass durch das schöne Wetter sehr viele Nester gegründet worden sind und Wespen deshalb wieder verstärkt wahrgenommen werden", vermutet auch Jochen Brauer. Der 50-Jährige ist seit etwa einem Jahr offizieller Schutzbeauftragter für Hornissen und Wespen im Kreis Kronach. Und tatsächlich gilt es eher, die Insekten vor den Menschen zu schützen, als umgekehrt.

In seiner bisher noch recht kurzen Amtszeit habe er noch kein Wespennest beseitigt oder eine Beseitigung in Auftrag geben; deutlich öfter allerdings Anrufer davon überzeugen müssen, dass es das Beste sei, die Füße - oder vielmehr die Hände - still zu halten. Schließlich spiele die Zeit für den Menschen. Im Oktober ist die Wespenzeit nämlich schon wieder vorbei: sie sterben.

Baubeginn im April

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Gegen April und Mai beginnen die ersten Königinnen damit, ihre Nester zu gründen. Ist die erste Brut hochgezogen, lässt die Königin ihre Arbeiterinnen das Nest Stück für Stück vergrößern, bis es durchschnittlich ungefähr die Größe eines Handballs erreicht hat.

Die Wespen fliegen dementsprechend nicht nur im August oder September durch die Gärten unseres Landkreises. "Wenn die Menschen erkennen, dass sie im Grunde den ganzen Sommer neben den Wespen oder Hornissen gelebt haben, es aber erst jetzt bemerkt haben, lassen sie sich meist davon überzeugen, dass es in ein paar Wochen eh vorbei ist", sagt Brehm.

Liege ein "triftiger Grund" vor, dürften Wespennester von einem Schädlingsbekämpfer umgesetzt werden. Und was ist ein solcher? "Naja, bei Wespennestern fragt da keiner so genau nach. Aber wenn jemand einen Schädlingsbekämpfer bezahlt, hat er vermutlich einen triftigen Grund", sagt Brehm und lacht. Denn anders als bei Hornissen, die unter Naturschutz stehen, muss das Landratsamt bei den unter Artenschutz stehenden Wespen nicht erst genehmigen, wenn Nester umgesetzt werden. Wie oft eine solche Aktion im Landkreis vorkommt, bekomme die Behörde daher gar nicht mit.

Bis vor einigen Jahren kümmerte sich auch die Feuerwehr darum, Wespennester aus Häusern oder Gärten in den Wald umzusiedeln. "Einige unserer Wehren hatten sich darauf spezialisiert und sich auch entsprechende Schutzkleidung angeschafft", sagt Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger. "Inzwischen machen wir das aber nur noch, wenn eine konkrete Gefahr vorliegt."

Nicht die Arbeit wegnehmen

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Wenn ein solches Nest etwa an einem Balkon vor einem Kinderzimmer hängt, rücke die Feuerwehr schon noch aus, um die Insekten mit Hilfe eines Plastikeimers oder einer ausreichend dicken Folie an einen anderen Ort zu bringen. "Es ist ja auch so, dass wir damit den gewerblichen Anbietern die Arbeit abnehmen würden", so Ranzenberger. "Und das ist ja nicht der Sinn der Sache."

Selbst der Anruf bei einem Schädlingsbekämpfer müsse nicht immer zum Erfolg führen, gibt Petra Brehm zu bedenken: "Wenn man ein Wespennest aus der unmittelbaren Wohnumgebung wegbringt, heißt das noch lange nicht, dass man dann seine Ruhe hat." Ist etwas für Wespen attraktiv, ist der Weg aus dem Garten der Nachbarn nämlich nicht weit. "Da kann man sich nicht komplett schützen." Am besten lasse sich diese Zeit überstehen, wenn Fliegengitter in den Fenstern die Wespen daran hindern, in die Wohnung zu gelangen.

Natürlich wissen sowohl Brehm als auch Brauer, dass die Wespe in Deutschland bei einer Wahl zum unbeliebtesten Tier wohl locker einen der vorderen Plätze belegen würde - als Störenfried sehen sie das gelb-schwarze Insekt aber nicht. "Das sind sie auf keinen Fall", betont der Kronacher Schutzbeauftragte. "Die Wespe gehört genauso zur Natur wie jeder Vogel. Sie ist nützlich und frisst einiges an Insekten weg. Das ist nicht zu unterschätzen."

Er wolle sich nicht vorstellen, wie es aussähe, wenn es keine Wespen mehr gebe. "Das wäre fast genauso schlimm, als wenn es keine Bienen mehr geben würde."

Zu den ungebetenen Gästen zählen übrigens nur zwei der 15 Wespenarten. Doch die Deutsche und die Gemeine Wespe reichen, um die restlichen in Verruf zu bringen. Die Feldwespe etwa (wie übriges auch die Hornisse) interessiert sich gar nicht für Fleisch oder Süßes - und lässt den Pflaumenkuchen schlichtweg links liegen.

Welche Abwehrtechniken helfen, welche nicht?

Tipps: Es gibt verschiedene Vorschläge, wie man lästige Wespen loswerden kann. Aber welche funktionieren?

Nest-Attrappe: Eine graue Kugel als Wespennest-Attrappe aufzuhängen bringt nichts, da sich Wespen dadurch nicht abschrecken lassen.

Kupfer: Ein paar Cent-Stücke auf den Tisch legen, soll Wespen abhalten. Wissenschaftler können diesen Tipp allerdings nicht bestätigen.

Zitronenmelisse, Minze: Im Gegensatz zu Kaffee entfalten diese Pflanzen ätherische Öle, die Wespen vertreiben.



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