Kronach
Mietshäuser

Darum ärgern sich Kronacher Mieter über ihre Situation in den KWG-Wohnungen

Die Gebäude der Kronacher Wohnungsbaugesellschaft bleiben ein heißes Eisen. Auch nach dem zweiten Inhaberwechsel klagen die Mieter über große Probleme. Für die Stadt ist das Thema Chefsache.
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Über 600 Wohnungen aus dem Bestand der früheren KWG gehören heute zu Union Investment. Foto: Marco Meißner
Über 600 Wohnungen aus dem Bestand der früheren KWG gehören heute zu Union Investment. Foto: Marco Meißner

Zu Zeiten der KWG stöhnten deren Mieter über den Sanierungsstau in ihren Kronacher Wohnungen. Dann übernahm ZBI (Zentral Boden Immobilien) das Ruder und sanierte die Gebäude aus der Zeit des sozialen Wohnungsbaus - was zu steigenden Mieten und somit zu weiterem Ärger führte. Nun sehen sich die Mieter unter dem neuen Besitzer der KWG-Immobilien, Union Investment, einmal mehr unter Druck. Schlechter Service, steigende Mieten und unvermittelte Inkasso-Forderungen werden angeprangert.

Die SPD-Stadtratsfraktion spricht von "unhaltbaren Zuständen" und will das Thema im Gremium wieder auf den Tisch bringen. Die Sozialdemokraten streben eine Resolution an, um den neuen Eigentümer zu schnellen Verbesserungen zu drängen (siehe auch Artikel unten).

Mit diesem Vorhaben konfrontiert, zeigt Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein Verständnis für die Haltung der SPD und auch des Mietervereins. Es gelte nun, "alle Missstände anzupacken - vom überfüllten Briefkasten bis hin zum fehlenden Ansprechpartner". Doch der Bürgermeister gesteht auch ein, dass der Handlungsspielraum der Stadt nach dem zweiten Verkauf der Immobilien stark eingeschränkt sei. Trotzdem versuche er ganz engen Kontakt zum Investor zu halten und habe das Thema zur Chefsache gemacht. Die schwierige Suche nach einem gemeinsamen Termin mit den Vertretern von Union Investment sei endlich erfolgreich gewesen. "Am 2. April werden sie sich zunächst einmal mit Bürgermeister und Verwaltung treffen", berichtet Beiergrößlein.

Die ab April geplanten Mieterhöhungen seien rechtlich bestimmt gut abgesichert, vermutet das Stadtoberhaupt. Daran werde sich vermutlich nicht rütteln lassen. Doch in anderen Bereichen hofft er auf ein Nachjustieren und Verbesserungen für die Mieter. Dazu zählt er Themen wie Inkasso-Forderungen und folgende Schufa-Einträge oder auch Leerstände von Wohnungen. "Es ist ein Sammelsurium von Punkten zu besprechen." Kontakt hält die Stadt ebenfalls mit dem vormaligen Besitzer, der ZBI. Diese ist weiter für die Verwaltung der Mietshäuser zuständig. "Wenn etwas nicht klappt, muss man sich darum kümmern. Das haben wir getan", versichert Beiergrößlein.

Management weist Kritik zurück

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Das Management der KWG-Immobilien weist nach heftiger Kritik auf aktuelle Investitionen und den Abbau von Leerständen bei den Mietwohnungen hin. Außerdem distanziert man sich von Inkasso-Forderungen an die Mieter, vielmehr sei bereits eine sechsstellige Summe in die Sanierung der Wohnungen gesteckt worden.

Wie hoch diese ist, lesen Sie hier bei inFrankenPLUS (für Abonnenten kostenlos) im Interview mit Eckhard Holländer. Er ist Head of Asset Management bei der Deutschen Asset One GmbH, die den Eigentümer, Union Investment, beim Management der Kronacher Immobilien vertritt.

Weg der KWG

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Verkauf : Die Kronacher Wohnungsbaugesellschaft (KWG) wurde 2011 von ihren Eigentümern (Stadt und Landkreis Kronach) verkauft.

Investor 1: Der erste Käufer der KWG-Gebäude war die Erlangener ZBI, ein unabhängiges Unternehmen mit Fokus auf deutsche Wohnimmobilien.

Investor 2: Im Jahr 2017 wechselten die KWG-Immobilien erneut den Besitzer: Union Investment ist Teil einer genossenschaftlichen Finanzgruppe, die Deutsche Asset One ein bundesweit aufgestellter Investmentmanager.

SPD spricht von "chaotischen Zuständen" rund um KWG-Wohnungen

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Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes Kronach kritisiert scharf die "chaotischen Zustände" bei der Verwaltung der Wohnungen der ehemaligen Kronacher Wohnungsbaugesellschaft (KWG). Mit einer Behandlung und Resolution im Stadtrat will man öffentlichen Druck auf den neuen Eigentümer, die Union Investment, ausüben. So sollen die unhaltbaren Zustände für die Mieter schnell beendet werden.

Die Justiziarin des Mietervereins Kronach, Rechtsanwältin Sabine Gross, berichtete, dass das Verwaltungsbüro in Kronach seit November nicht mehr besetzt sei. Eine Kontaktaufnahme sei weder telefonisch, per Telefax oder E-Mail möglich gewesen. Durch dieses Problem seien wohl auch Einzugsermächtigungen nicht bearbeitet worden. In den letzten Wochen seien daraufhin zahlreiche Mieter mit Inkasso-Forderungen konfrontiert worden, ohne dass es vorher zumindest Mahnungen gegeben habe, wie es gesetzlich vorgeschrieben sei. Die Mieter sähen sich dadurch mit enormen Inkasso-Gebühren und anderen Problemen, wie ungerechtfertigten Schufa-Einträgen, konfrontiert, obwohl es nicht ihr Verschulden sei, erläuterte Sabine Gross.

Mietniveau soll weiter steigen

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Weiterhin seien nach dem Auslauf der Mietpreisbindung Anfang Januar bei zahlreichen Wohnungen Mieterhöhungen zum 1. April angekündigt worden - auch bei unsanierten Altbauwohnungen und teilweise bis zu 20 Prozent. Damit werde das ohnehin nicht niedrige Mietniveau in Kronach weiter steigen, bedauerte sie.

Stadtrat Klaus Simon berichtete, dass wohl auch der Hausmeisterservice für die Wohnungen gekündigt sei. Zudem stünden offenbar 43 der 650 Wohnungen leer. "Angesichts des Wohnungsmangels in Kronach ist das ein unhaltbarer Zustand", empörte er sich und forderte von der Union Investment die Sanierung und Neuvermietung dieser Wohnungen.

"Das Ganze ist ein extrem mieterunfreundliches Verhalten", fasste Vorsitzender Ralf Völkl die Stimmung im SPD-Vorstand zusammen. Da die KWG mit rund 650 Wohnungen der wichtigste Anbieter in Kronach sei und über 1000 Menschen davon betroffen seien, dürfe man diesen Zustand und dieses Verhalten auch nicht einfach hinnehmen. Hilfe leiste der Mieterverein für seine Mitglieder im Rahmen einer juristischen Erstberatung; angesichts dieser großen Probleme sei aber auch öffentlicher Druck auf Union Investment notwendig, um die Probleme schnell aus der Welt zu schaffen.

Missstände beseitigen

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Die SPD-Stadtratsfraktion wird deshalb beantragen, das Thema im Stadtrat zu behandeln und eine Resolution zu verabschieden, um die bestehenden Missstände zu beseitigen. Das sei man zum einen den Mietern schuldig, zum anderen habe das Verhalten von Union Investment auch einen bedeutenden Einfluss auf den Wohnungsmarkt in Kronach und damit die Stadtentwicklung insgesamt.

Damit werde aber auch besonders deutlich, dass es notwendig sei, dass die Stadt wieder aktiv auf dem Wohnungsmarkt tätig werde und neuen sozialen Wohnraum schaffe, so Stadträtin Marina Schmitt. Eine Möglichkeit sei dabei der Erwerb und die Bebauung des ehemaligen THW-Geländes in der Joseph-Haydn-Straße, wünschte sich Klaus Simon. Sein Ziel sei es, dass die Stadt das Gelände möglichst schnell erwerbe und dort sozialen Wohnraum schaffe. Die Verhandlungen müssten mit Nachdruck geführt werden, um zeitnah zu einer Lösung zu kommen.

Stadtrat Hans Simon bedauerte, dass es nur noch sehr wenig sozialen Wohnungsbau in Deutschland gebe. Trotzdem würden in benachbarten Städten, wie zum Beispiel Coburg, Sozialwohnungen geschaffen. Deshalb müsse sich angesichts des großen Bedarfs und der Nachfrage auch in Kronach etwas tun.

Edgar Dunst ergänzte, dass auch in den Stadtteilen weiteres Bauland geschaffen werden solle, zum Beispiel am Bahnhof in Neuses, wo die Stadt eigene Flächen besitze.



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