Stockheim
Investition

Damit die Kälte kommen kann: FC Stockheim baut einen Kunstrasenplatz

Wird es Winter, stehen die Fußballvereine im Kreis Kronach vor einem großen Problem: Ihren Rasenplatz können sie nicht nutzen, einen Kunstrasenplatz gibt es nicht. Noch nicht. Schon im kommenden Jahr soll sich das ändern - und Stockheim zur zentralen Anlaufstelle werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf dem "alten" Sportplatz in Stockheim wird ein Kunstrasenplatz gebautprivat
Auf dem "alten" Sportplatz in Stockheim wird ein Kunstrasenplatz gebautprivat
+6 Bilder

Fußball ist unberechenbar? Mitnichten. Auf manches können sich Zuschauer und Spieler einfach verlassen. Beispiel 1: Schöpfen FCN-Anhänger nur kurz Hoffnung, ruft ihnen der Club bereits in Erinnerung, dass er doch "a Depp" ist. Beispiel 2: Kassiert Manuel Neuer ein Gegentor, schnellt auch schon sein Reklamierarm in die Höhe. Beispiel 3: Wird es Winter, verlassen die hiesigen Fußballvereine den Landkreis.

Denn ist der vereinseigene Rasenplatz witterungsbedingt nicht bespielbar, wird es schwer, einen passenden Untergrund für Testspiele oder Trainingseinheiten zu finden. "Kronach ist in Oberfranken der wohl einzige Landkreis ohne einen Kunstrasenplatz", weiß René Schubart vom 1. FC Stockheim (FCS). "In den Wintermonaten gibt es hier daher keine adäquate Spielfläche, weshalb so gut wie alle Vereine auf Kunstrasenplätze außerhalb des Landkreises ausweichen."

Ein Platz für alle

Doch das soll in diesem Jahr zum letzten Mal nötig sein. Beispiel 3 möchte der Kreisligist nämlich nicht länger als unveränderbare Gesetzmäßigkeit hinnehmen. Und baut daher seinen bisher von der zweiten Mannschaft und den Jugendteams genutzten Rasenplatz auf dem Maxschacht in den ersten Kunstrasenplatz im Kreis Kronach um. Allerdings nicht nur für sich. "Weil wir von der EU gefördert werden, ist gewährleistet, dass ihn jeder Verein, jede Schule und jede soziale Einrichtung buchen darf", erklärt der 35-Jährige.

Verläuft alles nach Plan, werden schon im kommenden Sommer die ersten Spieler über das 92 Meter lange und 64 Meter breite künstliche Grün rennen. "Letzten Samstag kam der finale Förderbescheid", sagt Schubart. "Das heißt, jetzt können wir richtig loslegen." Was freilich nicht bedeutet, dass der Verein bislang untätig war. Knapp zwei Jahre ist es her, dass der 1. FC Stockheim erstmals mit dem Gedanken spielte, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Vor rund vier Monaten schickten die FCS-Planer um Schubart und Daniel Weißerth dann den ersten Antrag auf Fördergelder auf den digitalen Postweg.

900 000 Euro wird das Projekt kosten. Eine Summe, die für den Verein alleine nicht zu stemmen wäre. Durch die Fördergelder des Leader-Programms der EU (siehe Infokasten) sowie des Landkreises und der Gemeinde Stockheim reduziert sich der für den FCS zu leistende Betrag merklich. Im Idealfall peilen die Verantwortlichen eine Restsumme 250 000 Euro an. Der Verein hätte den Platz sogar 40 000 Euro günstiger haben können - dafür in Sachen Umweltschutz allerdings einige Abstriche machen müssen. "Damit der Ball auf einem Kunstrasenplatz ein ähnliches Roll- und Springverhalten wie auf einem Rasenplatz zeigt, müssen Granulate auf dem Boden verteilt werden", erklärt Weißerth.

Das dafür bislang üblicherweise verwendete Gummigranulat ist allerdings hoch umstritten. Die EU-Kommission plant sie sogar zu verbieten, um die Umwelt nicht mit Mikroplastik zu belasten. In Stockheim wird daher statt Gummi ein deutlich teureres Granulat aus Kork verteilt werden. "Auch, weil wir in Sachen Umweltschutz positiv vorangehen möchten", betont Schubart.

Das Granulat zu verteilen, wird allerdings einer der letzten Arbeitsschritte sein. Die ersten sind hingegen schon sichtbar. Wie Grabsteine wirken die grauen Betonklötze, die gleich neben dem Platz

verteilt sind. "Darauf werden dann die Container für die Umkleiden gestellt", erzählt der FCS-Vorsitzende Andreas Scherbel während einer Führung über das Spielfeld. Wer künftig Trainingseinheiten auf dem Stockheimer Platz bucht, soll von den mit Duschen und Toiletten ausgestatteten Kabinen direkt auf den Kunstrasen laufen können.

Spielfeld schluckt den Schall

Ob die Sonne zu diesem Zeitpunkt noch scheint, ist dabei egal. Vier neue LED-Flutlichtmasten sorgen dafür, dass jede Ecke des Spielfelds optimal ausgeleuchtet ist. Sorgen, dass ihr Wohnzimmer plötzlich ungewollt mitbeleuchtet wird, müssen Anwohner dabei nicht haben, beschwichtigt Schubart. "Das Flutlicht ist so konzipiert, dass nur der Platz ausgeleuchtet wird." Auch die Lautstärke werde kein Problem, verspricht er. Kunstrasen habe nämlich die Eigenschaft, dass er Schall absorbiert. "Das haben wir zuletzt erst in Rödental gesehen, als der Torhüter den Mittelfeldspieler teilweise gar nicht verstanden hat." Und da Spiele auf dem Platz größtenteils in den Wintermonaten ausgetragen werden dürften, seien die Fenster der Anwohner zu diesem Zeitpunkt vermutlich längst geschlossen.

Es seien schon einige bürokratische Hürden zu überwinden gewesen, ehe die Finanzierung stand, blickt Schubart auf die erste Halbzeit ihres Bauprojekts zurück. "Aber Susanne Faller und Willi Fehn vom Landratsamt und unser Bürgermeister haben uns da schon gut unterstützt." Der ist vom Einsatz des Stockheimer Projektteams ebenso beeindruckt wie begeistert. "Da steckt schon viel Mühe und Zeit dahinter, von daher ziehe ich meinen Hut vor den Leuten, die das in die Wege geleitet haben", lobt Rainer Detsch (FW). Er sieht das Projekt "ein Stück weit auch als eine wichtige Infrastrukturmaßnahme für unsere Kinder und Jugendlichen". Nun müssten sie nicht mehr weite Wege auf sich nehmen, um auch im Winter Fußballspielen zu können.

Preisnachlass für Jugendteams

Das soll in Stockheim zudem deutlich günstiger sein als in den Nachbarlandkreisen, wo teilweise bis zu 150 Euro pro Spiel oder Trainingseinheit verlangt werden. "Wir werden wohl so bei etwa 100 Euro landen, wobei Jugendteams noch einmal deutlich weniger zahlen müssen."

Einen Winter müssen die Kronacher Fußball-Teams noch ausweichen, ehe der Platz fertig und Beispiel 3 endgültig Geschichte ist. Da dürfte wohl selbst Manuel Neuer nichts zu reklamieren haben.

1. FC Stockheim setzt auf besonderes Spendenmodell

Leader Der Großteil des Geldes für den Stockheimer Kunstrasenplatz stammt aus Mitteln des sogenannten Leader-Programms. Seit 1991 fördert die europäische Union damit Projekte, die dazu beitragen, ländliche Räume zu stärken und weiterzuentwickeln.

Nutzung Um von der EU gefördert zu werden, darf der Platz nicht nur einen Nutzer haben. Über 45 Vereine, Schulen und soziale Einrichtungen aus dem Kreis Kronach haben daher bislang schriftlich bestätigt, dass sie beabsichtigen, den Platz ebenfalls zu nutzen.

Spendenaktion Um den Unterhalt des Platzes finanzieren zu können, hat sich der 1. FC Stockheim ein besonderes Spendenmodell einfallen lassen. Auf seiner Homepage kunstrasen.fc-stockheim.de bietet der Verein Parzellen des Platzes zum Kauf an. Bislang kamen so bereits 6650 Euro zusammen. "Je mehr Geld dabei zusammenkommt, desto günstiger kann es werden, den Platz zu buchen", sagt René Schubart vom Projekt-Team der Bergleute. "Vielleicht schaffen wir es dadurch sogar, von Jugendteams nur einen geringen Unkostenbeitrag verlangen zu müssen ."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren