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Steinbach am Wald
Hunde

Dackel Dax von Artgenossen totgebissen: Warum trugen die Hunde keinen Beißkorb?

In Steinbach am Wald wurden zwei Vierbeiner von Artgenossen angegriffen - Dackel Dax überlebte das Drama nicht. Jetzt ist die Gemeinde gefordert.
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Nur sieben Jahr alt wurde Dackel Dax. Der Familie Sünkel bleibt nur die Erinnerung.  Foto: privat
Nur sieben Jahr alt wurde Dackel Dax. Der Familie Sünkel bleibt nur die Erinnerung. Foto: privat

Sammy hat Glück gehabt. Der zehnjährige "Kleine Münsterländer" wurde im Mai 2019 beim Spazierengehen von einem größeren Hund aus dem gleichen Ort angegriffen. Er trug tiefe Bissverletzungen im gesamten Halsbereich davon, sein Auge wurde stark beschädigt.

Ihre Tochter stand hilflos daneben, der Hundebesitzer benötigte eine gewisse Zeit, um sein Tier von Sammy loszureißen, berichtet Susanne Neubauer, die Besitzerin von Sammy. Mehrmals wurde Sammy in der Tierklinik behandelt. Über drei Monate hatte der kleine Hund mit den Verletzungen zu kämpfen, so beschreibt Susanne Neubauer die Situation im vergangenen Sommer.

Nach gefährlichem Angriffen: Gassi gehen immer mit Hundeabwehrspray

Seitdem meidet die Steinbacherin Wege mit ihrem Hund, auf denen sie den Peiniger ihres Hundes vermutet. Auch habe sie seit dem Vorfall immer Hundeabwehrspray mit dabei. Sie und ihre Tochter haben jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn sie mit Sammy spazieren gehen. "Ich habe jetzt wirklich Angst, wenn wir unterwegs sind!"

Noch heute kann Susanne Neubauer die Reaktion des Hundehalters nicht nachvollziehen. Es gab kein Wort der Reue. Sie habe daraufhin Anzeige bei der Polizei erstattet, auch die Kommune wurde eingeschaltet. Sie habe sich mehr davon erhofft.

Reicht der Leinenzwang aus? Hundehalter sind von Gemeinde enttäuscht

Susanne Neubauer vertritt ebenso wie Marlene Gabrich die Auffassung, dass der verhängte Leinenzwang nicht ausreichend sei. Auch deren Hund sei mehrmals attackiert worden. Ein Beißkorb wäre schon angebracht, zumal der Hund oft von einem Kind ausgeführt werde. Das könne so einen großen Hund nicht an der Leine halten.

Kein Glück hatte dagegen Dax aus dem Nachbarort Hirschfeld. Der Dackel erlag kurz vor Weihnachten seinen Verletzungen, den ihm zwei größere Nachbarshunde zugefügt hatten. Die Familie Sünkel verlor somit nicht nur ihren Hund, sondern auch ein Familienmitglied, das seinen Herrn oftmals mit zur Jagd begleitete.

Familienhund Dax totgebissen: Ein Loch in der Lunge

"Das Ganze hätte nicht sein müssen", meint Claudia Sünkel. Schon vor diesem Fall sei sie zweimal bei der Polizei gewesen und habe Anzeige gegen die Hundehalter erstattet. Am 28. November schließlich sei ihr Ehemann mit Dax auf einer öffentlichen Straße spazieren gewesen. Die Hundehalterin habe die Tür geöffnet, mit beiden Hunden an der Hand.

In diesem Moment hätten die Hunde sich losgerissen und seien auf Dax zugestürmt. Letztendlich wurde ihr Dax so verletzt, dass der Tierarzt empfohlen habe, schnellmöglichst eine Tierklinik aufzusuchen. Die Rippen waren gebrochen, und in der Lunge wurde ein "handtellergroßes Loch" festgestellt.

Nach sieben Tagen konnten die Sünkels ihr treues Familienmitglied zwar mit nach Hause nehmen, aber der Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Wieder kam Dax in die Klinik, wo er aber seine inneren Verletzungen nicht mehr überlebte. Auch Familie Sünkel hätte sich mehr Auflagen gewünscht.

Müssen Leinenzwang und Beißkorb stärker kontrolliert werden?

Wie Bürgermeister Thomas Löffler erklärte, habe man in Hirschfeld den Hundebesitzern Leinenzwang und einen Beißkorb verordnet. Dem Hundebesitzer in Steinbach wurde Leinenzwang auferlegt. Der Bürgermeister verweist auf ein bevorstehendes Gespräch mit einem Hundeführer der Polizei vor Ort kommender Woche. "Wir wollen eine Lösung finden", so sein Geschäftsleiter Thomas Kotschenreuther. Er erhoffe sich von dem Termin mit dem Polizeihundeführer eine fachliche Einschätzung von einer erfahrenen Stelle.

Kotschenreuther verweist auf Artikel 18 des Landesstraf- und Verordnungsgesetzes, wonach eine Kommune zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit durch Verordnungen das freie Umherlaufen von großen Hunden einschränken kann. Der räumliche und zeitliche Geltungsbereich der Verordnung ist auf die örtlichen Verhältnisse abzustimmen, wobei auch dem Bewegungsbedürfnis der Hunde Rechnung getragen müsse, heißt es darin.

Bürger sollen Meldungen an die Gemeinde einreichen

Kotschenreuther und auch der Bürgermeister weisen weiter darauf hin, dass eine Gemeinde nicht dauernd überwachen könne, ob die Anordnungen auch eingehalten werden. Man sei diesbezüglich auf Bürger angewiesen, die entsprechende Meldungen beziehungsweise Fotos an die Gemeinde einreichen, so Kotschenreuther.

Der Geschäftsleiter spricht von einem Spagat, zwischen den Interessen der Hundebesitzer und dem Schutz der Bevölkerung abzuwägen. Gott sei Dank, so Kotschenreuther, seien derartige Situationen sehr selten, wobei schon ein Fall zu viel sein könne. Er betont auch, dass den allermeisten Hundebesitzern daran gelegen sei, dass ihr Hund keine anderen Tiere oder Menschen angreift.

"Nicht von Natur aus bösartig"

"Hunde sind von Natur aus nicht bösartig", ist der Gruppenleiter der Polizeihundestaffel Frank Dütthorn überzeugt. Wenn ein Hund auffällige Verhaltensweisen zeige und aggressiv in Erscheinung trete, könne dies verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise könnte dies an seiner Erziehung und an seiner Herkunft begründet liegen. Auch wenn ein Hund erkrankt oder verletzt sei, könne die Reizschwelle geringer sein. Oder ein Tier habe schlechte Erfahrungen mit Menschen und Tier gemacht.

Wenn ein Hund Anzeichen von Aggressionen zeige, könne der Angelegenheit mithilfe von Experten auf den Grund gegangen werden. Allerdings sei dies zeitintensiv und man benötige auch viel Geduld, so Dütthorn. Es komme des Öfteren vor, dass die Polizeihundeführer von Gemeinden und Hundehaltern gerufen werden, um sich vor Ort ein Bild zu machen und Unterstützung geben, um Lösungsansätze zu finden. Mitunter stimme man sich mit dem Landratsamt ab. In erster Linie sei aber die Gemeinde zuständig, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Diese können verschieden sein und vom Leinenzwang, Beißkorb bis hin zur Wegnahme des Hundes reichen.

Was passiert, wenn es ein Kind trifft?

Für die Sünkels ist das alles ein schwacher Trost. Claudia Sünkel will sich keinen Hund mehr anschaffen. Susanne Neubauer ist erleichtert, dass ihr Sammy wieder genesen ist und er kein verändertes Verhalten wie vor diesem Angriff zeigt. Neben der Trauer, der Wut, dem Verlust kommen nun noch die Tierarztkosten. Nicht alle Hundebesitzer haben eine Haftpflichtversicherung.

Beide Frauen stellen sich die gleiche Frage: "Was passiert eigentlich, wenn es kein Hund, sondern ein Kind ist, das durch Hundebisse schwer verletzt wird?"

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