Kronach
Konzept

CSU stellt Zehn-Punkte-Plan für Kronacher Klinik auf

Die Kronacher Kreis-CSU hat ein Konzept erstellt, das der Helios-Frankenwaldklinik auf die Sprünge helfen soll.
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Die Frankenwald-CSU hat einen Zehn-Punkte-Katalog für die Zusammenarbeit mit der Klinik erstellt. Foto: Archiv/Marco Meißner
Die Frankenwald-CSU hat einen Zehn-Punkte-Katalog für die Zusammenarbeit mit der Klinik erstellt. Foto: Archiv/Marco Meißner
Die Helios-Frankenwaldklinik stand in den vergangenen Monaten immer wieder in den Schlagzeilen. Nicht immer in den positiven. Das möchte die Frankenwald-CSU nun ändern. Im guten Miteinander mit den Klinik-Verantwortlichen, wie Landrat Klaus Löffler am Freitag bei einem Pressegespräch im CSU-Büro herausstellte. Aber ebenso mit deutlichen Ansprüchen, wie aus den Wünschen und Forderungen der CSU-Vertreter Jürgen Baumgärtner, Gerhard Wunder, Jens Korn, Winfried Lebok und Markus Oesterlein hervorging.

Diskussion: Wie marode ist die Bausubstanz der Frankenwaldklinik?

"Es ist unsere Klinik." Dieses Gefühl soll durch die Umsetzung eines Zehn-Punkte-Konzepts bei den Landkreisbürgern wieder geweckt werden, machte Baumgärtner deutlich. Deshalb ist er auch zuversichtlich, im Kreistag mit dem Katalog auf breite Zustimmung zu stoßen. Parallel zum politischen Weg will die Kreis-CSU das Papier mit der Klinikleitung durchsprechen.


Neubau favorisiert

Doch was steht im Konzept drin? Es geht um vieles, was die Struktur der Klinik hinterfragen und verbessern will. Es geht um die personelle Situation, um die Organisation, die langfristigen Ziele und die Attraktivität für (potenzielle) Patienten und Mitarbeiter. In einigen Punkten geht es aber auch um für Außenstehende sehr greifbare Themen. Im Kern steht dabei die Diskussion um die Bausubstanz.
Die Kreis-CSU ließ keinen Zweifel daran, dass hier in absehbarer Zeit gehandelt werden muss. Winfried Lebok machte deutlich, dass ein Neubau einer Sanierung vorzuziehen wäre. Wo der realisiert werden könnte, darüber müsse noch gesprochen werden, so Baumgärtner. Möglichkeiten biete Kronach durchaus. Beispielsweise fiel ihm spontan der Bereich beim großen Crana-Mare-Parkplatz ein oder auch die Fläche beim früheren Klinik-Eingang


Die zehn Punkte im Überblick

1. Sitzungen des Beirats: "Reden hilft", war Jürgen Baumgärtner überzeugt. Deshalb sollte sich der Klinikbeirat künftig regelmäßig, mindestens einmal im Quartal, zusammensetzen.

2. Personal: Baumgärtner betonte, dass die Mitarbeiter an der Klinik einen guten Job machen. Er sprach jedoch von Überlastungsanzeigen, einer zu dünnen Personaldecke im Pflegebereich und Mitarbeitern, die aus der Freizeit zurückgerufen würden, um Löcher zu stopfen. Deshalb müsse der Beirat zeitnah über personelle Entwicklungen und Planungen informiert werden. Weiter ging Markus Oesterlein auf Anzeichen für Versuche ein, den Personalrat zu beeinflussen. "Ein solcher Eingriff ist nicht tolerierbar", sagte er.

Jürgen Baumgärtner zieht in den Klinik-Beirat ein

3. Vergütung: Die CSU-Politiker wiesen darauf hin, dass Transparenz im Vergütungssystem notwendig ist, um Missständen vorzubeugen. In diesem Bereich herrscht laut Baumgärtner dringender Handlungsbedarf. Außerdem fordert die CSU eine Gegenüberstellung von Einnahmen und Personalkosten. Es müsse beispielsweise ersichtlich sein, ob für die Pflege gedachtes Geld auch in der Pflege eingesetzt wird.

4. Organisationsstruktur: Stringente und gut organisierte Abläufe sind nach Auffassung der Kreis-CSU notwendig, um die Belastung für das Personal zu senken. Das betrifft unter anderem die Notaufnahme. Weiter soll das Patienten-Entlassmanagement unter die Lupe genommen werden. Ein brennendes Thema ist die Frage nach der Abmeldung der Klinik (dann erfolgt keine Patientenaufnahme). Belastbare Zahlen dazu gab es zwar nicht, "aber wir hören, dass sich die Klinik relativ oft abmeldet", so Baumgärtner. Dafür habe man kein Verständnis. Die Klinik müsse mit Blick auf die medizinische Grundversorgung 365 Tage im Jahr offen sein. Gerhard Wunder ergänzte, dass es Beschwerden über die Notaufnahme gebe. "Eine Struktur muss rein", forderte er ein gemeinsames Anpacken.

5. Strategische Ausrichtung: "Wir hätten gerne gewusst, wie die Strategie ist", sagte Baumgärtner zur Zukunftsplanung der Klinik. Einerseits geht es dabei um inhaltliche Fragen, andererseits aber auch um bauliche. Winfried Lebok betonte, dass eine Generalsanierung oder ein Neubau nicht mehr lange aufgeschoben werden sollte, um von anderen Kliniken in der Region nicht abgehängt zu werden. Einen Neubau hielt er für die vermutlich vernünftigere Lösung. "Ein Planungsprozess hierfür nimmt zehn Jahre in Anspruch", drängte Lebok auf zeitnahe Überlegungen.

6. Aus- und Weiterbildung: Die CSU fordert ein gutes Aus- und Weiterbildungskonzept, um das Personal zu motivieren und die Klinik für mögliche neue Mitarbeiter attraktiv zu machen.

7. Leistungsspektrum: "Es muss immer ein Krankenhaus in Kronach geben, das diesen Bereich abdeckt", wurde eine Sicherung der Grundversorgung von Baumgärtner gefordert. Dafür müsse die Klinikleitung auch intensiv auf vorhandene Förderprogramme zurückgreifen. Jens Korn wünschte sich weiterhin eine Stärkung des Palliativbereichs durch den Aufbau einer entsprechenden Station.

8. Ombudssystem: Die CSU sprach sich dafür aus, eine unabhängige Ombudsperson als Anlaufstelle zu installieren.

9. Parkraumkonzept: Um die Parkplatzprobleme zu lösen, brauche es einen Ersatz für aufgegebene Parkflächen.

10. Runder Tisch: Die CSU wünscht sich einen runden Tisch. Dieser könne das Miteinander zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzten verbessern und Vertrauen schaffen.


Stimmen zum CSU-Vorstoß

Was soll er davon halten? Richard Rauh weiß es nicht so recht. Der SPD-Kreisrat ist zugleich Mitglied im Klinikbeirat und stutzt, als er vom Pressetermin der CSU erfährt.

Tag der Offenen Tür in der Helios-Frankenwaldklinik

"Es ist nicht viel Neues dabei", erklärt er mit Blick auf die Themenschwerpunkte im Konzept der Christsozialen. Und er meint, darin "etwas Aktionismus" zu erkennen. Steht da etwa eine Landtagswahl bevor, fragt er sich.

Ein schnellerer Takt bei den Beiratssitzungen sei unter Landrat Klaus Löffler vom Kreistag längst "unisono befürwortet" und auch umgesetzt worden. Über personelle Veränderungen informiere Klinik-Geschäftsführer Christian Kloeters regelmäßig, nennt Rauh zwei Beispiele, wo die Zusammenarbeit von Klinik und Beirat bereits verbessert worden sei. Natürlich sei bei der Helios-Frankenwaldklinik nicht alles Gold, was glänzt. Deshalb gesteht er dem CSU-Papier auch zu, dass es Punkte enthält, "die man in den Raum stellen kann". Er nennt beispielsweise eine Palliativstation oder das Nachhaken wegen der Überlastungsanzeigen von Mitarbeitern.

Verwundert ist Rauh jedoch, wenn sich die CSU in operative Bereiche einklinken will. Über Vergütungen zu diskutieren, sei beispielsweise keine Baustelle für die Politik. Verärgert ist Rauh schließlich über einen "Appell" Baumgärtners, die Beiräte sollten sich tiefer in die Sachlage einarbeiten und eventuell ein Praktikum auf einer Station absolvieren, um der Klinik in der Diskussion auf Augenhöhe zu begegnen. Rauh schimpft mit einem Hinweis auf seinen Erfahrungsschatz: "Mich braucht keiner über das Gesundheits- und Sozialwesen zu belehren." Rauhs Beiratskollege Peter Hänel (FW) war am Freitag nicht im Landkreis und daher für eine Stellungnahme leider nicht erreichbar.

Eine kurze Antwort auf das Konzept gab es von der Klinik. Claudia Holland-Jopp, Referentin der Geschäftsführung, wies darauf hin, dass die lokale Politik über den Beirat regelmäßig einbezogen werde. "Dieser Beirat ist unser Ansprechpartner in der Kommunalpolitik und wir arbeiten sehr gut und konstruktiv zusammen." In diesem Gremium könnten die politischen Vertreter ihre Themen zur Diskussion stellen.


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