Kronach
Gottesdiensttest

Christuskirche Kronach: Wenn die Predigt niemanden kalt lässt

Unser Tester besuchte einen Gottesdienst in der Kronacher Christuskirche.
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Die Kronacher Christuskirche ist eine schlicht gehaltene Saalkirche. Errichtet wurde sie aus Sandsteinquadern im Stil der Neugotik. 1861 eingeweiht, erhielt sie jedoch erst 1986 ihren derzeitigen Namen.Marian Hamacher
Die Kronacher Christuskirche ist eine schlicht gehaltene Saalkirche. Errichtet wurde sie aus Sandsteinquadern im Stil der Neugotik. 1861 eingeweiht, erhielt sie jedoch erst 1986 ihren derzeitigen Namen.Marian Hamacher

Das Urteil unseres Testers:

Obwohl Pfarrer Achim Gerber zum Zeitpunkt unseres Tests erst wenige Wochen in seiner neuen Gemeinde verbracht hat, weiß er genau, wie er sie erreichen kann. In erster Linie gelingt es ihm wohl durch seine offene Art und positive Ausstrahlung. Man spürt, dass dort vorne jemand steht, der Freunde an seinem Job hat. Und der bei Pfarrern wohl auch mehr Berufung als Beruf ist.

Insgesamt war der Gottesdienst in der Christuskirche für unseren ansonsten nur katholische Gottesdienste gewohnten Tester eine spannende Abwechslung. Gerade die Art und Weise, in der das Abendmahl gemeinsam zelebriert wird, erzeugt nochmal ein anderes Gemeinschaftsgefühl, als die Handkommunion. Sehr angenehm ist auch die in der evangelischen Kirche übliche persönliche Verabschiedung am Ende. Eine Tradition, die auch katholischen Pfarrern gut zu Gesicht stehen würde.

Negativ fiel während des Gottesdienstes lediglich auf, dass sich bei den Gläubigen die Motivation mitzusingen, in Grenzen hielt.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Ein Gesangbuch reicht diesmal nicht aus. "Für ein Lied brauchen wir heute auch noch das schmale Buch", sagt eine Frau freundlich zu jedem Gast, der gerade ins Regal greift. Im Eingangsbereich steht eine Viertelstunde vor Beginn auch noch Pfarrer Achim Gerber, der sich dort mit einigen Gemeindemitgliedern unterhält. Mit einem strahlenden Lachen schüttelt er hereinkommenden Besuchern zur Begrüßung die Hand.

In den Gottesdienst steigt Gerber mit dem Verweis auf den Wochenspruch aus dem Epheserbrief ein: "Nicht als Fremde kommen wir, dies ist unser Haus. Wir haben Wohnrecht im Haus unseres Herrn."

2. Musik

Wie in vielen anderen evangelischen Kirchen, geht es auch in der Christuskirche noch analog zu: Holztafeln an den Wänden geben die Liednummern an. Doch auch der Pfarrer sagt an, mit welchem Lied es weitergeht. Zwar weiß dadurch jeder, was gesungen wird, und viele Besucher bewegen auch ihre Lippen - viel hört man von ihren Stimmen aber nicht. Vielleicht auch deshalb, weil die Orgel einen Tick zu laut ist. Dafür entschädigt die schöne Musik. Der Organist beherrscht ohne Zweifel sein Handwerk.

3. Lesungen

Mit lauter und verständlicher Stimme liest ein Gemeindemitglied aus dem Evangelium nach Lukas. Weshalb sich Pfarrer Achim Gerber für die Geschichte der Rückkehr der Jünger und die Speisung der 5000 entschieden hat, wird später in seiner Predigt deutlich.

4. Predigt

"Deutschland ist Weltmeister", verkündet Gerber von der Kanzel. Weltmeister im Brotbacken. Damit ist er beim Thema: Jesus mit seinem Satz "Ich bin das Brot des Lebens." Immer wieder habe Jesu für Wunder gesorgt. Die Menschen damals hätten aber stets neue Wunder eingefordert. Die Speisung der 5000 sei daher ein weiteres gewesen. Auch heute solle man aufpassen, die Zeichen Gottes im eigenen Leben nicht zu schnell zu vergessen. Dass die Gläubigen der rund zwölfminütigen Predigt folgen können und reflektieren, ist an den Reaktionen zu spüren: Manche nicken zustimmend mit dem Kopf, andere schütteln ihn an manchen Stellen kurz. Doch kalt lässt das Thema offenbar kaum jemanden.

5. Kommunion/Abendmahl

Die Art, wie Gerber die Gemeinde zum gemeinsamen Abendmahl bittet, klingt tatsächlich nach einer freundlichen Einladung. "Kommt, alles ist bereit, sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist", sagt er und breitet die Arme aus.

Zuvor hat er kurz umrissen, was gleich folgen wird: "Es gehen zwei Kelche herum. Aus dem ersten trinkt man und in den zweiten kann man seine Hostie eintauchen." Das geschieht in einem Halbkreis, den die Gläubigen um Gerber bilden. Auch wenn die Kirche voller sein könnte, dauert es gleich mehrere Durchgänge, ehe jeder Besucher einmal Teil des Halbkreises war.

6. Segen

Zum Abschluss des Gottesdienstes hält es der Pfarrer klassisch. "Gott ist es, der eure Lebens- und Glaubenswege für immer begleiten möge", sagt Gerber, ehe der ritualisierte Segnungsspruch "Der Herr segne und behüte euch" folgt.

Während die letzten Takte der Orgel erklingen, macht sich der Pfarrer auf den Weg zur Kirchentür, um jeden Besucher persönlich verabschieden zu können und einen individuellen Wunsch mit in den Sonntag zu geben.

7. Ambiente

So dunkel die Sandsteinquader - aus denen die Christuskirche im Stil der Neugotik gebaut wurde - an manchen Stellen inzwischen schon sind, so hell ist es im Inneren des Gebäudes. Durch die kleinen Fenster an den Außenseiten fällt ausreichend Licht, um im Zusammenspiel mit den hellen Wänden eine angenehme Atmosphäre zu erzeugen. Da fällt es kaum auf, dass es gar keinen Blumenschmuck gibt.

Vermutlich lag es am Sandstein, dass es in der Kirche angenehm kühl war, während die Außentemperaturen immer weiter stiegen.

8. Kirchenbänke

Gerade in älteren Kirchen besteht die Gefahr, dass die Holzbänke an längt überholten Durchschnittsgrößen ausgerichtet sind. Eine Sorge, die man in der 1861 errichteten Kirche nicht haben muss.

Auch Gläubige, die an einer Körpergröße von zwei Metern kratzen, müssen nach dem Gottesdienst keine verkrampften Beine oder schmerzende Knie befürchten. Die hellgrünen Sitzpolster sind zwar nicht besonders dick, sorgen aber trotzdem für ein angenehmes Sitzen.

9. Beleuchtung

Es wäre sicherlich interessant zu wissen, wie hell es in der Kirche ist, wenn die Lampen ausgeschaltet sind. Allein die hohen Fenster hinter dem Altar sollten für eine gute Ausleuchtung ausreichen. Da es aber auch an der Seite noch zahlreiche Fenster und zudem eine unaufdringliche elektronische Beleuchtung durch die typischen Hängelampen gibt, ist für ausreichend Licht gesorgt. Kerzen braucht es für die Helligkeit daher zwar nicht, einige mehr würden aber sicher für eine noch feierlichere Atmosphäre sorgen.

10. Sinne

Nicht nur für die Ohren bietet der besuchte Gottesdienst in der Christuskirche so manches Schmankerl. Der Händedruck mit den Nachbarn im Zuge der Liturgie schafft tatsächlich so etwas wie Nähe. Nicht nur dem unmittelbaren Nachbarn in der Reihe wird "Friede sei mit Dir" gewünscht, sondern allen Besuchern im etwas erweiterten Armlänge-Radius. Und während die Orgel facettenreich zum Abendmahl ertönt, testen die Gläubigen den Geschmack von Brot und Wein.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

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