Kronach
Bildung

Campus Innovations-Kultur: Nach der Schule kommt im Kreis Kronach das Start-up

Der Campus Innovations-Kultur (CIK) will den Unternehmergeist von Jugendlichen im Kreis Kronach stärken. Die Resonanz an den Schulen ist unterschiedlich.
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Konzentration: Thomas Kneitz und die  Jugendlichen  der Mittelschule Windheim, die 2017/18 eine Seminargruppe bildeten.   Foto: Veronika Schadeck
Konzentration: Thomas Kneitz und die Jugendlichen der Mittelschule Windheim, die 2017/18 eine Seminargruppe bildeten. Foto: Veronika Schadeck

"Früh übt sich, wer ein Meister werden will." Der Satz - geprägt von Friedrich Schiller im 1804 erschienenen Drama "Wilhelm Tell" - passt auf 46 junge Leute im Kreis wie die Faust aufs Auge.

So groß ist die Zahl der "Gründer von morgen", die 2018/2019 an den Schülerseminaren des Campus Innovations-Kultur (CIK) teilnehmen. "Das Jahr verlief erfolgreich. Ich bin begeistert über das Engagement quer durch alle Schulformen", sagte CIK-Geschäftsführer Thomas Kneitz unserer Redaktion.

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Zuvor hatte er am Montag im Kronacher Kreistag über den Sachstand am CIK berichtet, der als ein Instrument gegen Fachkräftemangel und Abwanderung im Landkreis gegründet wurde. Neben den Schülerseminaren bietet das CIK Beratung für Unternehmer und Betreuung für potenzielle erwachsene Gründer an.

Sehr zielstrebige Teilnehmer

Im Herbst 2017 starteten die ersten Seminare. Das Ziel: junge Leute frühzeitig für die Entwicklung eigener Ideen und das Unternehmer- und Gründertum zu begeistern. "Es hat nur ein einziger Teilnehmer vorzeitig aufgehört", sagt Kneitz über die Zielstrebigkeit der Schüler, die alle 14 Tage freiwillig auf eineinhalb Stunden ihrer Freizeit verzichteten. Außerdem gehören Gespräche mit Unternehmern der Region zum Angebot. Etwa 90 Prozent der Schüler bestanden die Abschlussprüfung und erhielten ein Zertifikat. Auffällig dabei: Teilweise waren die Mittelschüler sogar besser als Realschüler oder Gymnasiasten.

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Im Oktober begann Seminarjahr zwei. "Diesmal sind nicht alle Schüler Neulinge", erzählt Kneitz. Zwölf Vorjahresteilnehmer wollten weitermachen. "Für sie gibt es ein Fallstudienseminar mit zehn realen Sachverhalten aus der Wirtschaft."

Teilnehmer aus vier Schulen

Zusätzlich gibt es elf neue Kleingruppen (34 Teilnehmer). Die Teilnehmer kommen vom Kaspar-Zeuß-Gymnasium (KZG), dem Frankenwald-Gymnasium (FWG), der Maximilian-von-Welsch-Schule (RS I) und der Mittelschule Windheim. Fünf Seminargruppen des Vorjahres haben zudem ein Start-up gegründet und werden weiter betreut. "Ein halbes Dutzend Schüler der achten bis elften Klasse wollte mitmachen", berichtet FWG-Schulleiter Harald Weichert.

"Das Angebot passt wirklich gut zu unserem Profil mit einem wirtschaftswissenschaftlichen Zweig."

Die sieben Schüler, die im ersten Jahr dabei waren, seien fasziniert gewesen vom Direktkontakt zu Unternehmern. Weichert: "Das ist der Türöffner."

"Praktisches Wissen von außerhalb der Schule ist extrem wichtig", meint auch Christa Bänisch, Schulleiterin der RS I. "Die Schüler fanden die Rundumbetreuung sehr gut", lobt sie, dass Thomas Kneitz Ort und Zeit betreffend so weit wie möglich entgegen kommt. So finden die Kleingruppen-Seminare nicht nur im CIK-Büro am Kronacher Loewe-Campus, sondern auch in den Rathäusern in Ludwigsstadt und Stockheim statt. "Die Idee ist vielversprechend", sagt Wirtschaftslehrerin Bänisch.

"Das Angebot bereichert die Bildungs- und Unternehmerlandschaft enorm. Das hat nicht jeder Kreis", findet Uwe Schönfeld, Direktor der Siegmund-Loewe-Schule (RS II). Und das, obwohl aus der RS II aktuell keiner mitmacht. Demnächst aber komme jemand dazu, der mit anderen Teilnehmern befreundet ist. An der RS II habe es für die Schüler der neunten Klasse eine Informationsveranstaltung gegeben. Schönfeld: "Sie fanden es sehr interessant, aber vielleicht ist es noch zu neu. Wenn einer den Vorreiter macht, könnte das die Initialzündung sein."

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"Früh übt sich, wer ein Meister werden will." So richtig das Schiller'sche Sprichwort auch sein mag. Der Gedanke, so Schulleiter Hans-Peter Müller, sich als Neuntklässler schon mit Unternehmensgründung zu befassen, sei für einige Schüler an der Grund- und Mittelschule Küps wohl doch etwas bald gekommen. "Ich habe in dem Alter auch noch nicht gewusst, was ich später machen möchte", sagt Müller, der das CIK-Angebot in der Schule und mittels Elternbriefen vergeblich vorgestellt hatte. "Wir versuchen es nächstes Jahr wieder."

Bei aller Enttäuschung könne er die Jugendlichen auch verstehen, wenn sie nach einem Schultag bis 16 Uhr nicht noch etwas zusätzlich machen möchten. Außerdem steckten Mittelschüler in der neunten Klasse mitten in der Prüfungsvorbereitung.

In die gleiche Kerbe schlägt Anita Dauer, Schulleiterin der Gottfried-Neukam-Mittelschule Kronach. "Ich selbst war begeistert, aber unter den Schülern gab es keine Resonanz. Das ist vielleicht noch zu früh, um das weitere Leben schon zu planen." Die Zielrichtung sei die richtige, findet Dauer. "Es hat sich aber einfach keiner gemeldet."

Eine andere Methode nutzt Sabine Söllner, Konrektorin der Mittelschule Windheim, um Teilnehmer zu gewinnen. "Ich habe Achtklässler gezielt angesprochen. Jetzt machen manche mit, die sich bei einer Infoveranstaltung nicht gemeldet hätten, so aber stolz sind, ausgewählt worden zu sein."

Söllner: "Aufwand überschaubar"

Im ersten CIK-Jahr waren drei Windheimer Mittelschüler die Vorreiter. Aktuell bilden ebenfalls drei eine Seminargruppe, ab Februar soll es eine weitere geben. "Warum sollen Mittelschüler nicht später Start-ups gründen oder Unternehmen leiten?", fragt Söllner, die auch Beauftragte des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft an den Mittelschulen im Landkreis ist. "Das Zertifikat macht sich gut im Lebenslauf." Das Argument der mangelnden Freizeit lässt Söllner nicht gelten. "Alle zwei Wochen eineinhalb Stunden. Der Aufwand ist überschaubar."

Zum Ausklang Harmonie pur

Wenn sich politische Gegner anlächeln statt um Meinungen zu ringen - dann ist bald Weihnachten. So geschehen am Montag im Kronacher Kreistag, in dem zum Jahresabschluss Worte wie "harmonisches Miteinander" oder "konstruktive Zusammenarbeit" aus allen Ecken des geschmückten Sitzungssaals erklangen.

"Wir haben 2018 gemeinsam 34 Sitzungen des Kreistages und der Ausschüsse abgehalten. Es war eine außergewöhnlich gute Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg", resümmierte Landrat Klaus Löffler (CSU). Er erinnerte an eine Vielzahl von Themen - von der Meldung, dass Kronach Hochschulregion werden solle bis zum Grundsatzbeschluss zur Sanierung des Landratsamtes.

Reinhold Heinlein dankte dem Landrat im Namen der CSU-Fraktion und bezeichnete ihn als "sehr guten Kapitän des stolzen Schiffes Landkreis Kronach".

Oppositionsführer Richard Rauh (SPD) meinte: "Ja, es bewegen sich viele Räder. Manchmal wird der Motor aber überhitzt. Ich wünsche mir für 2019, dass wir nur noch über Dinge reden, die machbar sind."

Stefan Wicklein (FW) dankte für die fairen Auseinandersetzungen im Gremium. Petra Zenkel-Schirmer betonte, dass ihre Frauenliste immer mit notwendigem Hintergrundwissen versorgt wurde. "Der Landrat redet nicht nur von Gemeinsam."

Was sonst noch geschah: Splitter aus dem Kronacher Kreistag

Abfallgebühren Die angekündigte und sowohl im Umwelt- als auch im Kreisausschuss bereits abgesegnete Erhöhung der Abfallgebühren im Landkreis Kronach wurde einstimmig beschlossen. Die Preise erhöhen sich ab 2019 gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent. Die Erhöhung war jedoch lange angekündigt, da der Kreistag 2014 die Beiträge gesenkt hatte, um Rücklagen an die Bürger zurückzugeben. Vergleicht man die heutige Erhöhung mit dem Wert vor 2014, steigen die Beträge um gut zehn Prozent. Für eine durchschnittliche Familie geht die Belastung monatlich um gut fünf Euro nach oben. Dafür erhalten die Bürger in Kronach im Gegensatz zu manch anderem Kreis kostenlose Müllbehälter, und können zweimal im Jahr Sperrmüll beantragen. Wie Susanne Knauer-Marx, Leiterin des Sachgebietes Abfallwirtschaft am Landratsamt weiterhin mitteilte, wird es auch Änderungen bezüglich der Problemmüllsammlung geben. Von Februar bis November wird die Abgabe wöchentlich möglich sein. Knauer-Marx: "Zwar an verschiedenen Orten, aber wer dringend etas wegbringen will, kann das jetzt öfter tun." SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Rauh: "Ich schäme mich nicht, die Hand zu heben. Wir gleichen die Gebühren an, um kostendeckend zu sein."

Wahl Die Beiräte des Kreistags im ehrenamtlichen Aufsichtsrat der Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft des Landkreises Kronach (WSE) wurden turnusmäßig und einstimmig mit Vertretern der beiden größten Fraktionen neu besetzt. Für die CSU sitzt Hans Rebhan im Gremium, seine Stellvertreterin ist Angela Wiegand. Für die SPD nimmt Ralf Pohl den Platz ein, Vertreter ist Jens Trebes.

Haushalt Kreiskämmerer Günther Daum stellte die endgültige Jahresrechnung des Haushalts 2017 vor. Er erinnerte daran, dass der Kreis Kronach der zweitkleinste in Bayern sei, aber dennoch viele Projekte realisiere. Daum bemühte eine Fußball-Metapher. "Die Kleinen müssen mehr laufen, um Chancen gegen die Großen zu haben."



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