Neuses
Kirchweih

Bulldogs und Käfer fast ohne Ende

Am Wochenende wurde in Neuses groß gefeiert. Ein Höhepunkt war das große Oldtimertreffen am Sonntagnachmittag.
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Die Käferfreunde Frankenwald präsentieren ihre Schmuckstücke. Foto: Heike Schülein
Die Käferfreunde Frankenwald präsentieren ihre Schmuckstücke. Foto: Heike Schülein
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Acht Kulleraugen "zwinkern" einem an diesem Sonntagnachmittag förmlich zu. Die putzigen "Gesichter" gehören vier zauberhaften VW-Käfern, die einträchtig nebeneinander auf dem Neuseser Flößerplatz Aufstellung genommen haben. Ihr auf Hochglanz polierter Lack spiegelt sich in den von Petrus zumindest vereinzelt auf die Reise geschickten Sonnenstrahlen - zur Freude ihrer Besitzer, den Käferfreunden Frankenwald, sowie der vielen Besucher, die die kugelrunden Volkswagen sogleich in ihr Herz schließen.
Ein Hauch von Nostalgie lag am Sonntagnachmittag wieder über dem Flößerort. Beim alljährlichen großen Bulldog- und Oldtimertreffen sind nicht nur Schlepper willkommen, sondern auch alle anderen historischen Gefährte. So macht den Reiz des Treffens gerade auch die Vielfalt an restaurierten Fahrzeugen aus, die allesamt noch wertvolle Dienste leisten. Voller Stolz präsentierten dann auch heuer die Besitzer wieder viele ihrer - sorgsam gepflegten - motorisierten Schmuckstücke. Es wurde gefachsimpelt, Erfahrungen ausgetauscht und auch interessierte Fragen der Besucher beantwortet. Wieder mit dabei waren die Schlepperfreunde aus Knellendorf und Schmölz, die als Stammgäste bei keiner Neuseser Kirchweih fehlen dürfen.
Groß war die Freude, heuer erstmals auch die Käferfreunde Frankenwald begrüßen zu können. Die zehnköpfige Abordnung hatte vier "gute, alte "Käfer" in verschiedenen Variationen mitgebracht sowie eine weitere echte Rarität - nämlich einen VW Bus T 1 aus dem Jahr 1955, hergestellt in Brasilien: ein brasilianischer VW-Bus auf einem Schleppertreffen in Neuses, ganz schön international!


Große Liebe zu kleinen Autos

Die Liebe zu den kleinen Autos von Volkswagen ist bei den Käferfreunden Frankenwald riesig. "Unser ,Einzugsgebiet‘" erstreckt sich zwischen Coburg in Westen, Hof im Osten und Bayreuth im Süden. Hauptsächlich kommen unsere Mitglieder aber aus dem Landkreis Kronach", erzählt Walter Preuß, der seit Beginn an den mittlerweile rund 60 Mitglieder zählenden Käferfreunden vorsteht. Gegründet wurde diese von fünf Fans des Kult-VW im September 1984, zunächst als lockerer Freundeskreis, der sich in der Gaststätte "Zum Kremnitztal" in Gifting traf, auch heute noch Vereinslokal der Käferfreunde. Das erste Käfer-Fest wurde beim damaligen Autohaus VW Herzog in Kronach abgehalten, später folgten Treffen auf dem Kronacher Schützenplatz. Mitte der 90er-Jahre, nachdem die Anzahl der Mitglieder stark angestiegen war, wurde man zum eingetragenen Verein. Preuß war Gründungsvorsitzender. Mittlerweile fanden schon acht Treffen im zweijährigen Turnus bei der Effelter Mühle statt, das letzte 2016. "Das nächste Treffen werden wir aber wohl erst 2019 abhalten, um dann gleich das Jubiläum mit zu feiern", kündigt Preuß an.
Der reelle Wert ihrer Fahrzeuge sei von verschiedenen Faktoren abhängig. Liebhaber seien bereit, gute Preise für Raritäten zu bezahlen. Der ideelle Wert aber sei unbezahlbar. Einig sind sich die Käferfreunde darin, dass ihre Kult-Gefährte keineswegs "nur" schön anzuschauen seien. Vielmehr handele es sich um qualitativ hochwertige, nahezu unverwüstliche Fahrzeuge mit einer sehr robusten Technik. Käfer seien eben etwas ganz Besonders.
Vier dieser ganz besonderen Schmuckstücke waren dann auch am Sonntag in Neuss zu bewundern, darunter auch ein Jubiläumsmodell "50 Jahre Käfer" aus dem Jahr 1985 mit 34 PS. "Das Fahrzeug wurde nur in dieser Version serienmäßig hergestellt, es gab ihn auch nur in der Farbe Zinngrau-metallic", erzählt Matthias Fuchs aus Wiesenfeld bei Coburg, der das Schmuckstück nach Neuses "kutschierte". Der Eigentümer ist er aber nicht. "Er gehört einem Kollegen", verrät er. Eine echte Rarität ist der T 1 von Christian Dunst aus Neuses, wobei es sich um einen der ersten VW-Busse überhaupt handelt. Gebaut wurde dieser in Brasilien und zwar zu einer Zeit, als dieses Modell in Deutschland schon so nicht mehr hergestellt wurde.
An der Schauparade nahmen die Käfer leider nicht teil, dafür aber alle anderen an dem Tag ausgestellten Fahrzeuge jeglicher Art. Begleitet von Klatschen und Winken ihres Publikums bahnte sich der PS-starke Zug mit einem mächtigen Geräuschpegel seinen Weg durch die Straßen von Neuses, bevor alle Schmuckstücke wohlbehalten zum Flößerplatz zurückkehrten.


Kirchweih war voller Erfolg

Auch die 84. Auflage der Neuseser Kirchweih war trotz des durchwachsenen Wetters ein voller Erfolg. Hauptverantwortlich für die Ausrichtung der Kerwa zeichnete auch heuer wieder die Feuerwehr Neuses mit ihrem Vorsitzenden Michael Zwingmann und seinem Stellvertreter Roland Schedel. Leider musste das Kirchweih-Flößen aufgrund des zu hohen Wasserstands abgesagt werden. Der Bieranstich am Samstagabend erfolgte durch Kronachs 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann. Bei der Begrüßung der Kirchweihgäste hob diese den Unternehmungsgeist im Flößerdorf Neuses hervor. Dieser zeige sich am Kirchenbau vor fast 85 Jahren, aber auch anhand des aktiven Vereinslebens mit vielen Gemeinschaftsaktionen. Zudem sei Neuses ein starker, internationaler Wirtschaftsstandort. Auch hier kämen Unternehmungsgeist und Engagement zum Ausdruck. Der Bieranstich war auch der Beginn des stimmungsgeladenen Kirchweihtanzes mit Rainer Lohr bis in die frühen Morgenstunden. Am Sonntagmorgen wurde der Festgottesdienst in der Pfarrkirche begangen, bevor der Nachmittag im Zeichen historischer Bulldogs und anderer Fahrzeuge stand. Bei einer Wettfahrt schickten viele Kinder ihre Floßmodelle auf die Reise. Der Tag klang mit der Flößerkapelle Neuses aus.
Der Montag fand seinen Beginn mit einem Frühschoppen im Sportheim Neuses, wo es nachmittags auch Kaffee und Kuchen gab. Später fand der Stockschießwettbewerb der Soldatenkameradschaft um den Flößer-Cup am Sportheim statt. Der Hahnenschlag wird am heutigen Dienstag um 18 Uhr von der Sportgemeinschaft Neuses ausgerichtet.
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