Kronach
Feuerwehr

Bürgermeister Beiergrößlein und Feuerwehr Kronach ziehen die Reißleine

Der Bürgermeister, Vertreter des Stadtrats und der Feuerwehr Kronach zeigten am Mittwoch Flagge und wehrten sich in einem Pressegespräch gegen die massiven Vorwürfe eines Ratsmitglieds.
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Stefan Wicklein, Christian Büttner (beide Feuerwehr Kronach, v. l.) und Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein zeigten sich zerknirscht. Foto: Meißner
Stefan Wicklein, Christian Büttner (beide Feuerwehr Kronach, v. l.) und Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein zeigten sich zerknirscht. Foto: Meißner

Das Maß ist voll, ist man seitens der Stadt Kronach und der Feuerwehr der Kreisstadt überzeugt. In den vergangenen Wochen entwickelte sich ein Streit mit Stadtratsmitglied Hans-Georg Simon (FW), der in die Öffentlichkeit getragen wurde und nun eskalierte. Am Mittwochabend wurden in einem Pressegespräch von Vertretern der Stadt und der Wehr die Karten auf den Tisch gelegt.

Auslöser des jüngsten Disputs war ein Brandeinsatz, nach dem Simon das Ausrücken von Hauptamtsleiter und Feuerwehrmann Stefan Wicklein im Endspurt einer Stadtratssitzung kritisierte. Er stellte darauf bei Facebook Überlegungen an, ob die Stadt nicht einen anderen Hauptamtsleiter suchen sollte. Mit seinen Worten traf er allerdings auch das Ehrgefühl vieler Feuerwehrleute.

In einem Schreiben an die Wehren distanziert er sich von diesem "Missverständnis". Der gleiche Brief ließ aber an anderer Stelle das Fass aus Sicht der Betroffenen überlaufen. Schließlich enthält Simons Text, der unserer Redaktion vorliegt, eine Reihe konkreter Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung, den Hauptamtsleiter, den Kommandanten und auch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW).

Simon fühlt sich angegriffen

So greift Simon eine angebliche Kampagne aus Feuerwehrkreisen gegen sich selbst auf, bezeichnet einen nicht getätigten Verkauf eines Feuerwehrfahrzeugs als einen nicht umgesetzten Ratsbeschluss und kritisiert vermeintliche Versäumnisse bei Kostenabrechnungen und Preissprüngen in Feuerwehrangelegenheiten. Deshalb habe er sogar schon übergeordnete Behörden zur Prüfung der Angelegenheiten eingeschaltet.

Auf eine Stimmungsmache wurde auch im Pressegespräch eingegangen - allerdings nicht gegen Simon, sondern von ihm. "Die Äußerungen, Vorwürfe und Unterstellungen, anonymen Anzeigen und Briefe sowie offenen Anschuldigungen eines Stadtratsmitglieds haben den freiwilligen und ehrenamtlichen Dienst aller Kameraden in unserer Stadt und den Stadtteilen erschüttert und beschädigt", betonte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein.

Deshalb stellte er die Charakterfrage in Sachen Hans-Georg Simon, bei dem er seit dem Kommandantenwechsel bei der Kronacher Wehr auch einen Mentalitätswechsel festgestellt haben will. Der Bürgermeister betonte seine Wertschätzung für seinen Mitarbeiter Stefan Wicklein und dass im Rathaus transparent gearbeitet werde. Vor diesem Hintergrund sei Simons Verhalten nicht mehr hinnehmbar. Beiergrößlein will zudem nicht ausschließen, dass Simon sich von Dritten instrumentalisieren lasse.

In einer unangenehmen Situation

Stefan Wicklein verwies darauf, vor Kurzem das Gespräch über mögliche Probleme mit Simon gesucht zu haben. Er habe allerdings keine Reaktion auf seine Nachfrage nach noch offenen Problemen erhalten. Die jetzige Situation "ist mir äußerst unangenehm", räumte er weiter ein. "Es leiden alle darunter, dass er mit mir ein Problem hat - und ich weiß nicht welches."

Michael Zwingmann, Fraktionsvorsitzender der FW im Stadtrat, kündigte an, Simon anhören und sein Verhalten in der Fraktion diskutieren zu wollen. Das Auftreten seines Fraktionskollegen sei nicht akzeptabel. Zu weiteren Schritten, beispielsweise einem Ausschluss, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

Peter Witton, Stadtrat der Grünen, unterstrich, dass eventuelle Lügen, Verleumdungen oder Dienstverletzungen durch Hans-Georg Simon - sollten sie sich bestätigen - nicht in Ordnung seien. "Wenn das so weitergeht, muss man mal die Bremse reinhauen", forderte er.

Markus Oesterlein (CSU), Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses, hob die offene Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hervor. Er kritisierte, dass Simon den Ausschuss in den Argumentationen "für persönliche Rachefeldzüge" benutzen wolle. Und wer selbst die Verabschiedung des Haushalts schwänze, um früher aufs Freischießen zu gehen, zeige "Inkonsequenz", wenn er dann einen Feuerwehrmann für seinen Hilfseinsatz anprangere.

Ruf nach einem Schlussstrich

Zu den Anschuldigungen legte Kommandant Christian Büttner ausführliche Sachverhalte und Zahlen vor, die den Behauptungen Simons widersprachen. Stefan Wicklein ergänzte: "Wir haben alle Unterlagen da. Es wird nichts gemauschelt!" Büttner ging auf frühere Gespräche mit Simon ein, die allerdings nicht gefruchtet hätten. Trotz aller Erklärungen würden die immer gleichen Themen wieder und wieder aufgekocht. Dies sorge nicht nur bei den Führungskräften, sondern bei der ganzen Mannschaft und den Angehörigen für Frust.

Dem pflichtete der Sprecher der aktiven Mannschaft, Joachim Blinzler, bei. Er stärkte dem Führungsteam den Rücken und kommentierte Simons Verhalten hart: "Wir sehen die Gefahr, dass es nicht endet. Das ist ganz starker Tobak. Es muss ein Exempel statuiert werden, damit mal Schluss ist."

Das sagt Hans-Georg Simon zum Pressegespräch

Missverstanden, gemobbt und sogar verleumdet fühlt sich Hans-Georg Simon laut den Aussagen in seinem Schreiben. Eine Einschätzung, die er in einem Telefonat nach dem Pressegespräch unterstrich.

Es gehe ihm um die Sache, betonte er. Er habe keine persönlichen Probleme mit Stefan Wicklein, den er auch schon als "selbstverliebten Hauptamtsleiter" titulierte, oder mit Christian Büttner. Gleichwohl fühlt er sich von ihnen desinformiert beziehungsweise angegriffen.

"Es hat nichts mit der Feuerwehr zu tun, sondern mit dem Stadtrat", hebt er zu seiner Kritik hervor. Deshalb werde er vollkommen zu Unrecht als Hetzer gegen die Wehren gebrandmarkt. Es gehe ihm um die Interessen der Bürger. Er wolle vernünftig mit ihrem Geld wirtschaften und stelle deshalb auch unbequeme Fragen. Und er wolle Protestwähler vermeiden, denn "die ganze AfD-Sch... hat gezeigt, die Leute sind unzufrieden".

Simon meint, dass sich ab einem bestimmten Zeitpunkt der Umgang mit ihm im Rathaus gewandelt habe. "Der Wurm ist drin, seit ich die Frage nach dem Feuerwehr-Bedarfsplan gestellt habe." Dabei ziele er mit diesem Anliegen nicht gegen die Feuerwehren, sondern er wolle nur eine klare Planungsgrundlage haben. "Das ich gegen die Feuerwehren bin, ist der größte Krampf. In den Wehren sind große Idealisten. Da wünsche ich mir eine optimale Ausstattung", stellt er fest.

Er will bis zur Wahl im Gremium bleiben

Wie geht es nun für ihn im Gremium weiter? "Es ist bekannt, dass ich bei den FW nicht mehr auf eine Liste gehen werde. Und ich muss sehen, ob ich politisch überhaupt noch aktiv bleibe", blickt er aufs Jahr 2020. Bis zur Wahl wolle er sein Stadtratsmandat allerdings weiter wahrnehmen.

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