Kronach
Zivilcourage

Brutale Vergewaltigung von 18-Jähriger verhindert: Frau wurde zur Heldin in Kronach

Sie hatte die 18-Jährige vor einer Vergewaltigung bewahrt: Passantin, die im Juli im LGS-Gelände in Kronach einer jungen Frau zur Hilfe geeilt war, wurde jetzt geehrt. Die Helferin hat vom "Weißen Ring" eine Dankurkunde für ihren Einsatz erhalten.
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Am 5. Juli wäre wohl eine 18-Jährige auf dem LGS-Gelände (Bild) vergewaltigt worden, wäre eine Passantin nicht eingeschritten. Foto: Andreas Schmitt
Am 5. Juli wäre wohl eine 18-Jährige auf dem LGS-Gelände (Bild) vergewaltigt worden, wäre eine Passantin nicht eingeschritten. Foto: Andreas Schmitt

"Der hätte nicht aufgehört", ist sich die Helferin, die anonym bleiben möchte, sicher, als sie von Inge und Walter Schaller von der "Weißer Ring"-Außenstelle Kronach mit einer Urkunde und einem Blumengruß für ihr mutiges Einschreiten bedacht wird.

Die Frau war am Morgen des 5. Juli mit ihrem Hund auf dem Landesgartenschau-Gelände (LGS) unterwegs, als sie dort durch laute Hilfeschreie auf die versuchte Vergewaltigung aufmerksam wurde und ihrerseits durch lautes Schreien den Täter zur Flucht veranlasste. Die sexuell motivierte Straftat, bei der die 18-Jährige verletzt wurde und nur knapp einer Vergewaltigung entkam, hatte für großes Entsetzen in Kronach gesorgt.

Passantin hört Hilferufe und vertreibt Täter

Das Opfer war an diesem Morgen zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit, als es kurz vor 8.15 Uhr im LGS-Park von einem Unbekannten unvermittelt zu Boden gerissen und ins Gebüsch gezerrt wurde. Der Täter versuchte, die sich heftig wehrende junge Frau zu entkleiden. Die Passantin, die gerade mit ihrem Hund Gassi ging, hörte deren lauten Schreie und rief ihrerseits um Hilfe. Daraufhin ergriff der Täter die Flucht.

"Das war für mich zunächst eine total unüberschaubare Situation, zu der ich hinzugestoßen bin. Ich dachte zuerst an einen Fahrrad-Unfall", erzählt die couragierte Helferin, dass sie herumliegende Gegenstände wie ein Handy, einen Rucksack und Kleidungsstücke gesehen habe. Als sie dann jedoch Schreie wie in "Todesangst" gehört habe, habe sie gewusst, dass etwas nicht stimmt.

Helferin kümmerte sich rührend um Opfer

Daraufhin habe sie ihrerseits zu schreien begonnen: "Alarm, Feuer, Polizei - alles, was mir gerade eingefallen ist!" Der Täter habe die Flucht ergriffen, während die Helferin der "übel zugerichteten" jungen Frau zur Hilfe gekommen ist. Diese habe große Angst gehabt, dass der Täter zurückkommen würde. Deshalb habe sie immer wieder beruhigend auf sie eingeredet: "Der kommt nicht zurück!" Das Opfer habe sie anschließend mit in ihre Wohnung genommen und sich dort um sie gekümmert, bis deren Mutter und die alarmierten Einsatzkräfte eintrafen. Der Rettungsdienst versorgte die junge Frau und brachte sie anschließend in das Krankenhaus. Einen Tag später wurde ein 35-Jähriger aus dem Landkreis Kronach festgenommen, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

"Ich würde jederzeit wieder helfen", bekundet die nunmehr Geehrte. Diese freut sich zwar über die Anerkennung durch den "Weißen Ring", betont aber zugleich, dass es sich dabei um eine Selbstverständlichkeit gehandelt habe, für die es keine Ehrung gebraucht hätte. "Ich habe nur das getan, was meine Pflicht war und was ich in dieser Situation für richtig hielt", sagt sie.

Unterlassene Hilfe ist strafbar

Unterlassene Hilfeleistung bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not ist tatsächlich strafbar nach dem Strafgesetzbuch. Ein so beherztes und mutiges Eingreifen ist aber, wie Inge Schaller weiß, heutzutage alles andere als selbstverständlich. "Sie hat intuitiv alles genau richtig gemacht", würdigt die ehrenamtliche Leiterin der "Weißer Ring"-Außenstelle Kronach, die mit ihren Mitarbeitern in Not geratene Opfer von Kriminalität berät, betreut und unterstützt. Wenn Menschen zu einer Straftat hinzukämen, sei es sehr wichtig zu wissen, was konkret getan werden könne. "Oberstes Ziel ist es, im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten zu helfen, ohne sich selbst zu gefährden", betont Inge Schaller. Die stärkste Waffe, die man habe, sei die Stimme - so wie sie eben die Passantin eingesetzt habe, indem sie sich die "Seele aus dem Leib" geschrien habe.

Menschen zu ermutigen, sich einzumischen und Verantwortung zu übernehmen, sei eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Paradoxerweise sinkt laut Schaller die Wahrscheinlichkeit, dass jemand bei einer Straftat eingreift oder Hilfe leistet, je mehr Augenzeugen dabei sind. Dennoch appelliert das Ehepaar Schaller: "Schauen Sie bei Straftaten nicht weg! Machen Sie den ersten Schritt und fordern Sie auch von anderen Hilfe ein und zwar ganz konkret. Sprechen Sie dafür die Umstehenden möglichst direkt an."

Die junge Frau, die aufgrund des schlimmen Vorfalls im Krankenstand ist, wird psychologisch betreut. "Ein solches Erlebnis zu verarbeiten, kann sehr lange dauern. An den Folgen leiden Opfer jahrelang", weiß Inge Schaller. Aber auch an der Helferin ist das Geschehene nicht spurlos vorüber gegangen. Die Bilder hätten sich bei ihr eingebrannt. "Niemand hätte wohl vorher gedacht, dass man in Kronach an diesem Ort, um diese Zeit Opfer einer Vergewaltigung werden könnte", betont sie und überlegt, sich beim Weißen Ring zu engagieren. Hierüber würden sich die Eheleute Schaller natürlich sehr freuen.



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