Kronach
Craft Beer

Braumanufaktur Häferbräu aus Kronach: Drei Männer und das Bier

Die Braumanufaktur Häferbräu ist vielleicht die kleinste und eventuell auch jüngste Brauerei in der Region. Was den drei Braumeistern an Erfahrung und Equipment fehlt, machen sie mit Begeisterung und Arbeitseinsatz wett.
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Johannes Häfer, Heiko König und Max Häfer in der Braumanufaktur Häferbräu in Kronach. Foto: Anna-lena Deuerling
Johannes Häfer, Heiko König und Max Häfer in der Braumanufaktur Häferbräu in Kronach. Foto: Anna-lena Deuerling
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Wenn sich Herzblut und Leidenschaft messen lassen - dann produzieren Heiko König (33), Max (30) und Johannes Häfer (33) im Monat rund 300 bis 400 Liter davon. Mit der Braumanufaktur Häferbräu haben sich die drei einen Traum erfüllt, den schon viele vor ihnen geträumt haben: Den von der eigenen Brauerei. Und einen, der ohne literweise Herzblut und Leidenschaft nicht in Erfüllung gegangen wäre.

Angefangen hat alles mit einem Braukurs, den Max Häfer vor einigen Jahren von seiner Freundin geschenkt bekam. Mit klassischen Einwecktöpfen und Plastikeimern startet er im Anschluss im heimischen Keller erste eigene Brauversuche. "Das ging dann nach dem Motto: Trial and Error", erklärt er. Zu Deutsch: Versuch und Irrtum. Aber neben einigen Versuchen für den Abfluss, gab es andere, bei deinen er sich dachte: "Das ist gar nicht mal so schlecht." Mittlerweile sind auch Bruder Johannes und Schwager Heiko von der Idee begeistert.

Bier als Geschenk

"Wir haben dann öfter mal für eine Hochzeit oder Geburtstage von Freunden größere Mengen gebraucht", beginnt Max ihre kleine Erfolgsgeschichte. "Als Geschenk ist das immer super angekommen." Und auch bei den Hochzeits- und Geburtstagsgästen kommt der Gerstensaft gut an. "Wenn man dann auf einmal positive Resonanz von 100 Leuten bekommt, motiviert das natürlich." Das Equipment wird etwas professioneller, die Mengen größer, die Rezepte ausgefeilter. Bis zu 200 Liter darf man privat ohne offizielle Anmeldung brauen. "Dann kam immer öfter die Frage: Warum kann man euer Bier denn nirgendwo kaufen?" Und die stellen sich die drei auch selbst.

"Wir dachten uns: Warum nicht? Und was braucht man eigentlich, um eine Brauerei aufzumachen?", erklärt Johannes Häfer. Vom Gesundheitsamt bis zur Handwerkskammer ist die Liste der Anlaufstellen lang, doch vor allem die Suche nach der passenden Location war eine Herausforderung. Mit der ehemaligen Metzgerei in der Andreas-Limmer-Straße finden sich zwar passende Räumlichkeiten - allerdings in einem desaströsen Zustand. Doch nachdem neben Fachmännern auch das Gesundheitsamt grünes Licht gibt, geht es los mit dem Projekt "Häferbräu".

Positives Feedback

"Die Hauptmotivation lag eigentlich darin, dass wir so viel Unterstützung und positives Feedback bekommen haben", sagt Max. "Und die Tatsache, dass wir zu dritt sind, hat zusätzlich bestärkt."

Über ein Jahr renovieren die drei in jeder freien Minute die "Ruine" - ein Jahr, das nicht nur ihnen neben ihren Vollzeitjobs viel abverlangt, auch Familie und Freunden viel Unterstützung und Verständnis. Doch Mitte 2018 stehen Kessel und Kühlung bereit, die Brauerei ist einsatzfähig, im September 2018 verkaufen sie das erste Original Häferbräu.

Mittlerweile sind es zwar mehre Hundert Liter im Monat - das Bier ist allerdings oft schon vergriffen, bevor es überhaupt gegärt ist. Hauptsächlich läuft das "Geschäft" über Facebook auf Vorbestellung. Was nicht direkt von den Kunden abgeholt wird, wird beim Getränkemarkt Liebmann gleich ums Eck verkauft. "Der persönliche Kontakt ist uns wichtig, wir wollen unser Bier nicht in einer großen Kette verkaufen lassen, sondern von jemandem, der auch mit Herzblut bei der Sache ist", sagt Johannes.

Nach Reinheitsgebot, doch hochverderblich

Dass sie ihr Bier so schnell an den Mann zu bekommen, trifft sich im Grunde ganz gut - nicht pasteurisiert ist es hochverderblich und gekühlt nur circa vier Wochen haltbar. "Allerdings wissen wir genau, was reinkommt - und halten uns noch an das alte Reinheitsgebot." Nicht industriell und damit ohne Zusatzstoffe zu brauen mache auch den besonderen handwerklichen Charakter aus.

Ist bei allem Idealismus allerdings auch ziemlich aufwendig. "Wir betreiben hier schon einen enormen händischen Aufwand", sagt Max über den Brauprozess. Hinzu kommt das Befüllen, Etikettieren, Organisieren. "Das Einzige, was wir nicht machen, ist Flaschen blasen." Die kommen aus Kleintettau und finden in den - wie soll es auch anders sein - handgebauten Holzträgern Platz.

"Mit dem Equipment, das wir haben, arbeiten wir höchst effizient", sagt Johannes, schiebt aber nach: "Wir kompensieren mit Zeiteinsatz viel." Würde man den Arbeitsaufwand, der in jeder Flasche Häferbräu steckt, auf den Preis schlagen - das wäre nicht nur ein edler, sondern auch ein kostbarer Tropfen. Doch genau das wollen die drei nicht. 1,50 Euro zahlt man für eine Flasche - ein gerechtfertigter Preis für Kronach, meint Max Häfer. "Wir brauen mit Herzblut für die Leute." Geld verdienen sie damit momentan nicht - noch nicht. Aktuell werden alle Kosten gedeckt. Wenn mal - wie beispielsweise durch Braukurse (siehe unten) - ein paar Euro mehr auf dem Konto liegen, investiert man direkt wieder in neues Equipment. Denn bei den 350 Litern im Monat soll es nicht bleiben. "Wir wollen wachsen - aber klein bleiben", sagt Max. "Das Ganze soll organisch wachsen", fügt sein Bruder an.

Die Braumanufaktur und ihre Biere

U's Spelt Uwe ist ein glücklicher Mann - trotz Gerstenallergie. Denn eigens für ihn hat Häferbräu ein gerstenfreies Dinkelbier im Angebot. Nicht so einfach zu brauen - und nichts für jeden Geschmack. "Es polarisiert", sagt Max Häfer. Die Note sei nussig, aber auch leicht fruchtig.

Bohemian Lager Durch Saazer Hopfen und böhmisches Malz bekommt das Lager seine "tschechische Note". Süffig, würde der eine sagen - "sperrt nier" sagen die Braumeister. Circa 20 Mal haben sie das Grundrezept überarbeitet. "Der Geschmack kann auch mal abweichen - aber das ist eben der handwerkliche Charakter."

Dark Experience "Sanfter Charakter mit dunkler Seele", schreibt die Braumanufaktur zu ihrem Dunkelbier. Wie man es auch umschreiben könnte: Ein Dunkelbier, das auch schmeckt, wenn man eigentlich lieber Helles mag.

Mein's Wer einen Braukurs bei Häfers macht, darf wenige Wochen später seine eigene Kreation abholen - in Flaschen oder im Fass. Circa 25 bis 30 Rezepte hat das Team im Repertoire. Welche Sorte gebraut wird - ob Pils, Lager oder Rotbier - entscheiden die Kursteilnehmer selbst.

Kontakt und Braukurse Bei einem Braukurs können bis zu zehn Teilnehmer einen kompletten Brautag erleben und ihr eigenes Bier brauen. Der Kurs kostet inklusive Verpflegung 70 Euro pro Person. Mehr Informationen auf Facebook ("Braumanufaktur Häferbräu") oder Fragen per Mail an haeferbraeu@gmx.de. red

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