Kronach
Natur

Borkenkäfer gegen Fichte: Im Frankenwald tobt derzeit ein erbitterter Kampf

Die Waldbesitzer im Frankenwald sind in Sorge: Der trockene Sommer hat die Fichten so geschwächt, dass sie sich gegen Borkenkäfer kaum mehr wehren können.
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Forstarbeiter Helmut Pfadenhauer hat eine Fichte gefällt und sägt die Äste ab. Sie wurde vom Buchdrucker befallen, der sich  in die Rinde bohrt. Foto: Andreas Schmitt
Forstarbeiter Helmut Pfadenhauer hat eine Fichte gefällt und sägt die Äste ab. Sie wurde vom Buchdrucker befallen, der sich in die Rinde bohrt. Foto: Andreas Schmitt
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"Es ist ein Kampf gegen Windmühlen", sagt Helmut Pfadenhauer. Der 55-Jährige aus Gifting ist professioneller Forstarbeiter und auch privater Waldbesitzer. Und er ist derzeit wie viele, denen der Frankenwald am Herzen liegt und die von ihm leben, besorgt, traurig und ein wenig sauer.

"Da ziehst du dir den Wald 30 Jahre lang groß, und dann kommt ein Sommer und alles geht kaputt", sagt Pfadenhauer. Viel länger kann er nicht reden. Denn im Wald bei Förtschendorf, wo wir ihn treffen, warten noch einige einst mächtige, jetzt aber kranke Fichten darauf, schnellstmöglich gefällt zu werden.

"Fränkischen Wäldern geht es nicht gut": ein Forstexperte im Interview

"So geht es derzeit überall", berichtet Tobias Wicklein. Der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen muss nicht lange suchen, um bei der Fahrt durch den nördlichen Kreis Kronach Orte zu finden, wo abgeholzt werden muss. "Da ist der Käfer drin. Und hier liegt Käferholz", sagt Wicklein. Der studierte Förster ist mit dem gleichberechtigten Geschäftsführer Wolfgang Schirmer für 1500 private Waldbesitzer zuständig.

Hitze begünstigt die Schädlinge

Die Extremwerte des Rekordsommers haben den Schädlingsbefall begünstigt. Denn Fichten, die es nirgends in Bayern häufiger gibt als im Frankenwald, haben eigentlich einen natürlichen Abwehrstoff. "Ihr Harz spült den Käfer aus der Rinde heraus, wenn er Gänge anlegt", erklärt Peter Hagemann, der sich als Forstbereichsleiter Rothenkirchen um den Staatsforst im Frankenwald kümmert.

Natur im Frankenwald ächzt unter der großen Trockenheit

Das Problem: Bei Trockenheit produzieren die Bäume weniger Harz und sind anfälliger für Schädlinge - unter anderem Buchdrucker und Kupferstecher. "Das sind die Aasgeier des Waldes. Die stürzen sich auf alles, was sowieso schon geschwächt ist", sagt Forstarbeiter Pfadenhauer.

Und geschwächt sind die Bäume in diesem Sommer auf jeden Fall."Bis Juli reicht die Winterfeuchtigkeit, danach haben sie keine Kraft mehr, wenn es nicht mal stark regnet." Die Frankenwaldböden sind ohnehin locker und flachgründig, Fichten zudem Flachwurzler. Hagemann: "Sie brauchen Regen."

Dass es den 2018 fast nicht gab, merkt Tobias Wicklein von der WBV. "Während unserer Sprechstunden wird es in unserem Büro in Teuschnitz derzeit richtig voll. " Die Waldbesitzer wollen sich informieren.

Käfer vermehren sich rasant

Denn haben sich die Schädlinge erst einmal in den Bäumen eingenistet, vermehren sie sich rasant: Der Pionierkäfer, der den Baum befällt, zeigt seinen Artgenossen mittels Lockstoffen (Pheromone), dass "das Hotel eröffnet ist" (Wicklein). In der so genannten Rammelkammer zeugen die Käfer, die dem Baum die Nährstoffe entziehen, Artgenossen im Faktor eins zu 69. Diese verlassen den Baum und suchen den nächsten. Schon in der dritten Generation sind es 4900, in einer vierten über 338000 Schädlinge.

Und in einem heißen Sommer wie 2018 sind mehrere Generationen möglich. Wicklein: "Sie ziehen weiter, wenn es warm und lange genug hell ist." Ist ein Baum befallen, hat man vier Wochen Zeit, um ihn aus dem Wald zu bringen oder zu entrinden.

Für die Waldbesitzer ein Verlustgeschäft: Neben dem Mehraufwand haben sie Einnahmeausfälle. "Wir bekommen derzeit doppelt so viel Holz rein wie normal, obwohl kein Frischholzschlag betrieben wird", sagt Wicklein. "Alles Käferholz." Und für dieses erhalten Verkäufer pro Festmeter derzeit 15 bis 20 Euro weniger. "Zum einen ist es qualitativ schlechter und kann nicht für Sichtbereiche verwendet werden. Und, so der 28-Jährige: "Wegen der starken Abholzung gibt es ein Überangebot."

Wie Experten die Schädlinge im Frankenwald künftig bekämpfen wollen und was Waldbesitzervereinigungen eigentlich sind, lesen Sie hier im infrankenPlus-Artikel.



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