Kronach
Gesundheit

Betriebsrat der Helios-Frankenwaldklinik: "Sorgen der Mitarbeiter sind spürbar"

Nach "Brandbrief" und Gewerbeaufsichtskontrolle wird in der Helios-Frankenwaldklinik an Verbesserungen gearbeitet. Das Personal bleibt in Sorge.
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Die tosenden Wellen der Schlagzeilen, die die Helios-Frankenwaldklinik vor zwei Wochen erreichten, haben sich wieder beruhigt. Der idyllische Schein aber trügt: Trotz erster Gespräche hat sich an der  für viele Mitarbeiter unbefriedigenden Lage noch wenig  geändert.  Foto: Archiv/Marco Meißner
Die tosenden Wellen der Schlagzeilen, die die Helios-Frankenwaldklinik vor zwei Wochen erreichten, haben sich wieder beruhigt. Der idyllische Schein aber trügt: Trotz erster Gespräche hat sich an der für viele Mitarbeiter unbefriedigenden Lage noch wenig geändert. Foto: Archiv/Marco Meißner

"In der Klinik ist es wieder ruhiger geworden", schildert Robert Pötzinger seine Eindrücke der vergangenen Tage. "Auch wenn sich in der Sache noch nichts geändert hat."

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, der derzeit den im Urlaub weilenden Manfred Burdich vertritt, analysiert, was sich in der Helios-Frankenwaldklinik seit einem an Landrat Klaus Löffler (CSU) adressierten "Brandbrief" des Pflegepersonals der Station 2 vor zwei Wochen getan hat.

Der "Brandbrief" und die Reaktion der Politik

Der Inhalt: Die Mitarbeiter der Station, die Patienten der Kardiologie und der inneren Medizin versorgt, klagten in ihrem Schreiben über Überbelastung und kurzfristige Schichtumplanungen. Dies gefährde die ausreichende Patientenpflege.

Die Folge: Die Kritik rief das Gewerbeaufsichtsamt auf den Plan, das im Kronacher Krankenhaus eine Kontrolle durchführte. Und der "Brandbrief" fand auch in der Kreis-Politik ein Echo. Neben MdL Jürgen Baumgärtner (CSU), schon vorher Kritiker von Klinik-Geschäftsführer Christian Kloeters, äußerten auch SPD-Klinikbeirat Richard Rauh und Landrat Löffler erstmals öffentlich Kritik am Klinikleiter und forderten dringend ein erstmaliges Zusammenkommen des Klinikbeirats im Jahr 2018 ein.

Der "Brandbrief" und die erste Reaktion des Betriebsrats

Der Helios-Konzern hingegen stärkte in Person des Regionalgeschäftsführers der Region Süd, Marcus Sommer, seinem Kronacher Geschäftsführer den Rücken. Außerdem kündigte Sommer ein Beiratstreffen im November an, bei dem er das persönliche Gespräch mit den Politikern suchen möchte.

Beiratstreffen am 30. November

Wann wird getagt? "Wir haben von Helios eine Einladung erhalten", bestätigt Betriebsrat Robert Pötzinger. Am 30. November werden Sommer, Kloeters, Landrat Löffler, die Klinikbeiräte Baumgärtner (CSU), Pohl (SPD) und Peter Hänel (FW) sowie für den Betriebsrat Vorsitzender Burdich, Stellvertreter Pötzinger und Thomas Wendrich zusammensitzen. Die Tagesordnung ist noch unklar. Sie muss laut Satzung zwei Wochen vorher mitgeteilt werden.

Was geschieht aktuell? "Die Klinik ist bemüht. Es ist nicht so, dass gar nichts gemacht wird. Aber es gibt noch keinen Masterplan, wie es ab morgen besser gehen soll", sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Pötzinger über erste Gespräche eines neu gegründeten Orga-Teams, in dem sich Ärzte, Pflegepersonal und Hilfskräfte ihre Gedanken über strukturelle Verbesserungen machen. Der Betriebsrat werde über die Ergebnisse nicht offiziell informiert. Die Vertreter der Mitarbeiter bekämen aber mit, dass über neue Organisationsstrukturen - etwa die Einführung von Stationsgehilfen -, und die Neubesetzung von Leitungspositionen gesprochen werde.

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"Das Orga-Team wird sich kontinuierlich mit der Klinikgeschäftsführung abstimmen. Mit dem Gewerbeaufsichtsamt wurde vereinbart, regelmäßig über die eingeleiteten Maßnahmen zu berichten", sagt Helios-Sprecher Stephan Zeidler, bis 2017 Chef der Kronacher Unternehmenskommunikation, nun an der Helios-Klinik Meiningen tätig, und derzeit Vertreter des urlaubenden Kronacher Kollegen Stefan Studtrucker.

Zu Details geplanter Veränderungen möchte sich die Klinikleitung in drei bis vier Wochen äußern. "Diese Frist ist auch fair gegenüber unseren Mitarbeitern, die ja ihre Ideen und Vorschläge in die Arbeit des Orga-Teams mit einbringen", betont Zeidler. Zu einem laut Pötzinger bestehenden Aufgabenkatalog der Gewerbeaufsicht, der binnen vier Wochen abzuarbeiten sei, äußerte sich Helios nicht.

Was sagt der Landrat? Generell nicht erneut äußern möchte sich Landrat Klaus Löffler. Sein Geschäftsstellenleiter Stefan Schneider teilt mit: "Die Beiratssitzung findet auf Drängen des Landrats statt. Durch seine Aussagen in vergangenen Presseartikeln wurde deutlich, was er von der Situation hält. Von unserer Seite ist alles gesagt, jetzt gilt es zu handeln."

Überlastung ist nicht weg

Gibt es neue Anzeigen? Die Frage, ob in den vergangenen zwei Wochen weitere Mitarbeiter ihre Überlastung beim Betriebsrat angezeigt haben, konnte Robert Pötzinger nicht eindeutig beantworten. Es sei zu unterscheiden, ob es sich um tatsächliche Überlastung handele oder Mitarbeiter präventiv die Gefahr einer Überlastung anzeigten. "Vierteljährlich kategorisiert die sogenannte Arbeitssicherheitsausschussgruppe mit Vertretern des Betriebsrats und der Pflege die Meldungen", erklärt Pötzinger. Generell sei die Überlastung aber greifbar. "Die Klagen gehen durch alle Abteilungen." Helios-Sprecher Zeidler teilte zu der Thematik für Helios lediglich mit: "Anlässlich der Begehung durch die Gewerbeaufsicht wurden keine Verstöße gegen gesetzliche Arbeitszeitbestimmungen festgestellt und die Einhaltung der Personalschlüssel bestätigt."

Wie ist die Stimmung? Zeidler: "Unsere Mitarbeiter leisten jeden Tag - trotz der wiederholt kritischen Berichterstattung - sehr gute Arbeit. Dies ist für die Klinikleitung eine wichtige Grundlage, um die offenen Themen gemeinsam zu bearbeiten." Betriebsrat Pötzinger erinnert an die legitimen Interessen der Mitarbeiter. "Sie wollen eine bessere Arbeit machen." Es gehe ihnen auch um den Standort Kronach. "Es muss sich was tun. Bei vielen ist die Sorge um ihren Arbeitsplatz spürbar."

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